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Simon says

25. November 2015

Jason Blum wird immer mehr und mehr zu meinem persönlichen Helden. Ich finde es nach wie vor erstaunlich, wie der Mann Filme produziert und mich eigentlich so zum ersten Mal wirklich auf den Produzenten an sich aufmerksam macht. Ich meine, da ist es doch fast genau so wie mit Drehbuch-Autoren oder Kamera-Männern. Man kennt vielleicht ein paar Namen, aber letztendlich nicht wirklich was, um über diese Menschen zu sprechen. Jason Blum ist da ja ganz anders, weil er eben auch so anders ist. Denn wie ich ja schon oft, wenn ich ihn erwähne, aufgezählt habe, macht der Mann einfach alles. Vom poppligen Horror-Film zum Horror-Franchise bis hin zum Oscar-Gewinner. Blum scheint der Mann in Hollywood zu sein, der sein Geld gerne gibt, wenn er die Idee für gut befindet. Er scheint ein Produzent zu sein, der mal etwas wagt und somit jungen Filmemachern die Chance gibt, sich zu verwirklichen. Ob was erfolgreiches dabei herauskommt, scheint Jason Blum vorrangig nicht so unbedingt zu interessieren.

Und damit wären wir dann wohl irgendwie bei „The Gift“, dem neuesten Film aus dem Hause Blum, in dem er Schauspieler Joel Edgerton, den wir aus Nebenrollen in „Zero Dark Thirty“ oder etwa „The Great Gatsby“ kennen, die Chance gibt, sein eigenes Drehbuch zu verfilmen. „The Gift“ erscheint dabei oberflächlich betrachtet, so ein typischer Stalker- / Home-Invasion-Film zu sein, der Sorte, die Blum ja schon des Öfteren produziert hat:

Simon (Jason Bateman) und Robin (Rebecca Hall) ziehen von Chicago in ein schönes Haus in einem noch schöneren Vorort von L.A., wo Simon gerade einen neuen Job bekommen hat. Beim Einkauf der Heim-Deko treffen die beiden zufällig auf Gordon (Joel Edgerton), eine ehemaliger Schulkamerad von Simon – ein etwas merkwürdiger, verhaltener Typ, der sich sehr für Simons neues Leben zu interessieren scheint. Immer wieder taucht er unerwartet zuhause auf, macht Geschenke. Was anfangs noch nett erscheint, nimmt nach und nach merkwürdige Züge an… und nach einer kleinen Konfrontation verschwindet plötzlich Simons und Robins Hund…

Psycho… in drei, zwei, eins…

Ich weiß, ich weiß… erst die Sache mit dem Hund in „John Wick“, jetzt hier – Hollywood scheint in letzter Zeit ein bisschen was gegen Hunde zu haben, aber das ist in diesem Fall nicht wirklich wichtig. Nicht so wirklich wichtig ist auch unserer kleiner Weirdo Gordon – also er ist schon wichtig, aber nicht in der Art, wie man vielleicht denken könnte. Denn was Drehbuchschreiber und Regie-Neuling Edgerton mit uns in „The Gift“ macht, ist Folgendes: Er dreht uns eine lange Nase. Und zeigt all denen, die einen einfachen Stalker- / Home-Invasion-Thriller erwarten den Stinkefinger. Denn „The Gift“ ist so viel mehr und so unfassbar gut, dass man kaum glauben mag, dass dieser Film aus Hollywood kommt. Die perfide, fiese Art und Weise und vor allem das konsequente Durchexerzieren hätte ich vielleicht eher von einem nicht-amerikanischen Film erwartet. Und es gibt einen richtig guten asiatischen Film, mit dem man „The Gift“ ein wenig vergleichen könnte, den ich aber aus Spoiler gründen nicht nennen werde.Von daher an dieser Stelle schon einmal: „Hut ab, Mr. Edgerton!“

Jetzt aber ernsthaft: „The Gift“ ist genau das: Ein wunderbares Geschenk an all diejenigen, die endlich mal wieder einen cleveren Thriller sehen wollen. Edgerton spielt so gekonnt mit unseren Erwartungen, führt uns immer wieder an der Nase herum. Man glaubt an einigen Stellen, ihn durchschaut zu haben und dann überrascht er uns doch wieder. Die Geschichte baut sich langsam auf, Edgerton nimmt sich Zeit und lenkt das Augenmerk mehr und mehr auf Robin und Simon, deren gemeinsame Vergangenheit ebenso interessante Geheimnisse birgt wie Gordons. So baut Edgerton sein Netz der Spannung auf, schafft immer wieder neue Höhepunkte und haut seine Zuschauer mit dem Ende dann endgültig aus den Socken. „The Gift“ ist wirklich eine grandios gelungene Überraschung. Von daher jetzt noch einmal: „Hut ab, Mr. Edgerton!“

Doch natürlich ist jede Geschichte nur so gut wie die Darsteller, die sie uns erzählen. Und ich gebe zu, ich war skeptisch in Bezug auf Jason Bateman. Bateman ist aber Hammer. Man vergisst innerhalb von Minuten, dass er eigentlich viel mehr im Komödien-Bereich zuhause ist. In „The Gift“ überzeugt er unglaublich, wahnsinnig gut. Genau wie Rebecca Hall und auch Edgerton selbst, der in seiner kleinen Rolle als Weirdo wirklich überzeugend weird und merkwürdig und unheimlich ist.

„The Gift“ ist wirklich der Hammer! Sorry, so muss ich es einfach mal sagen. Von der ersten bis zur letzten Minute wird euch dieser Film nicht mehr los lassen. Edgerton hat mit seinem Debüt wirklich einen grandios guten Beitrag zum Thriller-Genre geleistet!!! Von daher: Noch ein letztes Mal „Hut, ab, Mr. Edgerton! Und ich bin gespannt, was hierauf folgen wird!“

Wertung: 9 von 10 Punkten (unerwartete Thriller-Perle, die konsequent ist und ziemlich bitter)

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10 Kommentare leave one →
  1. 25. November 2015 08:13

    Huch! So überschwänglich habe ich deine Kritik aber nicht erwartet 😉 Aber du hast Recht. Der Film ist wirklich gut. Auch wenn ich deine absolute Begeisterung nicht ganz teile 😉
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/11/16/filmkritik-the-gift/

    (Wenn du möchtest, verlinke doch deine Kritik auch unter meinem Artikel 🙂 )

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2015 12:23

      Ja… ich hätte es auch nicht gedacht und die Überraschung über einen wirklich sehr guten Thriller ist dann noch bis zum Schreiben hängen geblieben. Ist ja aber auch seltener geworden, dass man von Thrillern noch positiv überrascht werden kann 😀

      • 25. November 2015 12:24

        Da hast du Recht! Nur was Jason Bateman betrifft, würde ich widersprechen 😉

        • donpozuelo permalink*
          25. November 2015 12:39

          Echt? Ich fand ihn super. Ein guter schmieriger Yuppie, dem man irgendwie auch nie wirklich trauen kann. 😀

        • 25. November 2015 12:41

          Ja, wie gesagt: schlecht war nicht. Aber ich hätte mir da jemand anderes besser vorstellen können. Vielleicht hab ich auch nur ein zu festgefahrenes Bild von ihm als netten Kerl 🙂

        • donpozuelo permalink*
          25. November 2015 12:45

          😀 Gut möglich!!! Ist ja eh immer schwierig, wenn Comedians mal etwas ernsteres spielen.

  2. 30. November 2015 07:53

    Oh, diese überschwengliche Kritik überrascht mich auch. Der Film war zwar wirklich ganz gut, aber zum Hauptgewinn fehlte dann doch noch etwas. Tempo zum Beispiel. Vielleicht habe ich nach dem Trailer aber auch etwas anderes erwartet, der war im Rückblick schlecht geschnitten.

    Bateman machte aber wirklich einen ganz tollen Job!

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2015 18:20

      😀 Ich war halt einfach wirklich, wirklich überrascht 😀 Da kann dann die Euphorie schon mal ein bisschen stärker werden.

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