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Bei der Macht des Qigong

21. März 2016

Wenn du denkst, du hast eigentlich schon wirklich jeden Scheiß gesehen, kommt meistens doch noch von irgendwo jemand und zeigt dir, dass es noch dümmeren, noch albernen Scheiß gibt, den du noch nicht gesehen hast. So ist es mir letztens passiert, als ein Freund und Arbeitskollege zu mir meinte, ob ich denn schon mal „Story of Ricky“ gesehen hätte. Eine Frage, die ich mit „Nein“ beantworten musste. Ich hatte zwar von dem Film gehört – dass das der größte Trash überhaupt sei und so was alles – aber gesehen hatte ich ihn noch nicht. Zum Glück für mich ist das dann immer Anlass genug, dass ich spätestens am nächsten Tag den Film auf meinem Schreibtisch liegen habe (an dieser Stelle: Danke, Mario!) und so kann ich jetzt endlich mitreden, wenn es um die Geschichte von Ricky geht, der eigentlich sogar richtig: „Riki-Oh: The Story of Ricky“ heißt (aber wahrscheinlich haben Filme, die in Deutschland mit O enden, zu sehr den Erotik-Film-Stempel weg).

Wir schreiben das ferne Jahr 2001. Es ist eine raue Zukunft, in der so ziemlich alles privatisiert ist, selbst Polizei und Gefängnisse (und nein, bevor jemand fragt, dass wird jetzt kein Remake von „Robocop“. Das gab’s ja auch schon!). In ein solches, von einem üblen Pack betriebenes Gefängnis kommt Ricky (Siu-Wong Fan), der wegen Mordes verurteilt wurde (aber natürlich, wie wir später in Rückblenden erfahren, war es ein „guter“ Mord). Im Gefängnis ist Ricky gefundenes Frischfleisch für die Aufseher und Gangster-Bosse. Doch Ricky ist zäher als erwartet, denn er besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten und ist ein Meister des Qigong, weswegen er nahezu unbesiegbar ist.

Komm, ich zeig dir den Windsor-Knoten…

Tja, und das sollte eigentlich auch schon reichen. Denn wirklich mehr „Story“ hat „Story of Ricky“ nicht zu bieten. Ist aber auch nicht nötig, denn wenn es mehr „Story“ in diesem Film gegeben hätte, hätte es bedeutet, die Schauspieler hätten mehr schauspielern müssen. Da das aber zu viele „Hättes“ sind und die Leute in diesem Film wirklich, wirklich nicht gut schauspielern, ist das alles okay. Wir bekommen trotzdem noch genug Herz zerreißende Schreie im Regen, theatralische Auftritte, die perfekt zur theatralischen Musik getimt sind und „emotionale“ Blicke – mal wütend, mal irgendwas, je nachdem, was als Emotion gerade im Drehbuch neben dem Namen stand.

Also Story kann man getrost vernachlässigen, aber man kann sie mal erwähnen. Denn wie schon erwähnt, gibt’s halt zwischendurch ein paar Rückblenden und insgesamt hat man das Gefühl, unter einem fähigen Regisseur mit fähigen Schauspielern und einem guten Drehbuch hätte man mehr aus „Story of Ricky“ machen können als reines Trashkino. Aber, Verzeihung, ich weiche zu sehr vom Thema ab und rede über Dinge, die wirklich nicht wichtig sind… ich habe jetzt ernsthaft schon zwei Absätze über die Story geschrieben… bei einem Film, dem es Scheißegal ist, was diese Leute da eigentlich reden.

Viel wichtiger ist in „Story of Ricky“ natürlich die „Kampfkunst“ des Qigong… und ich setze das Kampfkunst jetzt mal in Anführungszeichen, weil viel Kampf steckt nicht drin. Kunst schon… vor allem Kunstblut und verdammt viel Kreativität, wenn es darum geht, Leute zu zerteilen. Und was soll ich sagen: „Story of Ricky“ ist ein absurdes, lachhaftes Schlachtfest der besten Trashgüte. Dabei sollte lachhaft eindeutig zweideutig verstanden werden: ja, zum einen sieht es echt albern aus, weil man halt die Gummi-Hände und die Ersatzköpfe sehr, sehr gut erkennt, aber ja, zum anderen ist das alles auch irgendwie nur verdammt witzig. Lange bevor ein poppeliger „Machete“ Gedärme zweckentfremdete, wurde das schon in „Story of Ricky“ gemacht – nur halt noch ein Funken besser.

Und ich will jetzt gar nicht anfangen, Details zu erwähnen, weil das würde den Film zerstören. Denn diese absurden Gewaltausbrüche sind es ja gerade, die „Story of Ricky“ ausmachen. Der Film nimmt sich dabei zum Glück zu keiner Sekunde ernst, sondern spielt einfach mit den Gesetzen der Physik und den unmenschlichen Möglichkeiten, die so ein Ricky dank bestens ausgestattetem Qigong so hat. Da können auch mal eben Nervenenden wieder zusammengeknotet werden, um den Gegner dann wieder mit beiden Armen fertig zu machen – und da habe ich doch wieder was verraten. Formulieren wir es mal einfach so: Es gibt „over the top“ und dann gibt’s „Story of Ricky“ Also guckt euch das Ding einfach an, wenn ihr mal so richtig Bock auf absurdes, extrem comichaftes Gewaltkino habt…

Und wenn ich schon dabei bin, Empfehlungen auszusprechen, dann spreche ich jetzt eine aus, die ich normalerweise nicht laut kundgeben würde: Schaut euch die deutsche Synchro-Fassung an… denn die trägt ungemein zum Spaßfaktor dieses Films bei. Denn passend zu den hölzernen Schauspielern gibt’s eine Synchro, die klingt, als hätten sie ein paar Filmstudenten zum Spaß mal an einem Nachmittag eingesprochen. Da steckt dann immer so viel „Emotion“ in den Wutausbrüchen drin, dass das einem alles wirklich sehr nahe geht 😉

Wertung: 7 von 10 Punkten (Trash-Kino pur: so schön dumm, dass es einfach nur Spaß macht)

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4 Kommentare leave one →
  1. 21. März 2016 10:14

    Den hab ich vor über 10 Jahren mal gesehen. Und ich würde ja jetzt gerne „top Film“ sagen, aber dann müsste ich lügen. Lustig-dämlich ist er allemal. Und damals empfand ich das Geschehen schon noch als brutal, da war ich aber auch entsprechend jünger. Hach herrlich, diese „Kultfilme“. Zeitverschwendung par excellence. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2016 21:06

      😀 Ja, „Top Film“ ist halt wirklich zu viel gesagt. „Top Trash“ passt schon eher… obwohl einmal gucken dann irgendwie auch reicht. Es sei denn, man macht irgendwie ein Trinkspiel draus 😀

  2. 22. März 2016 16:14

    Au weia, ich dachte Qigong wären nur harmlose Meditationsübungen für Rentner, dass da auch „Kampfkunst“ dahintersteckt…und mit Därmen killt man da. Hm, unappetitlich :))

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2016 17:28

      Das habe ich eigentlich auch gedacht, aber man lernt ja auch immer gern was Neues dazu 😀

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