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Waiting for Leo…

29. Februar 2016

Die Gründe, nicht die Oscars zu gucken, sind mittlerweile eigentlich auch jedes Jahr die Gleichen: als Unterhaltungsshow kann man die Oscars schon lange nicht mehr ansehen; die spannendsten Sachen kommen eh erst ganz zum Schluss; hoch emotionale Reden oder aufregende Skandale braucht man auch nicht zu erwarten; die meisten Filme habe ich auch in diesem Jahr wieder nicht gesehen; mit den meisten Entscheidungen werde ich eh nichts anfangen können (entweder weil ich den Film nicht gesehen habe oder weil ich die Entscheidung einfach nicht gut finde) und der wichtigste Grund von allen: ich habe nie am nächsten Tag frei und muss in einer Art Post-Oscar-Trance zur Arbeit gehen – immer die Stunden zählend, bis ich endlich wieder nach Hause und ins Bett darf.

Warum also noch gucken? Beziehungsweise: Warum gucke ich mir diese Farce trotzdem jedes Jahr aufs Neue an, obwohl ich eigentlich genug Gründe hätte, einfach meinen geruhsamen Schlaf zu genießen und mir alles am nächsten Tag in Ruhe in den Zusammenfassungen anzuschauen? Ich weiß es nicht. Vielleicht möchte ein kleiner Teil von mir die Jahre kompensieren, in denen ich mir die Oscars nie anschauen durfte / konnte. Vielleicht hofft ein anderer kleiner Teil von mir, dass in diesem Jahr doch mal etwas aufregendes passiert – und dann könnte ich wenigstens behaupten, ich wäre live (mit den üblichen Sicherheitssekunden Verspätung) mit dabei gewesen. Und noch ein anderer kleiner Teil von mir sagt jedes Mal, das gehört halt einfach mit dazu, wenn man sich auf die Stirn geschrieben hat, über Filme zu schreiben. Und ja, wahrscheinlich hat der Teil von mir sogar ein bisschen Recht…

… außerdem soll ja in diesem Jahr auch alles anders sein: Alle Nominierten werden jetzt gezwungen, vorab die Namen derer, denen sie danken wollen, anzugeben. Die sollen dann auf dem Bildschirm einfach angezeigt werden, damit mehr Zeit für die emotionalen Reden ist. UND: Leonardo DiCaprio hat dieses Jahr eine äußerst realistische Chance, den Oscar zu gewinnen. Genug Gründe also, sich den ganzen Spaß erneut zu geben. Und so klingelt der Wecker brav mitten in der Nacht und ich schaue mir die Oscars an… mal wieder, dummer Junge.

„Dummer Junge“ trifft es dann wohl auch ziemlich gut. Denn wieder einmal haben sich die Oscars jetzt nicht so besonders dargestellt, wie man es von einer großen Show vielleicht erwartet hätte. Gut, was ich erwartet hatte, traf dann auch ein: die Chris-Rock-Stand-Up-Show, in der es natürlich nur um die Tatsache ging, dass es dieses Mal keine schwarzen Nominierten gab. Sein Anfangsplädoyer fand ich noch sehr treffend, zumal ich nie gedacht hätte, dass man ihm dafür so viel Zeit zugesteht. Aber je öfter das Ganze in der Show auftauchte, desto alberner und klischeehafter wurde das alles. Überhaupt war die Show mit den ganzen Ankündigungen sehr gezwungen komisch… ohne ehrlich komisch zu sein. Aber gut… immerhin haben sie mal was Neues ausprobiert (was man ja von den Danksagungstexten nicht behaupten kann, denn so wirklich geholfen haben die Lauftexte nicht)

Aber gut, vergessen wir mal merkwürdige Cookie-Verkaufsaktionen oder den Auftritt von BB-8, R2D2 und C3PO (mein Highlight – noch vor den Minions) und reden über das, weswegen man die Oscars eigentlich schaut: Die Sieger!

Es hat sich endlich gelohnt…

Und der heißt an diesem Abend, in dieser Nacht, natürlich Leonardo DiCaprio. Man gönnt es ihm, ich gönne es ihm (auch wenn ich die ganzen Memes vermissen werde), aber wie ich es schon in meiner Kritik zu „The Revenant“ erwähnt habe: Schade, dass es dieser Film ist. Denn Leo kann durchaus mehr als nur Grunzen und Kriechen und den Oscar hätte er viel früher verdient, nicht unbedingt für diesen Film. Aber hey… immerhin hat er ihn jetzt.

Ein bisschen motzen will ich auch wegen „The Revenant“ an sich: Inarritu schon wieder als bester Regisseur ausgezeichnet. Den Oscar für die beste Kamera sehe ich ja noch ein, aber beste Regie hätte ich dann doch eher einem Adam McKAy für „The Big Short“ oder halt wirklich George Miller für „Mad Max: Fury Road“ gegönnt, der ja immerhin sechs Auszeichnungen abstaubte (wenn auch nur in den technischen Kategorien).

Immerhin blieb es uns erspart, „The Revenant“ auch noch als den Besten Film des Jahres ansehen zu müssen. Dieser Titel ging an „Spotlight“… eine gute Wahl für ein hochbrisantes Thema.

Insgesamt also eine unspektakuläre Veranstaltung mit ein paar kleinen Überraschungen (kein Oscar für Sylvester Stallone, eine Auszeichnung für den „Spectre“-Song und kein Effekt-Oscar für „Mad Max“???). Das war’s… hier findet ihr meine kurze Liste der Gewinner. Die vollständige Liste gibt’s HIER

Ich trolle mich dann mal zur Arbeit und versuche, den Tag zu überstehen 😀

Bester Film: Spotlight

Beste Regie: Alejandro G. Inarritu (The Revenant)

Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio (The Revenant)

Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson (Room)

Bester Nebendarsteller: Mark Rylance (Bridge of Spies)

Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander (The Danish Girl)

Bestes Originaldrehbuch: Spotlight

Bestes adaptiertes Drehbuch: The Big Short

Bester animierter Film: Alles steht Kopf

Beste Kamera: Emmanuel Lubezki (The Revenant – der dritte Oscar in Folge nach „Birdman“ und „Gravity)

Bestes Kostüm-Design, Production Design, Make-Up, Schnitt, Sound Editing, Sound Mixing: Mad Max – Fury Road

Beste visuelle Effekte: Ex Machina

Bester Soundtrack: Ennio Morricone (The Hateful Eight)

Bester Song: „Writings on the Wall“ (Spectre)

Bester fremdsprachiger Film: Son of Saul (Ungarn)

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8 Kommentare leave one →
  1. 29. Februar 2016 08:06

    Dass bei der Konkurrenz Ex Machina den Preis für die besten Effekte gewinnen konnte, ist ungefähr so, als würde Darmstadt 98 Deutscher Meister werden. Ich hätte eher auf das Drehbuch getippt, aber egal – der Film hatte einfach einen verdient 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Februar 2016 08:51

      Ja, das kam wirklich überraschend, aber wiederum hatte der Film auch wirklich gute Effekte. Von daher sei ihm dieser Oscar auch mehr als gegönnt.

  2. 29. Februar 2016 11:26

    Danke für diesem Beitrag. Könnte eins zu eins von mir sein, nur dass ich dieses Jahr einen Schritt weiter gegangen bin und tatsächlich zum ersten mal nicht das Gefühl hatte erwas zu verpassen wenn ich nicht live dabei bin. Ganz fürchterliche Ergebnisse, wie jedes Jahr. Das was du zu Leo schreibt sehe ich auch so. Ich gönne es ihm vom Herzen, nur schade dass es für diesen Film ist. Das allerschlimmste für mich: der Beste Regie Oscar für Revenant. Unverständlich.

    Ich habe es zum ersten mal gewagt nicht zu gucken, und kann es durchaus empfehlen. Vielleicht schaffst du es nächstes Jahr auch. 😉

    • donpozuelo permalink*
      29. Februar 2016 13:58

      Danke, danke. Den Oscar für beste Regie kann ich auch nicht nachvollziehen. Nach den sechs Trophäen für „Mad Max“ hatte ich schon kurzfristig die Hoffnung, sie würden wirklich George Miller mit der Statue ehren, aber dann war es doch wieder nur „The Revenant“.

      Für Leo ist das Ding jetzt durch. Jetzt hat er ja wirklich alles gewonnen, was man als Schauspieler in Hollywood nur gewinnen kann.

      Und ja, nächstes Jahr werde ich wirklich versuchen, einfach mal schön durchzuschlafen. 😀

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