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Track 3

23. März 2016

Ich muss gestehen, dass ich Nicholas Hoult bisher nie so wirklich für voll genommen habe. Das war nie so wirklich der Schauspieler, der mein Interesse geweckt hatte… ich meine, ich fand ihn gut in seiner ersten großen Rolle als kleiner Junge neben Hugh Grant in „About A Boy“ (Junge, wie die Zeit vergeht). Danach hat er alles mal so ausprobiert, bis er schließlich bei den X-Men landete – als Beast. Doch dann kam „Mad Max: Fury Road“ und da muss ich ja gestehen, hat er mich das erste Mal wirklich begeistert. Denn nachdem Charlize Theron diesem Film und Mad Max himself die Show klaut, kommt direkt ein durchgeknallter Nicholas Hoult, der es somit fertig bringt, Mad Max auf den dritten Platz zu verweisen, wenn es um die Coolness in seinem eigenen Film geht. Und jetzt landete plötzlich „Kill Your Friends“ auf meinem Tisch – und was soll ich sagen? Ich glaube, ich werde langsam, aber sicher ein Nicholas-Hoult-Fan, vorausgesetzt natürlich er macht weiterhin solche Filme.

In „Kill Your Friends“ spielt Hoult den aufstrebenden Steven Stelfox, der für ein Plattenlabel arbeitet und in dem verrückten, britischen Musikbusiness der Spät-Neunziger zu überleben versucht. Und dafür ist Steven bereit so einiges zu tun – weswegen er dann auch gerne mal Arnie aus „Conan“ zitiert (in Bezug darauf, was man mit seinen Feinden machen sollte) und den Titel dieses Film ab und an auch mal wörtlich nimmt.

Mein Helene-Fischer-Gesichtsausdruck perfekt auf Film gebannt…

Ich will gar nicht anfangen, zu behaupten, ich hätte Ahnung von Musik. Ich höre sie, ich mag sie und ich mag mir gut vorstellen, dass das Musikgeschäft noch abgefuckter und gruseliger ist als das Filmgeschäft. Wer weiß, vielleicht stehen sie auch auf einem Level… vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall ist das auch so ein „Jeder frisst jeden“-Geschäft, in dem jeder an sich selbst denkt… zumindest will uns „Kill Your Friends“ das weismachen – und ich bin gewillt, dem Film Glauben zu schenken. Denn es passt einfach so perfekt… da philosophiert ein Stelfox (übrigens mit netten Anmerkungen direkt an uns Zuschauer), was das Wichtigste in seinem Geschäft ist. Es geht nicht um die Kunst, um eine politische Aussage… es geht nur ums Geld, um den nächsten großen Hit, für den man alles tut, um ihn zu bekommen. Schließlich zerfleischt das Business die Loser und hebt die Gewinner in den Himmel.

„Kill Your Friends“ wirft einen extrem pessimistischen Blick auf die Musik-Branche und erscheint mir dabei so unglaublich ehrlich, dass es eigentlich schon irgendwie weh tut… und ich mich nach diesem Film irgendwie danach sehne, mir schnellstmöglich „Almost Famous“ anzuschauen, um ein bisschen von dem alten Zauber der Musik und dem Weg zum Ruhm zurückzubekommen. Aber dann fällt mir ein Stelfox wieder ins Wort und reißt mich zurück in die grausame Realität, in der Bands zusammengeschustert werden, in der Talent nichts zählt, solange man das nötige Kleingeld und die Verbindungen hat (was im Film für eine herrlich absurde Episode sorgt). Nach diesem Film will und muss ich mir unbedingt John Nivens Roman holen, auf dem „Kill Your Friends“ basiert. Der ist mit Sicherheit noch bissiger, noch fieser, noch brutaler… und warhscheinlich ähnlich krass und unterhaltsam wie der Film.

Der wiederum lebt von einem umwerfend charmanten, durchgeknallten Nicholas Hoult, der gekonnt die Balance hält zwischen kompletten Psychopathen und fast schon liebenswertem Typen. Hoult erinnert als Stelfox ein bisschen an einen Christian Bale, der in einer nicht unähnlichen Rolle als „American Psycho“ fast das Gleiche durchmachte. Und die Paralellen hören nicht bei den Rollen und den Schauspielern auf… allerdings ist „Kill Your Friends“ weniger blutig und weniger plakativ. Stattdessen baut Regisseur Owen Harris die Geschichte behutsam auf, führt uns ein in diese Welt hinter der Musik und übergibt uns den fähigen Händen von Nicholas Hoult. Der Film ist spannend aufgebaut und wird zum Glück viel mehr Charakterstudie und halt ein Blick hinter die Kulissen als so ein Schlachtfest wie „American Psycho“. Also eigentlich ist „Kill Your Friends“ weniger „American Psycho“, sondern vielmehr ein bisschen wie „Wolf of Wall Street“ – mit einem ähnlichen liebenswerten Arschloch in der Hauptrolle, der dann und wann seine Handlungen direkt für uns erklärt. Nur ist der Film nicht ganz so lang und anstrengend wie „Wolf of Wall Street“, weswegen ich ihn noch ein bisschen mehr mag 😉 „Kill Your Friends“ ist bitterböse… einfach nur tiefschwarz und bitterböse… und dabei so verdammt packend.

„Kill Your Friends“ ist ein bissiger Blick hinter die Kulissen der Musik-Branche… gut, ich glaube, das habe ich schon gesagt. „Kill Your Friends“ ist einfach ein sehr unterhaltsamer, guter Film mit einem wunderbaren Nicholas Hoult, einer krassen Story (und dem schönsten, hinterhältigsten Ende seit langem), toller Musik und und und… ein geiler Film…

Wertung: 9 von 10 Punkten (langsam, ganz langsam entfaltet sich vor unseren Augen das Monster Steven Stelfox)

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4 Kommentare leave one →
  1. 23. März 2016 17:23

    Sehe ich auch so, großartiger fieser Film. Und Hoult hier mal so als überzeugender Bösewicht hatte mich auch angenehm überrascht.

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2016 17:28

      Jupp, Hoult war wirklich gut… hat mir auch echt gefallen. Hatte zuerst so meine Bedenken, ihn in so einer Rolle zu sehen. Aber war ja nicht berechtigt… zum Glück.

  2. 29. März 2016 13:58

    Uuuuiiii. Sehen will!! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2016 14:00

      Mach doch, mach doch 😉 Gibt’s ja jetzt auch schon auf DVD und Blu-ray.

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