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Auf bald, Ghibli!!!

20. November 2015

Wir freuen uns in diesem Jahr hauptsächlich auf die Rückkehr von Pixar, die mit gleich zwei Filmen nach einem Jahr der Pause zurückkehrten (obwohl, nein, eigentlich freuen wir uns hauptsächlich auf „Star Wars: The Force Awakens“, aber das mit Pixar ist natürlich ziemlich cool). Was dabei aber leider ein bisschen unter den Teppich gekehrt wird, ist die Tatsache, dass wir dieses Jahr auch erst einmal Abschied von einem der wunderbarsten Zeichentrick-Studios der Welt nehmen müssen. Denn das japanische Studio Ghibli wird sich vorerst aus dem Bereich der Kino-Produktionen verabschieden. Nachdem ja schon Märchen-Onkel und Regie-Meister Hayao Myzaki mit „Wie der Wind sich hebt“ seinen Ruhestand eingeläutet hat, kam nach „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ die traurige Nachricht, dass Ghibli hart zu kämpfen hat und sich für eine Umstrukturierung erst einmal von der großen Leinwand abwenden wird. Ein herber, herber Schock, stand Ghibli doch seit jeher für erstklassige Filme!

Doch bevor man jetzt total traurig die alten Filme auskramt, gibt es noch die Möglichkeit, den vorerst letzten Film des Studios in den Kinos zu sehen. „Arriety“-Regisseur Hiromasa Yonebayashi liefert uns mit „Erinnerungen an Marnie“ dazu einen einerseits sehr typischen, andererseits auch einen sehr Ghibli untypischen Film. Aber dazu später mehr.

In „Erinnerungen an Marnie“ wird die asthma-kranke Anna zu ihren Verwandten Kiyomasa und Setsu in den Norden Hokkaidos geschickt. Bei dem gemütlichen Pärchen soll Anna vor allem die frische Luft genießen und wieder zu Kräften kommen. Für das zurückgezogene Mädchen eine willkommene Abwechslung, kann sie sich hier doch ungestört ihren Zeichnungen widmen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie von einer alten Villa am Rande der Bucht fast magisch angezogen – und hier macht sie dann auch die Bekanntschaft mit Marnie, einem jungen, geheimnisvollen Mädchen, dass Anna mehr und mehr in ihren Bann zieht.

Dunkel-Käppchen trifft Goldlöckchen

Hiromasa Yonebayashi scheint im Studio Ghibli der Experte für die nicht-japanischen Stoffe zu sein. „Arriety“ basierte ja schon auf dem Roman der englischen Autorin Mary Norton, und auch „Erinnerungen an Marnie“ stammt aus der Feder einer englischen Kinderbuch-Autorin und ist sogar eines von Miyazakis Lieblingsbüchern. Und ich finde, man merkt dem Film an, dass er sehr stark europäisch geprägt ist – und das jetzt nicht nur, weil Anna blaue Augen und Marnie sogar eine volle blonde Haar-Pracht schmückt. Nein, ich muss gestehen, dem Film fehlte ein bisschen dieser Zauber der klassischen Ghibli-Filme.

Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, der Film ist immer noch bewegend und eine emotionale, rührende Geschichte über ein junges Mädchen, das seinen Platz für sich in der Welt sucht. Aber so richtig sprang der Funke bei mir nicht immer über. Vielleicht lag es daran, dass der Film trotz seiner fantastischen Note (die gering gehalten wird), sehr bodenständig wirkt. „Erinnerungen an Marnie“ erinnert mehr an die alten, etwas schwerfälligen Hollywood-Melodramen.

Die Freundschaft zwischen Anna und Marnie wird auf wunderschöne Weise erzählt, nur wirkt diese Erzählweise manchmal etwas unausgereift, etwas langatmig, etwas zu sehr darauf bedacht, die große Enthüllung des Films so lange wie möglich geheimzuhalten. Das macht es manchmal ein bisschen schwer, sich dem Film voll und ganz hinzugeben.

Nichtsdestotrotz ist „Erinnerungen an Marnie“ doch auch wieder ein wunderschöner Ghibli-Film… mit der Betonung auf wunderschön. Denn rein optisch betrachtet ist der Film ein Traum. Vielleicht in Anlehnung an Annas Zeichenkünste wirken viele der Landschaftsaufnahmen als wären es wirklich Aquarelle. Yonebayashi verzaubert dieses kleine Dörfchen an einen magischen Ort, der wirkt als wäre er direkt von der Leinwand eines Malers gesprungen. Jede einzelne Einstellung strahlt eine unglaubliche Idylle aus. „Erinnerungen an Marnie“ entführt uns an einen Ort, der zwar magisch wirkt, aber gleichzeitig auch so, als könnte man ihn irgendwo tatsächlich finden.

Dazu ist Anna einmal mehr eine sympathische und liebenswürdig geschriebene Leitfigur, mit der man gerne auf Streifzug durch den Ort geht, während Marnie mit ihrer blonden Mähne wie eine Elfe wirkt – was dann wiederum ja auch gut dazu passt, dass sie etwas unwirkliches und traumhaftes an sich hat. Im Gegenzug dazu sind Annas Verwandte das wohl knuffigste (ich hätte nie gedacht, dieses Wort mal so hier zu verwenden) Pärchen überhaupt – bei denen und in ihrem witzigen, verwinkelten, gemütlichen Häuschen würde ich auch gerne mal Urlaub machen wollen.

So mag „Erinnerungen an Marnie“ vielleicht kein so wirklich typischer Ghibli-Film sein, aber er ist es irgendwie dennoch. Es ist nicht der stärkste Film des Studios, aber er ist trotzdem wunderschön anzuschauen. Wollen wir einfach mal hoffen, dass es nicht der letzte Ghibli-Film gewesen ist…

Wertung: 7 von 10 Punkten (Auf Wiedersehen, Studio Ghibli! Auf bald!!!)

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5 Kommentare leave one →
  1. 20. November 2015 09:02

    Super Film, wie jeder Ghibli. Beste Studio wo gibt.

    • donpozuelo permalink*
      20. November 2015 10:26

      Wir sind ja nicht oft einer Meinung, weswegen diese Momente, wo wir es dann mal sind, schon fast was Besonderes haben 😀

  2. 24. November 2015 12:58

    Ich fand den SCHRECKLICH. War den mit ein paar Studienkollegen schauen und die haben alle geweint und ich sass nur irritiert da, weil mich dieses kitschige Emo-Drama zu keinem Zeitpunkt berührt hat.

    • donpozuelo permalink*
      24. November 2015 14:45

      Gut, geweint habe ich jetzt auch nicht. Dafür war’s mir dann halt wirklich ein bisschen zu emo… aber ich sag ja: diese europäischen Stoffe funktionieren nie so gut wie die eigenen.

Trackbacks

  1. Omoide no Mânî (2014) | Illegitim.

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