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Yakuza-Vampir vs. Evil Frog

9. März 2016

Es ist doch immer eine willkommene Abwechslung, wenn Filmemacher die üblichen Regeln des Films mal auseinander brechen, versuchen neue Wege zu beschreiten und uns als Zuschauer mit einem etwas anderen Sehvergnügen zu überraschen. Gut, jetzt ist natürlich bei einigen die Frage, ob man wirklich von Vergnügen sprechen kann, aber nichtsdestotrotz fallen sie auf. Ob es da nun ein Terrance Malick ist, der auf hohem Niveau seinen Gedanken freien Lauf lässt und in schwelgerischen Bildern nach dem Sinn des Lebens fragt oder ein Quentin Dupieux, der mit jedem Film, den er macht, Geschichten auf eine derart skurrile und gleichzeitig hinreißend Weise erzählt – sie fallen auf und sie bleiben im Kopf. Ein weiterer Regisseur, der mir immer wieder für das etwas ungewöhnliche Kino im Kopf bleibt, ist Takashi Miike. Gesehen habe ich ja bisher von ihm nur drei Filme (die aber an sich schon unterschiedlicher nicht sein können – vom klassischen Samurai-Film über einen verqueren Western bis hin zum Horror-Schocker ist da alles dabei), aber was ich selbst so von ihm weiß und gelesen habe, ist mir Beweis genug, dass ein Takashi Miike wirklich komplett auf die Regeln scheißt. Und wer mir das jetzt nicht glauben will, der mag sich bitte „Yakuza Apocalypse“ anschauen!

Der Boss der Yakuza (Riri Furanki) ist in seiner Stadt gerade deswegen beliebt, weil er sich um die Bewohner gut kümmert. Sein Bodyguard Kageyama (Hayato Ichihara) bewundert ihn und wünscht sich nichts sehnlicher, als so zu sein wie der Boss. Als der Killer Kyoken (Yayan Ruhian, der Mad Dog aus „The Raid“) auftaucht und dem Boss mal eben so den Kopf abreißt, muss Kageyama lernen, dass sein Boss wirklich außergewöhnlich ist… denn mit seinem letzten Atemzug beißt ihn der Kopf des Bosses und lässt ihn so zum Yakuza-Vampir werden. Jeder, den Kageyama jetzt beißt, wird auch zum Yakuza-Vampir… was wiederum zum Problem für die „normalen“ Yakuza wird, denn wo keine lebenden Menschen sind, gibt’s auch für die Yakuza nichts mehr zu tun, zumal sie dann auch noch von den Rachegelüsten der Vampire verfolgt werden. Die Rache am Boss kann dabei gar nicht so richtig verübt werden… zumal Killer Kyoken plötzlich auch nicht mehr allein ist. Stattdessen hat er noch einen riesigen, fluffigen Frosch an seiner Seite, der mit seinen übersinnlichen Fähigkeiten selbst Darth Vader in den Schatten stellen würde. Und dieser Frosch könnte zugleich auch noch das Ende der Welt bedeuten…

Let’s get ready to… quack…

Kurz gesagt, „Yakuza Apocalypse“ ist ziemlich gaga. Also so richtig gaga. Halt Miike-gaga. Bei „Yakuza Apocalypse“ wird man das Gefühl nicht los, dass sich Miike und sein komplettes Team für ein oder zwei Tage mit LSD zugepumpt und dabei einfach alles aufgeschrieben haben, was ihnen so in den Sinn kam. Das Ganze wurde dann irgendwie in eine Reihenfolge gebracht und herausgekommen ist eben diese wirre, verrückte und absurde Story, in der gerade einmal die ersten fünf Minuten noch irgendwie normal wirken. Wenn dann irgendwann plötzlich gefangene Männer in einem Keller hocken und stricken, wenn halt tatsächlich ein Typ in einem Froschkostüm auftaucht und seine Kung-Fu-Künste zum Besten gibt oder wenn die neue Anführerin der Yakuza plötzlich Milch aus ihren Ohren spritzt, dann weiß man, dass man „Yakuza Apocalypse“ wirklich nicht ernst nehmen kann, darf und muss.

Hier muss man wirklich jegliche Erwartungen hinter sich lassen und sich einfach von diesem irrwitzigen Strom an aneinandergereihten Verrücktheiten treiben lassen. Miike bedient sich fröhlich an allen Genres, würfelt alles mögliche kreuz und quer durcheinander, so dass man (der einzige wirkliche Kritikpunkt, den ich an diesem Film habe) irgendwann ein bisschen den Überblick verliert – der aber bei diesem Ideen-Chaos wirklich schwer zu behalten ist.

Aber bevor das jetzt alles viel zu negativ klingt, will ich hier noch einmal ganz deutlich sagen, dass ich mit diesem Schwachsinn schon irgendwie meinen Spaß hatte – nur kann ich das Ganze einfach auch nicht wirklich in Worte fassen. Aber genau das ist wahrscheinlich auch gewollt… mehr als einmal sitzt man bei diesem Film, kratzt sich am Kopf und fragt sich: „Was gucke ich hier eigentlich?“, bevor man sich im nächsten Augenblick vor Lachen nicht mehr einkriegt, wenn das Froschmonster zum Beispiel auf eine Granate springt, um sich davon in die Luft katapultieren zu lassen.

„Yakuza Apocalypse“ ist für mich im Moment wirklich der absurdeste Film, der mir bislang untergekommen ist. Dieser Film ist einzigartig eigenartig, vollkommen bekloppt, total bescheuert und überdreht, irgendwie komplett sinnlos und dabei auf faszinierende Weise einfach nur unterhaltsam. Weil man letztendlich davor sitzt und sich ein bisschen darauf freut, was Miike wohl als nächstes macht, um „Yakuza Apocalypse“ noch ein kleines bisschen verrückter werden zu lassen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (eigentlich entzieht sich dieser Film jeder Bewertung, ist er doch kompletter Müll und ein kleines Meisterwerk zugleich…)

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7 Kommentare leave one →
  1. 9. März 2016 16:37

    Auf dem Fantasy Filmfest hatte er gute Resonanz, ich hatte mich gedrückt 🙂
    Dafür habe ich vor zwei Wochen die DVD gewonnen, jetzt muss ich ihn ja mal sehen :))

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2016 16:59

      Ich bin echt gespannt, wie du ihn findest. Bislang mag ihn aus meinem Freundeskreis niemand so richtig. Mal gucken, wie der bei der Expertin ankommt 😉

  2. 10. März 2016 01:14

    Ha, den muss ich sehen!

    • donpozuelo permalink*
      10. März 2016 09:22

      Mach das, mach das. Aber sag nachher nicht, ich hätte dich nicht vorgewarnt 😀

  3. luzifel permalink
    10. März 2016 21:38

    Hab den Film gesehen. Hab mich die ganze Zeit gefragt was der Film von mir möchte und was da jetzt als nächstes kommt und mit offenem Mund weiter geguckt. Der war ziemlich irre und schwachsinnig, aber unterhalten war ich trotzdem. Nebenbei wechselt der Film gefühlt alle 5 Minuten das Genre.

    • donpozuelo permalink*
      10. März 2016 22:34

      Sag ich doch… dieser Film ist einfach nur… sehr merkwürdig und sehr unterhaltsam 😀

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