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Joe Cool & the Gang

4. Januar 2016

Wenn ich so den Blick über mein Comic-Regal schweifen lasse, dann stelle ich zufrieden fest, dass ich mich doch ganz gut als Comic-Leser weiterentwickelt habe. Da steht irgendwie von allem ein bisschen was da. Aber während dieser Blick so über die einzelnen Buchrücken geht, fällt mir immer wieder auf, dass ein Großteil von dem, was mich damals zu den Bilder-Geschichten geführt hat, fehlt. Und ich rede jetzt nicht von dem Lustigen Taschenbuch und so… sondern von dem, was mich nach der Donald-Duck-Phase zum Lachen gebracht hat: Comic-Strips. Ich war ein begeisterter Leser von „Hägar, dem Wikinger“, „Garfield“, „Calvin & Hoppes“ (deren Gesamt-Edition wenigstens doch auf einem meiner Regale thront) und natürlich auch Charles M. Schulz‘ „Peanuts“. Denn mit denen fing bei mir auch irgendwie alles an… und doch habe ich von denen kaum was in meinem Regal. Eine echte Schande…

Umso enttäuschter war ich dann damals auch, als ich den ersten Trailer zum neuen „Peanuts“-Film sah. Computeranimiert??? Ernsthaft??? Und dann auch noch in 3D??? Wirklich??? Muss das sein??? Das wirkte auf den ersten Blick nicht wie die „Peanuts“, die ich früher so gerne gelesen habe (von der alten Trickfilm-Serie oder den Filmen hatte ich tatsächlich eh nie etwas gesehen, weswegen der Vergleich ausbleibt). Doch der zweite Trailer, den ich dann irgendwann mal kurz vor „Inside Out“ sah, beruhigte mich etwas. Das sah ja doch ganz gut aus… und so führte dann zu Weihnachten für mich auch kein Weg am Gang ins Kino vorbei. Schließlich musste man ja zwischen all dem Erwachen der Macht auch mal etwas anderes gucken 😉

„Peanuts – Der Film“ erzählt die Geschichte, wie Charlie Brown versucht, dass kleine, rothaarige Mädchen, das gerade gegenüber eingezogen ist, von sich zu überzeugen. Mit Hilfe seiner 5-Cent-Psychologin Lucy will Charlie Brown ein besserer Mensch werden. Mit dabei sind natürlich all die bekannten Peanuts-Charaktere von Schröder über Peppermint Patty bis hin natürlich zu Woodstock und Snoopy, der hier nicht nur seine Künste als Tanzlehrer unter Beweis stellt, sondern auch was für ein tolles Fliegerass er im Ersten Weltkrieg war.

Der beste Freund des Charlie Brown

„Peanuts – Der Film“ habe ich mit einer Menge Kindern gesehen. Nicht meinen, wohlgemerkt, aber das Kino war recht voll von kleinen Kindern, deren Eltern offensichtlich noch nie was von den Peanuts gehört haben. Es ist halt Animation und es gibt Snoopy, also muss das was für Kinder sein. Aber genau hier „versagt“ Regisseur Steve Martino… Moment… „versagt“???? Nun, von Versagen kann ja eigentlich keine Rede sein. Denn ich habe keinen Kinderfilm erwartet. Weswegen ich dann wohl unter all den „kleinen“ Zuschauern im Kino wohl auch der einzige war, der durchweg Spaß an diesem Film hatte. Denn der Film ist wirklich kein Kinderfilm. So wie die „Peanuts“ an sich ja auch nie wirklich kindliche Unterhaltung waren. In welchem Kinderbuch gibt es schon einen depressiven kleinen Jungen, dessen Hund Joe Cool, Schreiber und Fliegerass im Ersten Weltkrieg zugleich ist. Martinos Film erzählt zwar in schönen bunten Bildern eine bunte Geschichte, doch die Dialoge, Monologe und Handlung sind jetzt nicht unbedingt für Kinder geeignet. Als Kinderfilm würde ich „Peanuts“ wirklich nicht empfehlen – egal, ob Snoopy nun dabei ist und ein bisschen Quatsch macht oder nicht.

Als Film für waschechte Peanuts-Fans kann ich den Film dagegen wirklich nur empfehlen. Sowohl vom Optischen als auch von der Geschichte her. Vielleicht ein Wort zum Optischen zuerst, denn das hatte mich anfangs immer ein bisschen verschreckt. Der Computer-Look funktioniert wunderbar. Martino und sein Team haben wirklich wundervolle Arbeit geleistet. Es ist jetzt kein Hochglanz-Animationsfilm, aber der Stil passt perfekt zu den Charakteren, die auch allesamt perfekt getroffen sind. Hier merkt man, dass mit Martino und seinem Team echte Fans am Werk waren, die an den einzelnen Figuren nicht viel herumgedoktort haben. Charlie Brown und Co. wirken, als wären sie gerade aus den Comic-Strips gesprungen… und das ist wirklich einfach nur toll. Dass es Martino gelingt, trotz moderner Technik diese Peanuts-Nostalgie aufkommen zu lassen, ohne auch nur irgendwelche Abstriche machen zu müssen.

Dazu kommt dann, dass Martino es sich halt nicht nehmen lässt, sich fröhlich von dem großen Schatz des Charles M. Schulz zu bedienen und uns viel Altbekanntes liefert, das das Fan-Herz höher schlagen lässt. Ob nun Charlie Browns Tanzkurse, Snoopys Autoren-Tätigkeit, Schröders Liebe für Beethoven… man könnte noch Dutzende Running Gags der Peanuts aufzählen, die Martino zu einem wirklich würdigen Peanuts-Film zusammenpackt. Das Ganze wird mit dem typischen Zynismus der Peanuts gewürzt, der allerdings für meinen Geschmack ruhig noch ein bisschen intensiver hätte sein können. Aber gut, man kann ja nicht alles haben 😉

Für „Peanuts“-Fans ist der Film wirklich ein tolles Erlebnis, ein Film, der Spaß macht und nach dem man sich gerne noch einmal an die alten Comic-Strips setzt und ein bisschen in alten Erinnerungen schwelgt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (kein Kinder-Film, sondern ein würdiger Peanuts-Film!!!!)

P.S.: Falls ihr mehr über Mr. Martino und seine Herangehensweise erfahren wollte, empfehle ich Owleys Interview mit dem Regisseur, das ihr HIER lesen könnt!!!

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4 Kommentare leave one →
  1. 4. Januar 2016 10:17

    Das der Film kein Kinderfilm ist, würde ich zwar durchaus bestätigen, aber bei dir klingt das irgnedwie so, als wäre der einfach gar nix für Kinder, und das ist natürlich nun wirklich nicht der Fall. Gerade Snoopy und Woodstock bieten ja eigentlich durchgehend Humor, der alle Generationen ansprechen dürfte. Klar, die eigentlich Story um Charlie Brown wird Kinder nicht vom Hocker hauen, aber das muss sie ja auch einfach nicht. Mit dem Film sollte eigentlich jeder seinen Spaß haben, egal wie alt er ist.

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2016 17:42

      Ja, das habe ich vielleicht etwas falsch dargestellt… aber bei mir im Kino war ich der einzige, der sich wirklich gut unterhalten fühlte… irgendwann guckten schon die Eltern böse nach hinten… naja, also wegen der bunten Bildchen und der Slapstick-Einlagen mit Snoopy passt es schon auch für Kinder, aber so als großes Ganzes eher nicht.

      • 4. Januar 2016 19:32

        Überrascht mich jetzt doch, aber manche Leute gehen eben zum Lachen in den Keller. Oder noch tiefer. Bei uns war gute Stimmung durchgehend.

        • donpozuelo permalink*
          5. Januar 2016 14:46

          Ja, ich weiß auch nicht… vielleicht haben sie es einfach nicht zu schätzen gewusst. Denn es ist doch einfach nur ein witziger Film!!!

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