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Der alte Mann und die Katze

23. Dezember 2015

Robert De Niro und Al Pacino waren die großen Namen Hollywoods. Einer von ihnen reichte aus, um einen Film auch nur interessant werden zu lassen. Beide in einem Film war für Hollywood selbst irgendwie, als hätte es im Lotto gewonnen. Während sie in „Der Pate 2“ zwar in einem Film, aber nie in einer Szene zusammen zu sehen waren, konnten wir sie in „Heat“ das allererste Mal wirklich zusammen bewundern… in einer der berühmt-berüchtigsten Cafe-Szenen überhaupt, bei der lange spekuliert wurde, ob sie wirklich gemeinsam in ein und demselben Raum waren (was sie ja dann aber wirklich waren, nachdem es ein Foto gab, das beide zeigte). Doch mit dem Alter verschwindet auch ein bisschen der Ruhm. Die Jugend schreit nach Jennifer Lawrence und Co., so ein Robert De Niro oder ein Al Pacino zieht nicht mehr. Was also machen – wenn man alt und uninteressant geworden ist??? Nun, De Niro begnügt sich mit kleinen Nebenrollen genau neben jener Jennifer Lawrence in „Silver Linings“ oder spielt den alten Mann in witzigen kleinen Nebenrollen. Aber was macht eigentlich so ein Al Pacino, von dem man gefühlt noch weniger als gar nichts hört.

Nun, laut Wikipedias Eintrag zu seiner Filmographie erwartet uns noch einiges, aber es ist in letzter Zeit doch verhältnismäßig ruhig geworden. Jetzt zeigt sich Pacino doch noch einmal vorsichtig in dem Drama „Manglehorn“ von „Joe“-Regisseur David Gordon Green: Darin sehen wir Pacino als Schlüssel-Anfertiger Manglehorn, ein einsamer, alter Mann, der sich von den Menschen in seiner Umgebung fernhält. Zu seinem Sohn Jacon (Chris Messina) hat er nur ein sehr dürftiges Verhältnis – wärmer und intensiver kümmert sich Manglehorn da höchstens noch um seine Katze. Und während Manglehorn so vor sich her lebt, schreibt er immer wieder Briefe an Clara, eine Dame, die er wohl mal geliebt hat. Wer genau Clara ist, wird nie erwähnt, Manglehorn scheint nur sehr zu bereuen, dass sie nicht in seinem Leben ist – so sehr, dass er nicht mitbekommt, dass die Bankangestellte Dawn (Holly Hunter) sich sehr für ihn interessiert.

Blofelds Katze spielt also auch noch andere Rollen…

Al Pacino ist immer noch irgendwie Al Pacino für mich. Ich mochte ihn wegen seiner jungen Rollen und ich mag ihn auch in dieser Rolle, weil er es schafft, auf subtile Art und Weise zu spielen. Pacino war schon immer ein Darsteller, der durch seine Mimiken und Gestiken, durch seinen Körper spielt – mehr noch als durch die Sprache. Und auch in „Manglehorn“ gelingt dem alten Hasen das immer noch ausgezeichnet. Dazu lässt Regisseur Green seinem alten Mann auch die Zeit, die er braucht und lässt uns an dem öden, eintönigen Alltag Manglehorns teilhaben.

Mit jedem anderen Darsteller hätte dieses Konzept der Einöde ganz schön in die Hose gehen können, aber Pacino rettet diesen Film allein durch seine Präsenz. Es ist zwar irgendwie ein bisschen erschreckend, dass man sich jetzt vorstellen muss, dass der Godfather ein alter Mann geworden ist, aber Pacino schreckt nicht davor zurück und macht seine Sache gut. Er trägt diesen Film… der sonst leider nicht besonders viel zu bieten hat.

Denn was sich so anhört, als wäre es eine sanfte Lebensalter-Romanze zwischen Manglehorn und Dawn, ist leider wirklich nur die Geschichte des alten Manglehorns. Green kostet, wie schon gesagt, die Ödnis seines Alltags voll aus. Wir bekommen so zwar sehr gut eine Idee davon, warum dieser Mann vielleicht wirklich nicht geeignet ist, ein anderes Leben zu führen – nur gehen die Nebendarsteller und Handlungen leider ein wenig verloren. Zu viel schwelgt Green in „Manglehorn“ in der Monotonie des reuigen Schlossers; zu wenig erzählt er uns wirklich von dem, was Clara ausmacht; zu langsam entwickelt sich die Geschichte und versucht, ein bisschen Würze mit reinzubringen.

„Mangelhorn“ ist, als würde man eine x-beliebige Person über einen gewissen Zeitraum einfach mal beobachten. Wir bekommen zwar ein Gefühl für die Person, aber erfahren nie wirklich etwas Besonderes über sie. Wenn Pacino nicht wäre, würde dieser Film wirklich schwer fallen. Aber weil Pacino uns immerhin genug zum Spekulieren gibt – zum Nachdenken – ist „Mangelhorn“ zumindest für alle Pacino-Fans so halbwegs interessant. Immerhin scheint Pacino mit Würde altern zu wollen – obwohl dann natürlich dieser merkwürdige Gastauftritt in Sandlers „Jack and Jill“ nicht so ganz ins Schema passt. „Manglehorn“ dagegen schon ein bisschen eher…

Wertung: 5 von 10 Punkten (ein alter Pacino ist alt und katzenlieb… mehr auch nicht)

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2 Kommentare leave one →
  1. 4. Januar 2016 00:48

    Oh, den hatte ich auch mal gesehen. Musste gerade meine Kritik ausgraben, um zu sehen, wie er mir gefiel und ich sehe, wir waren einig. Was mir vorallem blieb, waren zwei Dinge: 1. Al Pacino hat es noch immer drauf und 2. David Gordon Green ist ein unglaublich sonderbarer Filmemacher, der es irgendwie immer wieder schafft, dass ein Film total untergeht. Manglehorn, Prince Avalanche oder zuletzt der grossartige Joe. Letzterer hätte viel Potential gehabt, aber irgendwie scheint es DGG nicht zu gelingen einen ähnlichen Lauf wie etwa David O. Russell hinzulegen – leider.

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2016 09:18

      Stimmt. Da gebe ich dir vollkommen Recht. „Prince Avalanche“ habe ich zu meiner Schande noch nicht gesehen, aber gerade was „Joe“ anbelangt, bin ich voll auf deiner Seite.

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