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Der große, rote Drache

16. November 2015

Ich weine! Bittere Tränen! Die salzige Flüssigkeit sammelt sich am Rande meiner Augen, bis sie schwer genug ist, um als dicker Tropfen langsam, langsam, dann immer schneller werdend an meiner Wange herunter zu rollen, bis der Punkt kommt, an dem nichts mehr geht. Bittere Tränen fallen herab, tropfen und platschen auf die Tastatur. Platsch, platsch, platsch… das Wasser in meinen Augen vernebelt die Sicht, auf das, was vor mir liegt. Das Schreiben fällt schwer, wenn schwere Tränen fallen. Tränen der Trauer, Tränen der Wut, Tränen der Verwirrung. Und warum das alles? Warum diese Flut an Tränen, diese Trauer, diese Wut, diese Verwirrung??? Ganz einfach: Es ist vorbei!!! Nach drei Staffeln endet nun meine mir lieb gewordene Serie über den wohl charmantesten Kannibalen, den es je gab. Das ist die Trauer! Die Wut kommt wegen dem verfrühten Ende und auch ein bisschen wegen der Art und Weise, wie ich in dieser dritten Staffel ganz anders auf „Hannibal“ geschaut habe. Womit sich dann auch die Verwirrung erklären dürfte… aber ich wische mir erst einmal die allzu theatralischen Tränen aus dem Gesicht und von der Tastatur und fange von vorne an.

Nach dem großen und vor allem blutigen Finale der zweiten Staffel lässt uns Bryan Fuller erst einmal ganz schön zappeln. Denn statt uns zu verraten, wer nun das Finale überlebt hat und wer nicht, erleben wir erst einmal, wie Hannibal (Mads Mikkelsen) es sich gemeinsam mit Bedelia (Gillian Anderson) in Florenz gemütlich macht – den ein oder anderen leckeren Happen natürlich inklusive. Erst in Folge 2 erfahren wir dann, dass Will Graham (Hugh Dancy) überlebt hat. Später dann auch, dass Jack (Lawrence Fishburne) und Alana (Caroline Dhavernas) ebenfalls am Leben sind. Und nun alle gemeinsam nach Hannibal jagen. Mit Umwegen können sie Hannibal erwischen und einsperren, nur um dann seine Hilfe zu brauchen, um ein neues „Monster“ zu jagen: Die „Tooth Fairy“, der Mann, der sich selbst „der große, rote Drache“ nennt – Francis Dolarhyde (Richard Armitage).

Vorerst kein Happa für unseren Hannibal mehr…

Staffel 3 ist somit genau genommen eine zweigeteilte Story. Den Anfang macht die Jagd nach Hannibal aus, ab Folge 8 geht es dann um das, was wir im Film „Red Dragon“ schon im Kino sehen durften – die Jagd nach dem Drachen. Und dieses Mal muss ich gestehen, dass ich so meine Schwierigkeiten damit hatte, so richtig in die Staffel reinzukommen. Zum ersten Mal habe ich mich ein wenig damit gequält, die nächste Folge zu gucken. Zum ersten Mal habe ich ein bisschen besser diejenigen verstanden, die „Hannibal“ als prätentiös bezeichnen. Denn so wirklich in Fahrt wollte mir Staffel 3 nicht kommen. Stattdessen schwelgte man Folge zu Folge noch mehr in tollen Bildern (die nach wie vor auch immer noch toll waren), schwelgte in langen Monologen und Dialogen, um tiefer in die Psyche der Charaktere zu gelangen (was irgendwie auch nicht mehr wirklich nötig war, kannte man sie doch schon zur Genüge) und man schwelgte darin, sich Zeit zu lassen, alles aufzulösen.

Das allerdings ist eine Sache, die ich schon wieder cool fand. Statt gleich in der ersten Folge das Finale der zweiten Staffel zu erklären, lässt sich Staffel 3 damit viel Zeit – was vielleicht der einzige Grund war, warum ich dann doch dranblieb. Aber letztendlich fehlte mir trotzdem was. So richtig aufregend und spannend fand ich die Jagd dieses Mal einfach nicht. Und ich kann nicht einmal sagen, woran es genau gelegen hat. Aber es war mir letztendlich zu viel Schwelgen in schönen Bildern und zu wenig Fortschritt.

Der kommt dann zwar, wenn der große, rote Drachen kommt – und Richard Armitage ist eine willkommene Abwechslung zu den bekannten Gesichtern. Aber auch er konnte mich nicht zu hundert Prozent überzeugen. Sein Serienmörder war zwar schön ausgearbeitet und zum größten Teil auch interessant in Szene gesetzt, aber auch die Jagd nach ihm wird zu einem etwas langatmigen Feldzug gegen das Böse. Vielleicht fehlten mir einfach die „schönen“ Morde, der ersten und zweiten Staffel, die jeder Folge eine andere Richtung gaben.

Denn zum ersten Mal konzentriert sich „Hannibal“ auf einen Handlungsstrang und nicht auf mehrere. Der Episoden-Charakter wird aufgehoben, es wird mehr ein großer Film, der in einzelne Teile geteilt wurde. Aber dann hätte ich mir (ich glaube gar nicht, dass ich das sage) etwas mehr Tempo oder einfach eine Folge weniger gewünscht. Denn auch im letzten Teil schwelgt man wieder in seiner eigenen Schönheit… hier wird die Serie selbst wie so ein merkwürdiger Serientäter, der sich vor lauter Schönheit nicht von sich selbst abwenden kann.

Dazu passiert dann auch mit den Charakteren viel zu wenig. Ein Will Graham ist dann mal schnell verheiratet, eine kurz auftauchende Chiyoh (Tao Okamoto) wird nie wieder erwähnt, Hannibal kommt in seine Käfig und bekommt noch weniger Screentime – und das war’s. Am nervigsten fand ich – und auch das kann ich nicht fassen, dass ich es sage – Gillian Anderson, die mit ihrer puppenartigen Steifheit und ihrem langsamen Sprechen noch krasser wird als Hannibal selbst.

Ich weiß nicht, was mit mir und Staffel 3 los war. Ich weiß es wirklich nicht! Ich hatte mich so gefreut und hatte durchaus auch meinen „Spaß“. Aber so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Vielleicht lag es auch daran, dass die Absetzung kam und man die ganze Geschichte irgendwie beenden musste… ich weiß es nicht.

Was ich aber trotzdem sagen kann: Es bleibt weiterhin eine meiner Lieblingsserien. Denn auch Staffel 3 hat ihren Charme, das Finale entschädigt für so einiges und die Post-Credit-Scene macht ja auch ein wenig Hoffnung. Ich hätte mich gefreut, wenn es weitergegangen wäre, obwohl ich mir nach dieser dritten Staffel doch ein bisschen mehr für die vierte Staffel gewünscht hätte.

Auf Wiedersehen (hoffentlich), du alter Kannibale Hannibal!!!

Wertung: 7 von 10 Punkten (es schwelgt der Kannibale ein bisschen zu viel in Kleinigkeiten und vergisst manchmal, dass es voran gehen soll)

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11 Kommentare leave one →
  1. 17. November 2015 21:34

    Waaaaaaaas? O_o 7/10? Was ist passiert? Und trotzdem soviele Tränen?
    Was einige deiner Kritikpunkte betrifft, muss ich dir recht geben. Chiyoh war für mich auch irgendwie überflüssig. Also wenn schon, denn schon – hätte mir gewünscht, dass sie lieber richtig auf Hannibals Ursprungsgeschichte eingehen, anstatt Figuren einzuführen, die sowas wie Hannibals early experiments sind. Den Spaß am Rest konnte es mir aber nicht nehmen. Und sowohl Bedelia als auch Dolarhyde fand ich ziemlich interessant in Szene gesetzt.
    Wie deutest du denn die Szene nach den Credits? Denkst du nicht, dass das eine Verzweiflungstat von ihr war, einfach aus Angst, dass sie jetzt dran ist?

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2015 09:03

      Gerade deswegen so viele Tränen 😀 Wie gesagt, ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte. Vielleicht hätte ich mir auch ein bisschen mehr Ursprungsgeschichte gewünscht. Vielleicht liegen ja diese leichten Unstimmigkeiten auch daran, dass man am Ende noch versucht hat, vor der Absetzung reinen Tisch zu machen. Es ist trotzdem schade, dass es die Serie nicht mehr gibt… Ich habe sie immer gern geguckt.

      Was die Post-Credit-Scene angeht, habe ich so das Gefühl, sie soll uns deutlich machen, dass Hannibal und Will den Sturz überlebt haben und sich nun an ihr gütlich tun. Immerhin ist der Tisch ja auch für drei Personen gedeckt und selbst Will sagt Bedelia, dass Hannibal sie bei der nächsten Möglichkeit verspeisen wird. Ob sie sich das jetzt wirklich selbst antut? Glaub ich nicht… ich denke mal, es soll so ein offener Cliffhanger sein für den Fall, man kehrt irgendwann doch noch einmal zur Serie zurück.

  2. 7. Dezember 2015 22:54

    Ist einer der Serie, zu der ich wohl nie kommen werde. Keine Ahnung, macht mich nicht an, auch wenn alle sagen, sie ist toll.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2015 09:36

      Vielleicht irgendwann mal? Sie ist schon ziemlich cool.

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