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Der Krieg des Spotttölpels

18. November 2015

Alles geht einmal zu Ende. Egal, wie sehr man (verzweifelt) versucht, es hinauszuzögern. Und so müssen / können / dürfen wir uns nun auch von Katniss Everdeen verabschieden – jener tapferen Kämpferin, die sich einst freiwillig für die tödlichen Hungerspiele meldete, um ihre Schwester davor zu bewahren. Nach ihrem erstaunlichen Sieg musste sie dann tatsächlich noch ein zweites Mal dran – in einem Match der Sieger und weil sie zum Symbol der Revolution gegen das System wurde. Ein drittes Mal musste sie zum Glück nicht antreten, dafür aber ihre Rolle als Symbol festigen und fleißig Parolen für die Kameras rufen, ohne das sonst viel passierte.

Jetzt kommt also „Die Tribute von Panem – Mockingjay 2“ in die Kinos und beendet nicht nur die bekannte Filmreihe, sondern macht auch einfach mal wieder deutlich, dass eine auf vier Teile gepresste Trilogie einfach nur unsinnig ist.

„Mockingjay 2“ setzt immerhin genau da an, wo der erste Teil aufgehört hat (wer den ersten Teil also nicht gesehen hat, sollte das vorher vielleicht noch mal nachholen) und führt uns dann anschließend in den vollen Krieg gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) und sein Kapitol. Endlich ist Katniss (Jennifer Lawrence) nicht nur ein Symbol, sondern wird selbst zum kriegerischen Spotttölpel, der immer noch scheinbar von Rebellenanführerin Alma Coin (Julianne Moore) gelenkt wird. Gemeinsam mit dem altbekannten Leuten aus dem ersten Teil geht’s nun in die Schlacht.

Der Spotttölpel endlich wieder in Aktion

Und ja, wie ich es mir schon gedacht hatte, hat „Mockingjay Teil 2“ wirklich ein bisschen mehr zu bieten. Aus der etwas langatmigen Propaganda-Maschinerie wird endlich ein Action-Film, der mich vor allem damit überrascht hat, wie konsequent er manchmal mit den „Schrecken des Krieges“ umgeht. Man war das ja schon den Spielen selbst gewohnt, aber da wurden wir ja nur mit der Gewalt auf diese auserwählten Spieler konfrontiert. In „Mockingjay 2“ müssen wir das erste Mal die ganze Härte des Kapitols ertragen, das im Krieg gegen seine Feinde wirklich vor nichts Halt macht – Frauen, Kinder, egal… hier wird alles niedergemäht, was sich bewegt. Ich gebe zu, damit hätte ich nicht gerechnet.

Ansonsten war ich ganz positiv überrascht, dass mir die Darsteller selbst ein bisschen besser gefallen haben als im letzten Film. Gerade Jennifer Lawrence bekommt – meiner Meinung nach das erste Mal in der gesamten Reihe – wirklich eine Chance, ein bisschen mehr in die Tiefe zu gehen, ein bisschen mehr realistisch zu sein. Aber auch Josh Hutcherson bekommt als Peeta mit Gehirnwäsche die Chance, ein bisschen mehr aus seiner Rolle zu machen.

Insgesamt gefiel mir das Zusammenspiel der Charaktere in „Mockingjay 2“ wirklich viel besser als im ersten Teil. Aber daran merkt man halt auch einfach wieder, wie gezwungen diese Zweiteilung ist. Denn man hätte einfach einen dreieinhalb Stunden Film machen können und gut wäre es gewesen. Die etwas scheinheilige Erklärung, dass sich die Wandlungen einzelner Charaktere durch die Zweiteilung besser darstellen ließe, ist genau das: scheinheilig. In einem Film, der sich letztendlich nur um Katniss dreht, sind die anderen doch halt nur Nebencharaktere – wichtige Nebencharaktere, aber dennoch…

Teil 1 wirkt nach diesem Film einfach wirklich wie die viel zu lange und langatmige Prämisse. Teil 2 hat halt einfach viel mehr Bewegung – sowohl im Action-Bereich als auch bei den Charakteren. Regisseur Francis Lawrence nutzt seine Möglichkeiten besser aus, stellt uns am Anfang sogar unangenehme Fragen zum Thema Krieg und was gestattet ist und was nicht. Allerdings gerät das auch schnell wieder in den Hintergrund – zu viel Nachdenken ist wohl auch nicht erwünscht. Doch wie gesagt, der Film hat einfach ein besseres Tempo, auch wenn er hier und da seine Längen und Hänger hat.

Insgesamt ist es jedoch ein guter Abschluss für die Reihe, der zufriedenstellt… und noch zufriedenstellender gewesen wäre, wenn er 3 Minuten früher aufgehört hätte. So gibt es statt einem verdammt guten Schlussbild ein extrem kitschiges Schlussbild – aber naja… muss wohl so sein.

So nehmen wir dann Abschied von dieser heldenhaften Kämpferin für Freiheit, von der Frau, die den Weg für all die verschiedenen Versuche geebnet hat, weitere „Hunger Games“-Klone in die Kinos zu bringen. Lebwohl, Katniss Everdeen!!! Wer weiß, in was für Prequels oder Spin-Offs wir dich wiedersehen werden! Wer weiß, was überhaupt nach dir folgen wird? Wer weiß??? Möge der Spotttölpel immer für dich singen!!!

Wertung: 7 von 10 Punkten (die Spiele sind endlich vorbei, der Spotttölpel kann sich zur Ruhe setzen)

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