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Spieler-Blues

21. Dezember 2015

Warum mochte eine Zeitlang eigentlich niemand Ryan Reynolds? Lag es daran, dass er den Leuten in „Green Latern“ nicht gefallen hat? Oder doch daran, dass er in dem mittelmäßigen ersten Wolverine-Solo-Abenteuer eine Version von Deadpool spielen musste, die a) überhaupt keinen Sinn gemacht hat und b) auch einfach nur Scheiße war? Ich muss ja gestehen, ich mochte „Green Lantern“ und ich hoffe einfach mal, dass sich Reynolds mit dem neuen „Deadpool“ gebührend entschuldigen wird. Aber warum Reynolds so sehr in den Hintergrund geraten war, verstehe ich nicht… oder kommt mir das nur so vor??? Ich fand ihn eigentlich immer recht cool, er hat jeder Rolle immer so etwas locker-lässiges gegeben, das sie unheimlich sympathisch gemacht haben. Aber gut… jeder darf sich ja rehabilitieren – und ein Ryan Reynolds war ja nie wirklich weg, nur versteckte er sich eher in kleineren Projekten, die nie wirklich das Licht der Kinos erblickten. So auch „Mississippi Grind“, der bei uns unter dem unsinnigen Titel „Dirty Trip“ erschienen ist.

Gerry (Ben Mendelsohn) ist ein Spieler, der mehr verliert als er gewinnt. Dazu läuft sein Job eher miserabel, er hat Schulden und seine Frau ist mit seiner kleinen Tochter schon lange abgehauen. Aber Gerry spielt trotzdem weiter – er ist gefangen in dem Teufelskreis der Hoffnung, genug gewinnen zu können, um sich freizukaufen. Eines Abends trifft er durch Zufall auf den jungen Curtis (Ryan Reynolds), der ihm Glück zu bringen scheint. Die logische Folgerung: Gerry geht mit Curtis auf eine Reise quer durch die Südstaaten, in der Hoffnung, das große Geld zu gewinnen.

Wären sie doch bloss bei „Mensch-ärger-dich-nicht“ geblieben

Ich bin nun wirklich kein großer Fan von Spieler-Dramen, aber „Dirty Trip“ hatte dann doch irgendwie was. Hauptsächlich Ben Mendelsohn und Ryan Reynolds. Die beiden liefern ein gutes Team ab, die diesem ruhigen Road-Trip die Würze verpassen, die das Ganze braucht. Denn „Dirty Trip“ ist wirklich ein sehr ruhiger Film… die Regisseure Anna Boden und Ryan Fleck lassen sich und uns und die beiden Charaktere förmlich treiben. Dabei geht es weniger „dirty“ zu, als es die deutsche Namensgebung vermuten lässt. Vielmehr geht es darum, die beiden Charaktere in ihrem Spieler-Dasein und in ihrem Mensch-Sein zu porträtieren. Dabei kommen die beiden Regisseure allerdings nicht drumherum, die üblichen Klischees aufzukochen: da haben wir mit Gerry den klassischen Loser, dessen Blick immer nervös hin und her geht, der immer in seinen negativen Gedanken gefangen zu sein scheint, der das Lächeln irgendwann in seinem tristen grauen Leben verloren hat. Ihm gegenüber haben wir Curtis, den klassischen Lebemann, der mal gewinnt, mal verliert, sich das aber dann nicht anmerken lässt. Er ist ein Gentleman, ein kleiner Macho, eine charismatische Persönlichkeit, der man sich nur zu gerne anschließt, um vielleicht ein bisschen in seinem Licht zu stehen.

Das alles haben wir so oder so ähnlich schon einmal gesehen, aber Ben Mendelsohn und Ryan Reynolds verleihen diesen Stereotypen Leben, machen sie zu interessanten Gestalten, die wir gerne auf ihrem Trip begleiten. Zumal wir beiden durch ihre Höhen und Tiefen folgen… dabei kamen mir die beiden hin und wieder wie Tom Cruise und Dustin Hoffman in „Rain Man“ vor – mit der Ausnahme, dass Mendelsohns Gerry nicht so gut Karten zählen kann. Aber von der Dynamik kommt das dann doch in etwa hin. Reynolds hat diesen charmanten Curtis einfach verdammt gut drauf, während man mit Mendelsohn von Anfang an mitleidet.

Die Story, die sich um diese beiden Charaktere dreht, ist dann – ähnlich wie die beiden – auch nicht frei von Klischees, aber wie auch bei Gerry und Curtis kauft man es „Dirty Trip“ ab. Denn auch wenn hier und da die Hollywood-Magie durchbricht und man auch vor einem Happy-Ending nicht bewahrt wird, zieht einen dieser Film irgendwie in seinen Bann.

Was bei mir vielleicht auch daran lag, dass „Dirty Trip“ den Süden der USA gekonnt einfängt – vor allem, was die Musik angeht. Ich habe seit „Black Snake Moan“ keinen so guten Blues-Soundtrack mehr gehört. Und dieser schwerfällig, manchmal klagende, manchmal aber auch frohe Sound passt perfekt zu der Geschichte, die erzählt wird. Allein des Soundtracks wegen lohnt sich „Dirty Trip“ also schon.

Wertung: 6 von 10 Punkten (viele Klischees, aber nett verpackt mit einem grandiosen Soundtrack)

5 Kommentare leave one →
  1. 21. Dezember 2015 12:08

    Der einzige Film mit Ryan Reynolds, den ich gut fand, war „Buried“. Der Rest eher so lala (inklusive „Green Lantern“). Den hier kenne ich allerdings noch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      23. Dezember 2015 12:14

      Stimmt, „Buried“ war echt gut. Das war auch noch ein guter Film. Naja… hoffen wir mal, dass Reynolds sich mit dem neuen „Deadpool“ endgültig rehabilitieren kann.

      • 23. Dezember 2015 21:25

        Den hab ich noch nicht gesehen. Aber der soll ja ganz gut sein nach ersten Meinungen, die ich gelesen habe. Abwarten…

  2. 4. Januar 2016 00:50

    Hatte mir den an einem unglaublich langweiligen Tag am Zurich Film Festival angesehen und der Tag blieb auch danach langweilig. Ich stimme dir im Groben und Ganzen zu, aber ich hatte Mühe mit der fehlenden Message des Films. Ich war danach nicht schlauer – mir war das irgendwie zu nichtssagend.

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2016 09:19

      Eine Botschaft ist tatsächlich nur schwer zu ergründen, absolut richtig. Es ist halt einfach irgendwie ein Film, der so einfach vor sich hintreibt… und nur Film ist…

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