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Pictures of Lili

11. Januar 2016

Tom Hooper hat bei mir persönlich einen schweren Stand. Ich war jetzt kein besonders großer Fan von seinem Oscar gekrönten „The King’s Speech“, und sein Musical-Epos „Les Miserables“ hatte es bei mir einfach schwer, weil ich ja a) mit Musicals eh nicht so warm werde und b) ich den ständigen Singsang nur schwer ertragen konnte. Dennoch ist natürlich auch das Können eines Hooper nicht an mir vorbeigegangen, denn was man seinen Filmen schon zugute halten muss: sie sehen immer umwerfend aus und es spielen umwerfenden Menschen in ihnen mit. Nur hatte mich die Geschichte des stotternden Königs nicht so sonderlich begeistern können und Jean Valjean… naja, ich hatte das mit den Musicals ja schon angesprochen. Mit seinem neuesten Film bleibt sich Hooper auf der einen Seite sehr treu, wagt aber auch einen Schritt in neues Territorium und schaffte es, dass ich endlich mal sagen kann, dass mir ein Tom-Hooper-Film wirklich gefallen hat.

In „The Danish Girl“ erzählt Hooper die bewegende Geschichte des dänischen Malers Einar Wegener (Eddie Redmayne). Anfang der 20er Jahre lebt der mit seiner Frau Gerda (Alicia Vikander) in Kopenhagen und wird als Landschaftsmaler gefeiert. Um seine Frau, ebenfalls Malerin, zu unterstützen, springt Einar für sie als Modell ein. Und findet Gefallen daran, diese Lili zu sein. Als ein Porträt von ihm als Lili seiner Frau den erhofften Durchbruch verschafft, fördert sie sein Frau-Sein. Doch für Einar ist es ab dem Zeitpunkt schon längst kein Spiel mehr, er fühlt sich mehr und mehr als Frau, als Lili. Und trifft so eine Entscheidung, die sein Leben und das seiner Frau für immer verändern wird.

Porträt zu dritt

Einar Wegener ging als Lili Elbe in die Geschichte als erste Person ein, an der eine Geschlechtsumwandlung durchgeführt wurde. Es ist wohl nicht ganz eindeutig, ob Lili nun ein intersexueller Mensch oder tatsächlich eine Frau in einem Männer-Körper war. Für den Film entscheidet sich Tom Hooper aber für die Transgender-Richtung und präsentiert uns somit die faszinierende und bewegende Geschichte von Lili Elbe.

Dabei geht Hooper unglaublich behutsam zu Werk. Während sich der erste Teil noch mehr diesem spielerischen Aspekt der „Verwandlung“ in Lili Elbe widmet, wird der zweite Teil viel persönlicher, intimer und auch ruhiger. Man spürt in dem Film selbst den Wandel, den auch Lili im Film durchgeht. Anfangs ist es für sie selbst halt einfach diese Spielerei mit Gerda, doch schon da merkt man, dass es für sie auch sehr viel mehr sein könnte. Womit sich dann der zweite Teil beschäftigt. Da wird Gerda dann auch mehr mit dieser Situation konfrontiert und muss erkennen, dass ihr Ehemann nicht mehr ihr Ehemann ist.

Wie schon gesagt, geht Hooper sehr gefühlvoll mit seinen beiden Hauptcharakteren um und gibt beiden den Raum sich zu entfalten. Er findet eine gute Balance zwischen Lili und Gerda. Auch wenn sein Hauptaugenmerk deutlich auf Lili liegt, lernt man auch Gerdas Gefühlswelt sehr gut kennen.

Das alles verdankt „The Danish Girl“ aber nicht nur Tom Hooper, sondern vor allem seinen beiden großartigen Hauptdarstellern Eddie Redmayne und Alicia Vikander. Ich würde ja mal behaupten, dass Redmayne nach seinem Oscar für „The Theory of Everything“ für „The Danish Girl“ zumindest mit der nächst und verleiht der Rolle die Tiefe und Glaubwürdigkeit, die sie braucht. Redmayne spielt dabei unaufgeregt, sehr ruhig und unglaublich intensiv. Aber wie schon gesagt, darf man Alicia „Ex Machina“ Vikander nicht vergessen. Sie ist der Gegenpol zu dem stark aufspielenden Redmayne. Sie ist der wahre Bezugspunkt für uns als Zuschauer, denn sie ist ja auch diejenige, die auf die Veränderung und den Übergang von Einar zu Lili nur reagieren kann. Und dabei spielt Vikander gekonnt alle emotionalen Phasen in dieser Entwicklung aus.

„The Danish Girl“ ist natürlich rein vom Thema her wirklich ein bemerkenswerter Film, der die wahre Geschichte der Lili gut wiedergibt. Was mich allerdings immer ein bisschen gestört hat, ist die Tatsache, dass Hooper sich wirklich nur auf den Mikrokosmos Beziehung beschränkt. Wie die Außenwelt wirklich reagiert, erfahren wir kaum. Es gibt zwar eine Sequenz, in der Einar zu verschiedenen Ärzten geht, die ihm seine schizophrene Perversion austreiben wollen. Aber all das lässt Hooper dann doch lieber unter den Tisch fallen und konzentriert sich lieber auf die emotionale Geschichte zwischen Mann und Frau. Man kann diese Entscheidung nun so oder so sehen. Sicherlich hätte dem Film der Blick von außen auf Lili auch gut getan, aber dadurch hätte dann wahrscheinlich die Geschichte mit Gerda gelitten. Aber statt zu viel an der Dramaturgie von „The Danish Girl“ herumzumeckern, sollten wir vielleicht einfach würdigen, das Hooper sich diesem Thema angenommen hat – auch wenn er es möglicherweisevielleichteinbisschenzusehr vereinfacht darstellt.

Dennoch ist „The Danish Girl“ ein berührender Film, der zwei unglaublich gute Darstellerleistungen abliefert und mich erstmals so wirklich von Hooper überzeugt!

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine spannende Geschichte, die die große Leinwand wirklich verdient hat)

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