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Rockys Adonis

13. Januar 2016

Ich finde es fast schon ein bisschen bemerkenswert, wie hartnäckig sich Sylvester Stallone an seinen alten Rollen festhält oder sich halt neue erschafft. Während Kollege Arnie sich da sehr schwer tut und für seinen erneuten Ausflug als Terminator in vielen Fällen Häme erntet (ich mochte „Terminator 5“ 😉 ) oder sich alle Welt fragt, wie in Herr Gotts Namen Harrison Ford noch einen fünften Indiana-Jones-Film glaubwürdig drehen will, gesteht sich Stallone ein, dass er ein alter Sack geworden ist und spielt den auch. Mal etwas Testosteron gesteuerter wie in der „Expendables“-Reihe, mal etwas vergangenheitsbezogener, wenn er Rambo oder Rocky wieder aufleben lässt. Doch jetzt hat Stallone etwas cleveres gemacht: er hat sich etwas aus der Vergangenheit geholt und es mit einem neuen Anstrich versehen… und was soll man sagen??? Es ist verdammt gut geworden, dieses Rocky-Spinoff-Sequel namens „Creed“.

Adonis „Donnie“ Creed (Michael B. Jordan) ist der Sohn von Apollo Creed (damals der gute Carl Weathers, der erst Rockys Gegner, dann Rockys Freund war und schließlich im Ring gegen den bösen Russen starb). Donnie boxt hauptsächlich in kleinen Arenen irgendwo in Mexiko, bis er sich aufrafft, seinen Job kündigt und nach Philadelphia zieht, um ein echter Profi-Boxer zu werden. Dieses Ziel will er mit der Hilfe von Rocky Balboa (Sylvester Stallone) erreichen, doch der alte Rocky stellt sich stur… bis er irgendwann doch einwilligt, dem Sohn seines Freundes unter die Arme zu greifen.

creed-large

Ich gestehe, ich hatte keine großen Erwartungen an diesen Film. Ich gestehe sogar, dass ich eigentlich gar keine Erwartungen an diesen Film hatte. Ein Spinoff-Sequel??? Hmm… klangt jetzt nicht besonders aufregend, außer natürlich, dass Stallone halt tatsächlich als Rocky mitspielen würde. Und so bin ich mal relativ entspannt ins Kino gegangen… und wurde von Regisseur Ryan Coogler förmlich aus dem Sitz gerissen. Scheiß auf alle Vorurteile über eine Spinoff-Sequel, „Creed“ ist wirklich der Hammer. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass „Creed“ wie „Das Erwachen der Macht“ für das Rocky-Franchise ist!!!

Der Hauptkritik-Punkt, den einige anbringen, um Abrams Star Wars ein bisschen negativ zu betrachten, ist ja, dass sich der Film zu sehr wie ein aufgepimptes Remake von „A New Hope“ anfühlt. Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Denn „Star Wars“ erfindet sich in kleinen, aber grandios guten Schritten neu, liefert Fan-Service par excellence und erschafft mit frischen, starken Charakteren eine neue Welt, die das Feeling und die Atmosphäre der alten Trilogie einfängt. Genau das Gleiche macht „Creed“ auch.

Schon bevor ich in den Film ging, war mich eigentlich ziemlich klar, wie das Ganze ablaufen wird – so rein von der Handlung gesehen. Und wer auch nur den ersten „Rocky“ gesehen hat, der weiß, was ihn in diesem Film erwartet. Denn rein oberflächlich betrachtet ist auch „Creed“ einfach nur eine klassische, old school Under-Dog-Story. Da wird ein bisschen geboxt, dann wird ein Neuanfang gewagt, der alte Sensei ist ein störrischer, alter Mann, der aber weiß, was er tut. Es gibt die obligatorischen Trainingsmontagen, die natürlich mit cooler Musik unterlegt sind. Dann gibt es einen ersten Fight und schließlich den großen Fight, auf den alles hinausläuft. Zwischendurch gibt’s noch ein bisschen Kindheitsdrama, eine kleine, eigentlich überflüssige, aber dennoch niedliche Liebesgeschichte mit der sympathischen Tessa Thompson und das Vater-Sohn-Drama zwischen Stallone und Jordan.

Wie gesagt, war schon alles irgendwie da und man könnte Regisseur Coogler „kreative Faulheit“ vorwerfen… nur würde man damit ihm und „Creed“ unrecht tun. „Creed“ fängt dieses old-school Under-Dog-Ding nämlich perfekt ein. Der Film hat perfektes Timing, Coogler weiß ganz genau, wann er uns Drama zu bieten hat, wann ein bisschen Komik und wann knallharte Kämpfe. Die Kämpfe sind dann wirklich auch noch grandios inszeniert, sodass man beim letzten Fight eigentlich ständig vor Aufregung vom Stuhl springen möchte. Dazu würzt Coogler das Ganze hier und da gekonnt mit ein bisschen „Rocky“-Nostalgie… aber nie zu viel, immer dezent und clever. Denn schließlich ist „Creed“ kein „Rocky“-Film… dieser Film gehört ganz Adonis Creed.

Und hier, wie auch bei „Star Wars 7“, glänzen die Jungen neben den Alten. Michael B. Jordan ist die Wucht. Der Junge weiß von Anfang an, die feinen Nuancen von Creed zu definieren und überzeugt sowohl als junger Heißsporn, als Kämpfer im Ring und als Rockys Nervensäge. Er ist der perfekte Under-Dog, mit dem wir mitfiebern. Dazu kommt ein Sylvester Stallone, den ich noch nie besser gesehen habe. Und das ohne, dass er sich in den Vordergrund stellt. Nein, Stallone überlässt Jordan stolz die Bühne. Sein Rocky ist ein sympathischer, witziger, alter Knacker geworden, den Stallone aber mit Würde spielt. Natürlich gibt’s auch die klassischen Alter-Mann-Witze, aber sie passen – ohne zu nerven oder zu einem schlechten Running-Gag zu werden.

„Creed“ wird durch Jordan, Stallone und Coogler zu einer Art Staffel-Übergabe. Rocky gibt seinen Filmstatus an Creed ab… auf eine Art und Weise, die sowohl alte Rocky-Fans begeistern wird als auch Neulinge anzieht. „Creed“ ist für mich jetzt schon eine frühe positive Überraschung des Jahres 2016!!!

Wertung: 8 von 10 Punkten (let’s get ready to rumble!!!!)

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10 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2016 08:36

    So langsam überzeugt mich die Lobhudelei von allen Seiten zu diesem Film. Muss ich ihn wohl doch auf die Kinoliste setzen.

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2016 23:09

      Haha… ja, ich war auch echt skeptisch und habe mir von diesem Film eigentlich wirklich gar nichts erwartet. Es klang halt einfach wirklich zu sehr nach billiger Abzocke und dem verzweifelten Versuch, so was wie ein Reboot zu starten. Doch manchmal wird man halt auch mal positiv überrascht – und ja, es ist wirklich ein toller Film und ich gönne Sly seinen Golden Globe, den er sich echt verdient hat und ich würde ihm jetzt sogar den Oscar gönnen.

  2. 24. Januar 2016 15:28

    Man muss natürlich Arnie zu Gute halten, dass der Terminator und Rocky zwei gänzlich verschiedene Figuren sind. Der T-800 bietet wenig Spielraum zum Schauspielen jenseits des Humoristischen, während Rocky eine dreidimensionale Figur mit Ecken und Kanten ist.

    Grundsätzlich versagt „Creed“ für mich wie auch „The Force Awakens“, ist aber dennoch etwas gelungener geraten, da nicht bloß uninspirierter Fan Service wie der Star Wars.

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2016 15:46

      Hm… uninspirierter Fan-Service… ich weiß ja nicht. Sehe ich nicht so, aber gut. Wo siehst du denn das Versagen von „Creed“?

      • 24. Januar 2016 16:53

        Für mich fehlt es der Figur an Motivation. Creed will Boxer werden, weil er halt Boxer werden will. Und kommt zwischendurch mit einer Frau zusammen, weil das halt in so Filmen passiert. [SPOILER] Und Rocky kriegt Krebs, aber das spielt keine Rolle, weil am Ende besiegt er ihn sowieso [/SPOILER]. Und viel von dem was aus den beiden vorherigen Filmen gezeigt wurde, wird hier wieder außer Acht gelassen, weil man eben dasselbe nochmal erzählen will. Dann wird das noch alles auf zwei Stunden aufgeblasen – hätte es in der Summe nicht für mich gebraucht. Mit „Rocky Balboa“ war im Grunde alles gesagt.

        • donpozuelo permalink*
          24. Januar 2016 19:21

          Ja, okay… das mit Creeds Motivation sehe ich ein. Was die anderen beiden Filme angeht, kann ich leider nichts sagen, da ich tatsächlich noch keinen Rocky-Film gesehen habe… wird aber demnächst alles brav nachgeholt.

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