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Papas Folter-Wochenende

9. Dezember 2015

Oh Mann… ich habe mal absolut keine Ahnung, wie ich anfangen soll. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich so ein kleines Magisterarbeits-Déjà-vu. Da hockt man hier so vor seinem Rechner, fängt einen Satz an, schreibt einen zweiten und löscht es dann wieder. Soll ich jetzt eher etwas über Eli Roth und seine Horror-Film-Vergangenheit schreiben? Soll ich über Keanu Reeves schreiben? Und das Verhältnis zu Hunden, das in seinen neuesten Filmen irgendwie nie so besonders gut ist. Oder soll ich es einfach bleiben lassen und gar nichts schreiben? Denn eigentlich lohnt es sich nicht einmal, sich mit dem neuesten Film von Eli Roth mit Keanu Reeves auseinander zu setzen. Aber dann wiederum ist es ja erst recht meine Pflicht (wow, großes Wort) als „Kritiker“, meine Leserschaft zu warnen. Wenn einer gelitten hat, sollte das doch eigentlich reichen. Und da jetzt schon ein paar Zeilen zusammengekommen sind, mache ich einfach mal – pflichtbewusst – weiter und warne Euch vor diesem schrecklichen Ding, das sich da „Knock Knock“ nennt.

Darin bekommt Architekten-Papa Evan (Reeves) sturmfrei: Mama und Künstlerin Karen (Ignacia Allamand) fährt mit den beiden Kindern an den Strand und überlässt Papa Evan das lange Wochenende, damit der in Ruhe an seinem neuen Projekt arbeiten kann. Doch kaum hat der es sich abends bequem gemacht, klopft es an der Tür: Draußen stehen zwei durchnässte Mädchen, Genesis (Lorenza Izzo) und Bel (Ana de Armas). Sie hätten sich verirrt, ihr Telefon ist nass, sie brauchen Hilfe. Samariter, der er ist, hilft Evan… und als sich die Damen mit Sex bedanken wollen, nimmt er nach kurzem Zögern an. Was für Evan ein „Ausrutscher“ sein soll, wird zum Fiasko: denn am nächsten Tag sind Bel und Genesis immer noch da und halten Evan gefangen, um ihn für sein Fehlverhalten zu bestrafen.

Nur auf diese Weise könnte man mich dazu bringen, diesen Film noch einmal zu gucken!

Es gab in dem ganzen Film zwei wichtige Fragen, die ich mir immer und immer wieder stellte: 1. Was zur Hölle schaue ich mir da gerade an? Und 2. Was zur Hölle ist bei Keanu Reeves schief gelaufen, dass er so einen Mist drehen musste? Ich dachte, „John Wick“ wäre gut angelaufen, ein zweiter Teil ist doch schon in Planung und ein bisschen was von dem Geld muss doch noch übrig sein.

Aber irgendwas muss Reeves ja geritten (5 Euro für die Wortspiel-Kasse) haben, um sich für diesen schlechten Klopf-Klopf-Witz von einem Film hinreißen zu lassen. Die große, wahrscheinlich auf ewig unbeantwortete Frage hängt wie ein Damokles-Schwert über dem Zuschauer dieses Films. Womit wir dann versuchen müssten, irgendwie Frage 1 zu beantworten.

Das Beste, was mir dazu einfällt: „Knock Knock“ ist der feuchte Traum eines Eli Roth, den er versucht, mit ein bisschen Gewalt und Terror zu „würzen“. Hätte er das mal bloss lieber für sich behalten. Denn „Knock Knock“ ist wirklich gruselig, nur leider nicht im guten Sinne eines Horror-Films. Da wäre allein der Anfang: Über eine halbe Stunde müssen wir das albern geschriebene Geplänkel zwischen den beiden Damen und Keanu Reeves ertragen. Da folgt eine billige Sex-Anspielung der nächsten und es tut schon körperlich weh, dem länger als fünf Minuten zu zu sehen. Immerhin sind diese Qualen ganz in der Tradition eines Eli Roth, der ja gerne mal quält. Und da „Knock Knock“ ein erstaunlich blutleerer Roth-Film, muss er halt anders quälen.

Nämlich durch überdrehte Darsteller und eine Handlung, die irgendwie nicht wirklich viel hergibt. Denn man kann das Verhalten der Damen nicht wirklich nach vollziehen, am Ende zwar schon, aber selbst dann fragt man sich: „Was soll der Mist?“ Der Film kommt einfach nie so wirklich in Gang, hat nie auch nur ein Fünkchen Spannung zu bieten – von guten Darsteller-Leistungen mal ganz zu schweigen.

Keanu Reeves führt sich auf, als wäre er gerade von der Schauspiel-Schule gekommen – absolut hölzern stolpert er durch diesen Film, redet irgendwelchen Schwachsinn nach dem Motto „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, kreischt ziemlich viel und tut einem einfach nur Leid. Die beiden Damen sind da nicht viel besser: die „schauspielern“, als hätten sie zu viel Kaffee getrunken. Keine von beiden kann als Psycho-Bitch wirklich funktionieren und ihren Sexy-Talk sollten sie auch noch einmal üben.

Was man Roth vielleicht gut schreiben könnte, ist der Versuch, die Geschlechter-Rollen mal zu tauschen. Nur wenn dieser Tausch dann letztendlich unter blöden Klischees, noch blöderen Dialogen und einer absurden Handlung verschwindet, nützt er einem auch nichts. Vielleicht könnte man mit viel gutem Willen versuchen, „Knock Knock“ als Satire auf das Torture-Porn-Subgenre zu deuten. Aber selbst das wäre zu viel des Guten, denn Satire ist irgendwie immer noch ein bisschen clever. Und „Knock Knock“ ist einfach gar nichts… außer reiner Zeiterschwendung.

Wertung: 2 von 10 Punkten (armer Keanu Reeves, das war ein Griff ins Klo… einen Punkt bekommt der Film aber für das schöne Haus, das als Kulisse dient und einen Punkt für den kleinen, niedlichen Hund, der diesen Reeves-Film überleben darf!)

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12 Kommentare leave one →
  1. 9. Dezember 2015 08:26

    Gibt es überhaupt einen Film von Eli Roth, der auch nur ansatzweise nicht komplette Scheiße ist?

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2015 11:36

      😀 Ja, das ist eine gute Frage… da fällt mir tatsächlich keiner ein.

      • 9. Dezember 2015 12:31

        Ich sage es, wie es ist: Wäre der Vogel nicht mit Tarantino befreundet, würde der irgendwo im Horror-Nirvana rumdümpeln und keine Sau würde sich für seine Kackfilme interessieren.

        • donpozuelo permalink*
          9. Dezember 2015 14:08

          Da geb ich dir Recht. Dann wäre das irgendso ein B-Movie-Director, den nur die wenigstens kennen würde. Ich meine „Hostel“ kam ja auch wirklich nur so groß raus, weil der Name Tarantino so fett auf dem Plakat stand (und nur ganz klein darüber, dass er eigentlich nur der Produzent ist) 😀

        • 9. Dezember 2015 14:24

          Bis heute gibt es auch noch genug Leute, die glauben, dass Hostel von Tarantino ist. Quasi ein Running Gag im Netz.
          Aber genau so ist es. Und Roth hätte im Gegensatz zu vielen anderen nicht mal das Zeug dazu, zum Kult zu werden, weil seine Filme dafür auch nciht gut genug sind. Der würde einfach komplett in der Masse verschwinden.
          Aber es ist ja überall so, dass man mit den richtigen Verbindungen nach oben kommt. Nicht nur im Filmgeschäft.

  2. 9. Dezember 2015 10:00

    Du brichst mir das Herz 😋
    Soweit ich mich erinnere war dieser Streifen schon in de Produktion als John Wick rauskam. Roth rührt ja seit über einem Jahr die Werbetrommel.
    Schade das, hatte mir echt mehr erwartet.

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2015 11:34

      Das tut mir Leid und war auch nicht beabsichtigt. Aber der Film ist leider einfach mal wirklich nicht gut. Und das der schon so lange in Produktion ist, wusste ich gar nicht. Umso trauriger irgendwie…

  3. 10. Dezember 2015 09:40

    Einfach nur ja. Was du allerdings unterschlägst, ist die unfassbar witzige vorletzte Szene mit Keanu Reeves und seinem Smartphone. Das ganze Kino hat gebrüllt vor Lachen.

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2015 16:13

      Okay… mein Problem war halt einfach, dass ich einfach nichts an diesem Film lustig fand. Da hat selbst die Szene nicht viel geholfen…

      • 10. Dezember 2015 19:17

        Die Szene war wohl nicht gewollt lustig, hat dann aber doch sehr an Darth Vaders berüchtigtes „Noooo“ aus Episode 3 erinnert. (Was nichts daran ändert, dass ich guten Gewissens noch einen Punkt an deiner Wertung abziehen würde.)

        • donpozuelo permalink*
          10. Dezember 2015 22:28

          😀 Okay… mach das gern. Eigentlich sind 2 wirklich schon zu viel…

Trackbacks

  1. Elis Menschenfresser | Going To The Movies

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