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Boats ‚N Hoes

8. Februar 2016

Es musste soweit kommen… tut mir wirklich Leid, aber die Versuchung war einfach zu groß. Die Neugier war zu groß, ich musste einfach wissen, was für ein Regisseur Adam McKay wirklich ist. Der Mann ist ein Oscar nominierter Regisseur und Drehbuchautor, der uns mit „The Big Short“ auf geniale Art und Weise die Finanzkrise und den Crash der Banken nähergebracht hat. Ein Typ, der es geschafft hat, aus einem vermeintlich öden Stoff für einen Film ein großartigen Film zu machen. Nach „The Big Short“ hielt ich McKay für einen der ganz Großen, von dem ich schändlicherweise noch nie etwas gehört hatte – tja, bis ich dann mal ein bisschen Google um Hilfe bat und ich feststellen musste, was McKay sonst so für Filme gemacht hat. Das ist jetzt so mehr oder weniger meine Entschuldigung dafür, dass ich mal über den Film „Stiefbrüder“ sprechen muss – dessen Idee an sich schon so absurd und bescheuert ist, dass sie eigentlich nur gut sein kann. Aber ist sie das wirklich?

Lernen wir doch mal Brennan (Will Ferrell) und Dale (John C. Reilly) kennen. Der eine ist 39 und wohnt noch bei Mama (Mary Steenburgen), der andere ist 40 Jahre alt und hockt immer noch bei Daddy (Richard Jenkins). Beide sind die Über-Nesthocker schlechthin, die dann auch noch die Hochzeit von Mama Brennan und Daddy Dale zu Stiefbrüdern werden. Für Brennan und Dale beginnt ein absoluter Alptraum…

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Wie auch zum Teil für den Zuschauer. Es tut mir echt Leid, das so sagen zu müssen, weil ich den Film auch noch von einem sehr, sehr guten Freund bekommen habe, der immer wieder von diesem Film schwärmte. Aber gerade in den ersten 20 Minuten habe ich mich extrem durch diesen merkwürdig infantilen Humor gequält, der selbst mit echten Kindern nicht wirklich lustig gewesen wäre. Aber wenn man dann zwei Kerle wie Reilly und Ferrell da sieht, die sich anbocken, dann fällt mir das verdammt schwer, daran irgendwas lustig zu finden.

Bei meinem ersten Versuch, „Stiefbrüder“ zu schauen, habe ich es auch nicht über diese ersten zwanzig Minuten geschafft. Es ging einfach nicht. Ich bin ja sonst immer gern für grenzdebilen Humor zu haben, aber das ging selbst mir einen Schritt zu weit. Da war einfach nichts witziges dabei. Ob nun ein Will Ferrell seinen Hoden über ein Drumset schleift oder die beiden sich im Garten mit Stöckern hauen – das war nur schwer zu ertragen. Vielleicht hätte ich es mit Alkohol versuchen sollen…

Hab ich jetzt nicht getan, aber ich war dennoch tapfer genug, mich ein zweites Mal an McKays Film zu wagen… und dieses Mal habe ich es sogar durchgehalten. Und war selbst ein bisschen schockiert, als ich erkennen musste, dass nach diesem grenzdebilen Anfang der Film ein bisschen erträglicher wurde. Zwar nicht viel, aber allein der Wandel von dem Kampf der Stiefbrüder zur Freundschaft der Stiefbrüder bekommt dem Film echt gut. Einzeln wirken Ferrell und Reilly halt wirklich, als hätten sie ihre Medikamente vergessen, gemeinsam ist das immer noch der Fall, aber es ist einfach irgendwie komischer. Mir fehlen da jetzt ehrlich gesagt auch die Worte, aber allein die Szene, in der die beiden wie kleine Kinder durchs Haus laufen und Quatsch anstellen und irgendwann zu dem Punkt kommen, sich selbst ein Doppelstockbett zu bauen – irgendwo ab da hatte mich McKay dann doch.

Als ich dann später noch über Fürze lachen musste, mich köstlich über Rapsongs mit so tollen Titeln wie „Boats ‚N Hoes“ amüsieren konnte und einfach dieser verrückten Familie zuschauen durfte, da hatte „Stiefbrüder“ auf einmal was. Das Schlimme ist nur, dass ich nicht in Worte fassen kann, was es war. Ab irgendeinem Punkt haben mich diese Charaktere tatsächlich interessiert, irgendwie schaffte es McKay dann auch noch den ein oder anderen halbwegs ernsten Ton anzuschlagen (auch wenn es davon wirklich nicht allzu viele gibt) und, wie auch immer das nach diesem Anfang passieren konnte, hatte ich plötzlich Spaß mit diesen „Stiefbrüdern“. Allerdings die Art von Spaß, bei der es mir an einigen Stellen schon fast ein bisschen peinlich war, dass ich es gut fand, aber gut… Spaß ist Spaß.

„Stiefbrüder“ wäre jetzt nicht unbedingt der Film, den ich ernsthaft weiterempfehlen würde. Aber wenn man es einfach mal ganz dumm braucht, ist dieser Film genau das Richtige. Trotzdem finde ich es nach wie vor faszinierend, dass der Mann, der so eine Komödie geschrieben und gedreht hat, auch in der Lage ist, so etwas wie „The Big Short“ zu drehen. Respekt!

Wertung: 7 von 10 Punkten (ja, es hatte was… irgendwas… ich weiß nicht, was…)

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10 Kommentare leave one →
  1. 8. Februar 2016 09:54

    Klingt schon fast nach nem Guilty Pleasure… 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2016 12:36

      Hahaha… stimmt, das ist wahrscheinlich die richtige Bezeichnung. Zumal „guilty“ hier sehr, sehr zutreffend ist 😀

  2. 8. Februar 2016 15:35

    Faszinierend 😀 Ich habe ja manchmal die Vermutung, dass das Hirn bei zu dämlichem Humor irgendwann als Schutzfunktion runterfährt und im Deppenmodus läuft, weswegen Humor, den man eben noch furchtbar dumm fand, auf einmal erträglich wird und sogar Lachkrämpfe auslösen kann. Das ist natürlich nur meine Theorie und ich bezweifle, dass mir da Hirnforscher zustimmen würden. Aber als Ausrede taugt sie jedenfalls … 😀

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2016 17:08

      Ich glaube, das ist gerade die beste und perfekteste Erklärung dafür, warum ich doch so meinen Spaß an diesem Film hatte. Das werde ich einfach mal für zukünftige Argumentationen übernehmen… und dich somit immer und immer wieder zitieren 😀

      • 8. Februar 2016 17:18

        Yeees! Ich bin die Begründerin der cinematischen Deppentheorie! 😀 Freut mich, wenn du sie gebrauchen kannst 😀

        • donpozuelo permalink*
          8. Februar 2016 17:28

          Auf jeden Fall!!! Und „cinematische Deppentheorie“ hat auch gleich noch einen sehr schön wissenschaftlichen Klang 😉

        • 8. Februar 2016 17:36

          Das war der Plan 😀 Damit komme ich noch ganz groß raus! 😉

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