Skip to content

(Un)Erwünschte Eindringlinge

1. April 2016

Home-Invasion-Filme haben es heutzutage auch nicht mehr so leicht. Schließlich ist aus dem Konzept eigentlich wirklich schon alles raus gequetscht worden, was nur geht. Zumal das halt wirklich nicht viel ist: schließlich geht es darum, dass irgendjemand irgendwo einbricht und es den Bewohnern so richtig unangenehm macht… bis die sich vielleicht wehren. Da Einzige, was man da noch groß variieren kann, ist die Größe des Hauses (von der kleinen Blockhüte über die Villa bis hin zum Hochhaus), die Anzahl der „Invasoren“ (einer, zwei, drei oder halt eine richtig große Gruppe) und natürlich die Anzahl der „Bewohner“ (siehe „Invasoren“). Das ist so ziemlich alles. Wenn man dann vielleicht ein paar Überraschungseffekte mit einbaut, ein paar Geheimnisse hat und ein paar starke Charaktere kann man heutzutage vielleicht auch noch jemanden mit einem Home-Invasion-Film „begeistern“. Was aber leider viel zu selten der Fall ist.

Das dachte sich dann auch Regisseur Adam Schindler, der in seinem Debüt-Film „Deadly Home“ mal was ausprobieren wollte und tatsächlich noch eine kleine nette Erweiterung zu dem ganzen „Spaß“ fand (ob er damit jetzt wirklich der Erste ist, weiß ich nicht – sicherlich gab’s da auch schon vor ihm jemanden. Wenn ihr was wisst, lasst es mich wissen! Danke). Auf jeden Fall fand ich Schindlers Erweiterung spannend genug, um mir „Deadly Home“ mal anzuschauen.

Anna (Beth Riesgraf) lebt mit ihrem schwerkranken Bruder Conrad (Timothy McKinney) in einem recht abgeschiedenen großen Haus. Ein Haus, das Anna seit dem Tod des Vaters nicht mehr verlassen hat, wodurch Anna nun eine ziemlich starke Agoraphobie entwickelt hat. So richtig schlimm wird das Ganze dann aber, als erst Annas Bruder stirbt und schließlich noch drei Einbrecher in ihrem Haus nach Geld suchen. Was die Einbrecher anfangs für leichte Beute halten, ändert sich dann aber rapide. Denn nur weil Anna das Haus nicht verlassen kann, heißt das noch lange nicht, dass sie hilflos ist… und so wendet sich das Blatt.

Verstecken muss sie noch üben

Der erste Akt von „Deadly Home“ ist wirklich ein rein klassischer Home-Invasion-Thriller, der gekonnt die Spannung aufbaut. Wenn wir Anna dabei beobachten, wie sie sich verzweifelt in dem großen Haus zu verstecken versucht, wenn sie unter Tischen hockt, sich hinter Türen versteckt, ist das alles nichts Neues, aber Schindler schafft trotzdem eine gute Atmosphäre und lässt uns mit Anna mitfiebern. Warum? Nun, weil er Annas Agoraphobie gekonnt einsetzt… es gibt eine extrem harte Szene, in der Anna die Möglichkeit hat zu fliehen, aber vor der offenen Tür einfach starr verharrt und es nicht schafft, den Schritt zu wagen. An dieser Stelle möchte man sie durch den Fernseher hindurch schubsen und kann doch nur verzweifeln und muss mit ansehen, wie Anna sich ihrem Schicksal scheinbar fügen muss.

Aber dann ist da ja noch Akt Zwei, in dem Anna gekonnt den Spieß umdreht und die Eindringlinge im Keller einsperren kann. Ich will jetzt nicht verraten, wie sie das alles macht (obwohl der Trailer es schon verrät – weswegen ich mal abrate, den Trailer vorher zu schauen), aber es gelingt ihr halt gut… und hier erweitert Regisseur Schindler „Deadly Home“ dann mit einem ordentlichen Rätsel. Denn Annas Keller scheint vorbereitet zu sein für solche Vorfälle… und plötzlich fiebern wir nicht mehr mit ihr mit, sondern kratzen uns verwirrt am Kopf. Dabei muss man es Schindler einfach lassen, dass er diesen Wechsel, der sowohl in der Geschichte als auch in Anna vorgeht, scheinbar mühelos hinbekommt, ohne dabei irgendwas einbüßen zu müssen.

Dass dieser Wandel so gut funktioniert, liegt aber auch extrem an Beth Riesgraf, die einigen aufmerksamen Zuschauern vielleicht aus ihrem Kurzauftritt in „My Name Is Earl“ ein Begriff sein dürfte. Sie spielt die Anna unglaublich verletzlich und zart… naja, bis sich halt alles dreht und wendet, dann wird aus der zusammengekauerten Anna eine vollkommen andere Person, eine Person, die etwas unheimliches an sich hat, von der man sich fast schon betrogen fühlt, weil man mit ihr mitgelitten hat. Und diese Person sorgt sehr dafür, dass wir nur noch mehr wissen wollen, was sich dort in dem Keller ihres „Deadly Home“ eigentlich abspielt.

So ein bisschen mag man es erahnen, so ein wenig gibt es der Film einem dann auch vor, doch leider ist die Auflösung, die wir dann im dritten Akt geliefert bekommen, eher ziemlich schwach. Ist das Geheimnis erst einmal gelüftet, geht „Deadly Home“ extrem die Puste aus und man spürt mit jeder weiteren Einstellung, dass die gute Idee mehr und mehr flöten geht. Was echt unglaublich schade ist, denn vorher hat einen dieser Film so unter Strom gesetzt und jetzt verpufft alles etwas lasch in der Luft.

„Deadly Home“ ist deswegen irgendwie auch eine kleine Enttäuschung. Mit ein bisschen Durchhalte-Vermögen hätte dieser Film echt ein kleines Meisterwerk sein können, so bleibt es immerhin ein interessant Beitrag zum Home-Invasion-Genre, das leider nicht bis zum Ende die starke Atmosphäre zu Beginn des Films aufrecht erhalten kann.

Wertung: 6 von 10 Punkten (gruselige, kleine Anna… )

Advertisements
6 Kommentare leave one →
  1. 1. April 2016 09:29

    Die Sache mit dem Spieß umdrehen erinnert mich ein bisschen an „You’re next“. Ich werde mir den Film bei Gelegenheit mal ansehen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      1. April 2016 12:02

      „You’re next“ habe ich leider nicht gesehen… kannst du den empfehlen???

      • 1. April 2016 12:11

        Schwer zu sagen. Es war schon erfrischend mal was Neues zu sehen. Andererseits war die Wandlung der Protagonistin doch ein wenig… unglaubwürdig. Sag wir es so: Wenn du ihn dir anschaust, machst du sicher nichts verkehrt.

        • donpozuelo permalink*
          1. April 2016 16:18

          Haha… okay. Danke. Ich bin schon öfter an dem vorbeigelaufen und habe bislang auch so einige gute Sachen über den Film gehört… also werde ich ihm vielleicht mal eine Chance geben.

  2. 2. April 2016 00:37

    Och, erst teaserst du ihn so gekonnt an und dann versaust du es im Schlussakt. Verdammt. 😉

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2016 09:25

      Tja, die perfekte Widerspiegelung des Films 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: