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Cowboys vs. Menschenfresser

3. Februar 2016

Was ist eigentlich aus Matthew Fox geworden? Das frage ich mich jetzt nicht unbedingt nur, weil ich gerade vor kurzem mal wieder damit angefangen habe, „LOST“ zu gucken (und ja, ihr dürft auch dazu bald die Staffel-Kritiken erwarten 😉 ). Wahrscheinlich ist Fox der klassische Fall von „Ich werde meine Serien-Rolle einfach nicht los!“ – denn so wie eine Gillian Anderson immer Scully, ein Bryan Cranston immer Walter White (und vielleicht auch noch Malcoms verrückter Dad) oder ein Michael C. Clarke immer der sympathische Serienkiller von nebenan bleiben wird, so ist Matthew Fox doch immer unser tapferer Jack! Unser Insel-Arzt, unser Anführer, unser Held! Da nutzt es irgendwie auch nicht, dass er sich in dem furchtbaren „Alex Cross“ mal als Schurke versuchte (obwohl er da noch das Beste an dem Film war) oder sein Mini-Mini-Mini-Auftritt in „World War Z“. Gute Filme scheint er nicht abzugreifen… naja, gut, bis auf jetzt den einen, den ich Euch vorstellen möchte – nämlich „Bone Tomahawk“, ein Western der etwas anderen Art.

Als seine Frau Samantha (Lili Simmons) aus dem beschaulichen Städtchen Bright Hope von einem Stamm Menschen fressenden Höhlenmenschen entführt wird, macht sich Arthur O’Dwyer (Patrick Wilson) trotz gebrochenen Beins auf die Suche nach ihr. Da sie zusammen mit einem Deputy und einem Gefangenen gekidnappt wurde, wird er begleitet von Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell), seiner rechten Hand Chicory (Richard Jenkins) und dem Lebemann und Indianer-Killer John Brooder (Matthew Fox).

Looking for the Hateful Eight Cannibals…

„Bone Tomahawk“ ist wie kein Western, den ich bisher gesehen habe, obwohl ich mich allein wegen der Prämisse ein wenig an John Waynes „The Searchers“ erinnert fühlte. Doch Regie-Debütant und Drehbuchautor S. Craig Zahler hat mit „Bone Tomahawk“ nicht vor, einen stinknormalen Western zu drehen. Das fängt allein schon mal damit an, dass er sich extrem, extrem viel Zeit dafür nimmt, bevor die Handlung einen Zahn zu legt. Stattdessen kriecht der Film im gleichen Tempo wie Patrick Wilson, der sich mit seiner Krücke elendig durch die Prärie quält (vor allem, wenn irgendwann die Pferde weg sind). Allerdings darf / muss / sollte man deswegen nicht denken, dass „Bone Tomahawk“ langweilig wäre. Auch wenn Zahler ein ruhiges Tempo vorgibt, er seine vier Cowboys des Nachts auch mal darüber diskutieren lässt, wie man am besten in der Badewanne liest, ohne sein Buch nass zu machen, hält er uns doch immer wieder gekonnt bei Laune. Nur weil alles langsam von sich geht, heißt es nicht, dass der Film still steht.

Das wiederum verdankt Zahler seinem großartigen Cast: Da wäre eben zum einen der bereits angesprochene Matthew Fox, der mir als leicht arrogantes Macho-Arschloch ziemlich gut gefallen hat. Dazu kommt ein Kurt Russell, der 2015 zusätzlich zu „Bone Tomahawk“ ja auch noch für Tarantinos „The Hateful Eight“ vor der Kamera stand, weswegen der Rauschebart wohl gleich dran bleiben konnte. Gemeinsam mit Richard Jenkins bildet er das gute Gewissen in diesem Film, das ehrbare Gesetz, das nach besten Wissen und Gewissen handelt, während Fox‘ Brooder einfach nur Indianer töten will und Wilsons O’Dwyer um jeden Preis seine Frau retten will. Und dabei echt zu leiden hat… wie schon gesagt, wenn man Wilson da so durch die Wüste kriechen und humpeln sieht, dann möchte man am liebsten aufstehen und ihm weiterhelfen.

Was mir an den Charakteren in „Bone Tomahawk“ extrem gut gefallen hat, ist, dass Zahler jedem seine Zeit einräumt, sodass man sie alle ein bisschen besser versteht und nachvollziehen kann. Zum anderen schafft er es aber auch, das sich keiner der vier in den Vordergrund stellt. Jeder ist mal dran, jeder bekommt seinen Moment. Das Ensemble hat Zahler bestens im Griff… wodurch man halt auch ohne Probleme gut damit klarkommt, dass die erste Hälfte des Films eigentlich nur aus reitenden oder später dann wandernden Männern besteht. Die Spannung ist trotzdem da… zum einen wegen der Spannungen unter den Männern, aber auch wegen dem, dem diese Cowboys entgegentreten.

Ab dem Zeitpunkt, wo diese Männer auf die Menschenfresser treffen, hört „Bone Tomahawk“ dann ein bisschen auf, Western zu sein… und wird zum Horror-Film. Schließlich hat Zahler keine Scheu davor, uns einfach mal explizit zu zeigen, wie man so einen Menschen sachgerecht schlachtet (nicht einmal bei „Hannibal“ hab‘ ich das so richtig gelernt). Zahlers Menschenfresser sind unheimliche Höhlenmenschen, merkwürdige, unheimliche Anomalien der Natur, die wir halt einfach sofort hassen, vor denen wir Angst haben und bei denen wir hoffen, dass diese grausigen Gestalten einen noch grausigeren Tod sterben. So versteckt zeigt Zahlers „Bone Tomahawk“ dann auch noch auf, wie hart der weiße Mann mit dem Unbekannten umgeht… nur das jetzt halt keine scheinbar unschuldigen Indianer getötet werden, sondern fiese Menschenfresser (was das Ganze natürlich ein bisschen einfacher macht).

Aber wir wollen jetzt auch nicht zu politisch oder sonst was werden. „Bone Tomahawk“ ist einfach wirklich ein guter Film mit einem großartigen Cast, der den Film gekonnt durch seine langsamen Phasen trägt, bevor er dann in einem krassen Finale gipfelt… und wir sehen halt endlich mal Jack… ich meine natürlich, Matthew Fox wieder.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die letzten paar Bilder dieses Films brennen sich einem wirklich ins Gehirn)

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6 Kommentare leave one →
  1. 3. Februar 2016 09:01

    Ich fand Jack immer zum kotzen. War ganmz klar ein John Locke Befürworter und wollte, dass Sawyer am Ende Kate kriegt. Der Darsteller ist aber tatsächlich, wie eigentlich alle aus der Serie irgendwie ziemlich in der Versenkung verschwunden.

    • donpozuelo permalink*
      3. Februar 2016 11:15

      😀 Jack war halt einfach irgendwie immer viel zu sehr der Good Guy. Das war irgendwann wirklich nervig. Ich war auch immer ein Locke-Freund… bis dann irgendwann Desmond kam. Den mochte ich ja auch extrem. Aber wie gesagt, ich gucke die Serie grad wieder, darüber können wir uns dann an anderer Stelle intensiver austauschen 😀

      • 3. Februar 2016 11:50

        Gerne. Ich kann die Serie ja komplett durchdiskutieren ohne zu nem Ende zu kommen.

        • donpozuelo permalink*
          3. Februar 2016 14:16

          Das kann ich sehr gut nachvollziehen…

  2. 3. Februar 2016 20:24

    Ja genau. Ich mochte den Film auch total gerne 😀

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