Skip to content

Wasser und Orangen

20. Januar 2016

Die 47. Oscars im Jahr 1975 wurden von zwei Filmen dominiert – Francis Ford Coppolas „The Godfather II“ und Roman Polanskis „Chinatown“. Beide Filme waren für jeweils 11 Oscars nominiert. In allen wichtigen Kategorien waren sie vertreten – bester Film, Regisseur, Hauptdarsteller, etc. – sechs von 11 Filmen konnte sich einer dieser Filme einheimsen. Und so ging an jenem Abend Coppola und sein Pate als großer Sieger hervor. Während Roman Polanskis „Chinatown“ mit gerade mal einem Oscar eine ganz schöne Schlappe einstecken musste. Nun ist es natürlich keine Schande gegen „The Godfather II“ zu verlieren, denn der Film hat schon so einiges Großartiges zu bieten, aber es ist dennoch bitter. Und immerhin bleibt „Chinatown“ ja dieser eine Oscar – für das beste Drehbuch. Ein Preis, der mal als nur verdient ist, denn allein was Robert Towne hier niedergeschrieben hat, ist definitiv aufregender, spannender und durchdachter als „The Godfather II“.

„Chinatown“ dreht sich um den Privat-Detektiv Jake Gittes (Jack Nicholson), der eines Tages von einer leicht aufgebrachten Evelyn Mulwray (Diana Ladd) beauftragt wird, ihren Mann Hollis zu beschatten, von dem sie annimmt, dass er ihr fremdgeht. Gittes kann die Befürchtungen bestätigen, doch bevor er weiß, was geschehen ist, landen die Bilder von Hollis und seiner Affäre in der Zeitung. Eine aufgebrachte Evelyn Mulwray taucht daraufhin in Gittes Büro auf, nur hat der diese Frau, die vor ihm steht noch nie gesehen. Doch die wahre Evelyn (Faye Dunaway) beweist Gittes, dass er reingelegt wurde… und Hollis Mulwray das wahre Ziel war, der Tage später tot aufgefunden wird.

Seine Spürnase ist kaputt…

Ich höre an dieser Stelle einfach mal auf. Denn das muss einfach ausreichen, ansonsten weiß man gar nicht mehr, wo man aufhören soll. Es sei vielleicht noch so viel gesagt, dass Gittes eine ganze Menge Schmutz aufdeckt, der mit dem Wasser-Vorkommen in L.A. zu tun hat, mit dem Kauf von Land und mit der wahren Evelyn Mulwray, die mehr vor Gittes versteckt als sie zugeben will. Das alles ist „Chinatown“ – dieses Drehbuch wurde zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet, denn dieser Film hat unerwartete Wendungen en masse. Das Großartige an „Chinatown“ steckt nämlich wirklich in der Story, es ist der perfekte film noir, die perfekte Detektiv-Geschichte, die dem Zuschauer immer nur genau so viel zugesteht wie Gittes selbst. Wir tappen mit ihm durch diesen Film und fügen mit ihm nach und nach die Puzzleteile zusammen. „Chinatown“ fordert Aufmerksamkeit von seinem Zuschauer und belohnt ihn dabei dann auch mit einer fesselnden Geschichte.

Roman Polanski weiß mit diesem Drehbuch gekonnt umzugehen und liefert uns in den 70er Jahren einen film noir, der besser nicht sein könnte. Neben der vertrackten, aber unheimlich spannenden Geschichte um Mord, Verrat und Intrigen liefert er uns mit Jake Gittes ebenfalls eine Parade-Beispiel des verloren wirkenden film noir Helden. Gittes meint, er hat die Zügel in der Hand, aber letztendlich hat er gar nichts. Er wird zum Spielball, ohne zu ahnen, wer ihn benutzt. Und dennoch geht er mit aller Kraft voran – eine verdammt gute Rolle für Jack Nicholson, der diesem charmanten Detektiv die nötige Härte und Gerissenheit verleiht und dennoch den nötigen Spielraum lässt, um irgendwie verloren zu wirken. Er hangelt sich von Beweisstück zu Beweisstück und wir mit ihm… herrlich…

Dazu gibt es die femme fatale, die Dunaway, eine klassische Schönheit, die es jetzt zwar mit keiner Bacall aufnehmen kann, aber es dennoch versteht, die mysteriöse Dame in diesem Verwirrspiel zu sein. Kann man ihr trauen oder nicht? Was weiß sie, was weiß sie nicht? Und auch hier tappen wir wie Gittes im Dunkeln… und es ist grandios. Dabei ist vor allem die Wandlung die Dunaways Charakter in diesem Film durchmacht, die interessanteste. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber was aus dieser femme fatale hier letztendlich wird, ist unheimlich gut geschrieben und am Ende wie ein Schlag in die Magengrube.

Ich habe „Chinatown“ vor Jahren mal gesehen und war damals einfach noch zu jung. Der Film hatte mich damals überfordert, weil ich nie so richtig folgen konnte, worum es eigentlich ging. Jetzt aber bin ich ein bisschen schlauer geworden und komme damit klar 😉 „Chinatown“ ist ein perfekter Detektiv-Film, eben weil er uns selber zum Detektiv werden lässt. Es ist aber auch ein spannender Psycho-Thriller, der uns mit undurchsichtigen, faszinierenden Charakteren begeistert und uns immer wieder gekonnt an der Nase herum führt (der Gag mit der Nase musste jetzt sein, weil ich noch nirgends erwähnt habe, dass es Jack Nicholson schafft, mit einem Verband an der Nase immer noch verdammt cool auszusehen).

Wertung: 10 von 10 Punkten (Wasser, Orangen, eine femme fatale, ein cooler Detektiv und eine Story, die bis zur letzten Minute fesselt – einfach nur großartig)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: