Skip to content

Mafia, UFOs und Schlachter

27. Januar 2016

Zuerst war der Film, dann kam die Serie… und sie ließ mich ein bisschen den Film vergessen. So in etwa ging und geht es mir nach wie vor mit „Hannibal“. Mads Mikkelsen ist für mich mittlerweile mehr zum Hannibal Lecter geworden als Anthony Hopkins – der aber ebenfalls großartig ist. Und jetzt geht es mir mit einem weiteren Film-Serien-Ableger genau so… womit wir dann bei „Fargo“ wären.

Plumper Übergang, ich weiß, aber was soll’s? Wozu lange um den heißen Brei herumreden? So großartig der Coen-Brüder-Streifen „Fargo“ auch ist, umso mehr Spaß hatte ich tatsächlich mit der ersten Staffel… einer Staffel, der ich erst sehr skeptisch gegenüberstand, auf die ich mich lange nicht einlassen wollte – und als ich es dann tat, war ich verzaubert. Verzaubert von diesem wunderbaren Coen-Klon, der perfekt den Humor, die Schrulligkeit, die Absurdität und die Gewalt der Coens einfängt, ohne sie einfach nur zu kopieren. Staffel 1 von „Fargo“ war echt allerbeste Unterhaltung – von der ersten bis zur letzten Folge großartig.

Somit tritt die zweite Staffel nun ein schweres Erbe an. Aber als sogenannte Anthologie-Serie kann sich „Fargo“ natürlich ein bisschen besser umorientieren und uns was Neues bieten. So ist es dann auch mit Staffel 2… wer sich dumpf daran erinnert, wird wissen, dass in der ersten Staffel öfter mal von dem „Massaker bei Sioux Falls“ in den 70er Jahren gesprochen wurde. Und genau die Geschichte, wie es zu diesem Massaker kam, erzählt uns Staffel 2. Da geht es dann um die deutsche Einwanderer- und Mafia-Familie Gerhardt, angeführt von Mama Floyd (Jean Smart), die sich gegen die Übergriffe der Mafia aus Kansas City wehren muss. Gleichzeitig sucht Mama Floyd aber auch ihren jüngsten Sohn Rye (Kieran Culkin)… blöd nur, dass der von der Friseurin Peggy (Kirsten Dunst) angefahren und dann von ihrem Mann, Schlachter Ed (Jesse Plemons), getötet und zerstückelt wird. Und dann wird es doppelt blöd, denn bevor Peggy Rye erwischte, erschoss der drei Menschen in einem Diner, was State Trooper Lou Solversen (Patrick Wilson) und seinen Schwiegervater Hank (Ted Danson) auf den Plan ruft. Und wie es sich für „Fargo“ gehört, ist das nur der Anfang.

Fürs Cabrio hat das Geld leider nicht gereicht…

Als ich nach der ersten Staffel hörte, dass es auch eine zweite Staffel geben würde, war ich einerseits sehr froh (die Euphorie über die erste Staffel hielt halt noch lange, lange an), anderseits auch ein bisschen skeptisch (die Euphorie über die erste Staffel war halt so enorm, dass man ich mich fragte, wie die Macher das überhaupt noch toppen wollen). Staffel 1 ist halt als Mini-Serie perfekt in jeder Hinsicht… und eine zweite Staffel würde sich doch dann nur anfühlen wie der zweite Teil zu einem richtigen guten Film, der dann doch die Erwartungen nicht erfüllen kann. Aber gerade die Schreiberlinge von „Fargo“ sind echte Könner… und liefern uns den altbekannten „Fargo“-Charme mit ein paar neuen Elementen.

Dieses neue Element ist in der zweiten Staffel von „Fargo“ wohl einfach mal die Umkehrung der Handlung – statt vom kleinen zum großen Knall geht’s in der zweiten Staffel gleich um den großen Knall und wie der alles andere beeinflusst: Ging es in der ersten Staffel ja noch um Martin Freemans Lester Nygaard, der durch seine Handlungen eine Lawine auslöst, wird der Maßstab in der zweiten Staffel einfach mal erhöht. Denn jetzt geht es wirklich um Krieg. Hier geht es nicht um die kleinen Fische, sondern um die großen… und darum, wie der Kampf der Großen die Kleinen zwangsläufig beeinflusst. Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, wird in „Fargo“ jetzt also wirklich alles größer. Der Krieg der Gerhardts gegen die Mafia-Schergen aus Kansas City liefert uns mehr Charaktere, die jedoch genau so schnell wieder verschwinden können, wie sie aufgetaucht sind. Dabei gelingt es den Machern aber auch, uns nicht mit einer Fülle an Charakteren zu überfordern. Was dann wiederum daran liegt, dass wir immer wieder zu den kleinen Parteien zurückgebracht werden. „Fargo“ ist wie ein großes Kriegstreiben, dass uns bei all der Masse immer wieder gekonnt vor Augen führt, was dieser Krieg für das Individuum ausmacht.

Und hier haben wir dann, wie schon in der ersten Staffel, eine Reihe großartiger Darsteller, die diese Individuen verkörpern. Ich könnte viel darüber reden, wie toll Ted Danson und Patrick Wilson sind, wie gut Christin Milioti ist, wenn sie mal nicht so abgespeist wird wie bei „HIMYM“. Alle Charaktere in der zweiten Staffel von „Fargo“ sind großartig und vor allem vielschichtig geschrieben. Sie alle haben den Geist der Coens in sich und sind von der ersten Minute an faszinierend. Da gibt es stumme Killer-Zwillinge, komische Anwälte (Nick Offerman in einer wunderbaren Rolle), fiese Mafia-Schergen und so weiter und so weiter. Wer mich letztendlich jedoch am meisten beeindruckt hat, war Kirsten Dunst. Ihre Peggy durchlief für mich den interessantesten Wandel der ganzen Staffel… zum Anfang fand ich sie nervig und anstrengend (genau das, was sie auch sein sollte), zum Ende hin war sie einfach nur noch total verrückt… irgendwo dazwischen war sie dann auch mal die naive, nette Hausfrau und irgendwas anderes, was ich nicht näher beschreiben kann, was aber einfach nur toll war.

Alles in allem ist sich „Fargo“ in der zweiten Staffel sehr treu geblieben und doch auch andere, neue Wege gegangen. Sie haben es tatsächlich geschafft, eine weitere interessante Geschichte zu erzählen, haben das Ganze auf merkwürdige Art und Weise mit UFOs verbunden (etwas, was die Coens ja auch schon einmal in „The Man Who Wasn’t There“ gemacht haben) und es ist ihnen dazu noch gelungen, in der letzten Folge alles schön wieder mit der ersten Staffel zu verbinden. So langsam wächst das „Fargo“-Universum auf sehr schöne Weise an. Womit „Fargo“ hoffentlich nur noch besser werden kann…

Wertung: 10 von 10 Punkten (es ist einmal mehr herrlich absurd, komisch, brutal und einfach nur Coen-esk…)

Advertisements
5 Kommentare leave one →
  1. 29. Januar 2016 17:23

    Auch hier: Ganz Deiner Meinung. Große Fargo-Liebe im Hause Kiddo. Nur das UFO…tja, das UFO hat mich massiv genervt. Bitte erklär mir mal einer das UFO. Ich kann absolut nichts damit anfangen.

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2016 17:46

      Gutes Haus!!!! 😀

      Tja, das UFO. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich keine Ahnung, was man uns mit dem UFO sagen möchte. Zumal es ja auch wirklich nur als Beobachter agiert und nie in irgendwas wirklich eingreift… außer halt am Ende und dann auch nur mit einer netten Lichtshow. Vielleicht ist es sowas wie das gute Gewissen??? Vielleicht sollte man auch einfach nicht zu viel darüber nachdenken??? Ich weiß es auch nicht… vielleicht wissen Mulder und Scully mehr darüber 😀

  2. 31. Januar 2016 08:43

    Sehr sehr schöne und Fargowürdige Besprechung! Kann dir in jedem einzelnen Punkt zustimmen. Bin schon sehr gespannt ob sie das Niveau weiterhin halten können. Staffel 3 soll ja dann noch weiter in der Zukunft spielen als Staffel 1.

    • donpozuelo permalink*
      31. Januar 2016 21:14

      Danke, freut mich!

      Ich bin auch absolut gespannt darauf, was sie aus Staffel 3 machen. Dass sie jetzt einen kleinen Schritt in die Zukunft wagen, finde ich toll. Auch dass wir die alten Charaktere aus der ersten Staffel wohl wiedersehen, freut mich sehr. Ich fand ja vor allem Molly echt toll…

Trackbacks

  1. This is (not) a true story! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: