Skip to content

Behind the scenes

22. Februar 2016

Alle Jubeljahre macht Hollywood mal einen Film über sich selbst… und irgendwie habe ich immer das Gefühl, das wird auch so ein bisschen als Therapie gemacht: „Wir stellen uns mal so richtig bloss, wir zeigen den Menschen, dass hinter der Magie, die sie auf der Leinwand zu sehen bekommen, das reinste Chaos steckt!“ So ziemlich jeder Film, der uns hinter die Kulissen der „Traumfabrik“ führt, zeigt uns anstrengende Schauspieler, überforderte Regisseure, sich ungeliebt fühlende Autoren, verrückte Produzenten. Und so viel Selbstironie und Witz in diese Filme gesteckt wird, so steckt doch am Ende wahrscheinlich sehr viel mehr Wahrheit darin, als man es für möglich halten würde. Aber dann und wann kann man das halt mal machen – sich offen und ehrlich zeigen, bevor man sich wieder hinter Superhelden, CGI-Monstern, exotischen Welten und bewegenden Geschichten versteckt. Einmal darf die Maske heruntergenommen werden – sonst könnte Hollywood vielleicht noch vor lauter Selbstverliebtheit explodieren. Da tut so ein bisschen Dampf ablassen, ein bisschen das innere Monstrum herauskommen lassen, doch eigentlich ganz gut.

Und jetzt, drei Jahre nachdem sie uns mit Llewyn Davis auf Reisen geschickt hatten, bescheren uns Joel und Ethan Coen mit „Hail, Caesar“ genau diesen Blick hinter die Kulissen… wir reisen zurück in das Jahr 1951, eine Zeit der politischen Wirren, in der der Kalte Krieg allgegenwärtig ist und das Kino dem Zuschauer so wunderbare Fluchtmöglichkeiten liefert. Eine Zeit, in der die großen Studios noch fest das Zepter in der Hand hatten und uns mit Western, lustigen Revuenummern, Liebesdramen und epischen Geschichten verzaubern wollte. Eben eine dieser epischen Geschichten ist „Hail, Caesar“, der größte Film für die Produktionsfirma Capitol Pictures mit dem größten Star Baird Whitlock (George Clooney). Doch dann, während der Dreharbeiten, wird Whitlock entführt – Auftritt Eddie Mannix (Josh Brolin). Eddie ist ein „fixer“. Geht irgendwas schief, muss er mit einer Lösung aufwarten: er verhindert Skandale, wenn zum Beispiel Star DeeAnna (Scarlett Johansson) schwanger wird, obwohl sie keinen Ehemann hat. Er sorgt dafür, dass der untalentierte Western-Darsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) auch im großen Drama von Star-Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) seinen Platz findet… und er muss eben dafür sorgen, dass Baird Whitlock wieder auftaucht.

Ich war ein Man in Black…

Die Film-Welt, die wir in „Hail, Caesar“ erkunden dürfen, ist eine herrlich chaotische, die von den schrillsten Paradiesvögeln und den merkwürdigsten Eulen bewohnt wird. Mit ihrer gewohnten Leichtigkeit servieren uns die Coens ein buntes Potpourri aus aberwitzigen Charakteren, charmanten und weniger charmanten, trotteligen und intelligenten, verrückten und weniger verrückten. Angeführt wird diese Riege von einem wunderbaren Josh Brolin, der als „fixer“ für uns Zuschauer so etwas wie der rote Faden der Geschichte ist. Ein cooler Typ, der die Nerven behält, selbst wenn alles noch so schlimm aussieht. Brolin trägt den Film mit einer unglaublichen Nonchalance, beruflich ist er rational, gönnt sich keinen Moment des Zweifelns, persönlich hadert er mit seinen Entscheidungen – ob es nun das neue Job-Angebot ist oder diese ungesunde Sache mit dem Rauchen.

Brolin ist als Eddie Mannix umwerfend gut und hält diesen Film wirklich zusammen. Das mit dem roten Faden ist wirklich fast wörtlich zu nehmen. Denn mit „Hail, Caesar“ knüpfen die Coens viele verschiedene Story-Stränge – manche etwas größer, andere kleiner. Dadurch wirkt „Hail, Caesar“ auch immer ein bisschen wie eine Nummer-Revue. Die Coens führen uns von Film-Set zu Film-Set. Da dürfen wir dann mal einen Musik-Western sehen, Scarlett Johansson als Wasser-Nixe bewundern, George Clooney als Cäsar oder Channing Tatum als steppenden Gene-Kelly-Ersatz. Das alles wird gewürzt mit den besagten Blicken hinter die Kamera, wo Josh Brolin halt versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Dadurch wirkt der Film ein wenig überladen, die Coens greifen jedes Genre der damaligen Zeit auf, erzählen viele verschiedenen Stories, beenden einige von ihnen nur in einem Nebensatz, andere durch die Coen-typischen Zufälle.

Man könnte fast meinen, die Coens wüssten nicht, was sie eigentlich erzählen wollen. So wirkt die Geschichte um die Entführung von Baird Whitlock irgendwie fehl am Platze. Auch ohne sie hätte der Film funktioniert. Aber darum geht es in „Hail, Caesar“ ja wirklich gar nicht. Der Film ist halt dieses überfrachtete Potpourri, weil so ein fixer eben tausend Dinge auf einmal jonglieren muss. Und deswegen ist Josh Brolin unser Fels in der Brandung des Wahnsinns, der sich Hollywood nennt. Dem folgen wir auf Schritt und Tritt und deswegen dürfen und können ein paar Geschichten auch mal eben in einem Gespräch mit der Sekretärin aufgeklärt werden.

„Hail, Caesar“ ist eine amüsante Zeitreise in Hollywoods Vergangenheit. Der Cast ist umwerfend (Brolin und der Rest sind einfach super – doch besonders erwähnen will ich kurz noch Alden Ehrenreich, der wirklich großartig ist), die einzelnen Episoden und „Genres“ sind witzig und nehmen das ganze Hollywood-System sympathisch-amüsant auf die Schippe, obwohl es halt manchmal ein bisschen sehr aneinandergereiht wirkt. Aber dafür haben wir ja auch unseren Fixer, der das ein bisschen richtet. Alles in allem ist „Hail, Casear“ jetzt nicht so die große Coen-Offenbarung, aber ein unterhaltsamer Film allemal.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Hollywood ist halt doch so verrückt, wie wir es schon immer gedacht haben)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 22. Februar 2016 09:06

    Hat mir gut gefallen, ich habe viel gelacht. Es ist zwar eher eine Nummernrevue als ein stringenter Film, aber unterhaltsam ist er sehr!

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2016 12:37

      Das stimmt. Er ist wirklich unterhaltsam, nur irgendwo hätte ich mir dann doch ein bisschen mehr gewünscht als halt nur die unterhaltsame Nummernrevue.

  2. 22. Februar 2016 17:26

    Oh da muss ich dagegen sprechen. Gelacht habe ich in dem Film nur über den Wild West Star, alles andere war leider nur zäh. Um dich selbst zu zitieren: „Man könnte fast meinen, die Coens wüssten nicht, was sie eigentlich erzählen wollen.“ Und das ist leider das Problem des Films.

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2016 17:30

      Ein paar Mal mehr habe ich schon gelacht und im Allgemeinen fand ich diese Nummern-Revue halt auch in schönen Bilder erzählt. Eine nette kleine Zeitreise, aber das große Ganze hätte man ein bisschen klarer definieren können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: