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BMX-Apokalypse

13. November 2015

Es gibt Trash und es gibt Trash. Das eine macht seinem Namen alle Ehre und ist wirklich einfach nur Müll. Schlecht geschriebene Drehbücher, noch schlechtere Darsteller, die verzweifelt versuchen, die Dialoge des schlecht geschriebenen Drehbuchs Herr zu werden. Dazu gibt’s meistens eine ordentliche Prise mittelalterliche Kamera-Arbeit, die jeder Amateur wahrscheinlich schöner hinbekommen würde und für den Fall, dass der „Film“ (falls er überhaupt diesen Namen tragen sollte) auch noch Spezial-Effekte hat, dann sind die wirklich „speziell“… Aber es gibt ja auch noch Trash, den wir Trash nennen, weil er ein bisschen sehr neben der Norm ist, der aber trotzdem verdammt gut sein kann. Ein perfektes Beispiel habe ich ja vor einiger Zeit mal vorgestellt: Das war der Kurzfilm „Kung Fury“, der Kung Fu, Zeitreisen und 80ies Pop und Look auf eine herrlich amüsante Art und Weise mit einander verband und so ein richtiges Fest von einem Film erschuf, von dem ich nach wie vor hoffe, dass wir es irgendwann vielleicht mal wirklich in Spielfilm-Länge im Kino sehen können.

Ein Film, der mich in dieser Hoffnung bestätigt, ist auch ein Film der guten Sorte Trash. Es ist ein Film namens „Turbo Kid“. Der spielt in einer weit entfernten Zukunft, im unvorstellbaren Jahr 1997. Die Welt ist durch Kriege verwüstet und Wasser ist kaum noch zu finden. In dieser Welt lebt ein Junge (Munro Chambers), der versucht zu überleben. Dieser Junge ist zugleich ein großer Fan des Comics „Turbo Rider“ – doch bald muss der Junge erfahren, dass Turbo Rider echt ist. Nur leider ist er auch tot. Doch mit der Rüstung des Riders wird der Junge zu „Turbo Kid“, und mit Hilfe des Turbo-Handschuhs hat er eine Möglichkeit für ein bisschen Recht und Ordnung zu sorgen. Was auch bitter nötig ist, ist der tyrannische Zeus (Michael Ironside) bald hinter Turbo Kid her.

By the Power of Turbo Rider!!!

„Turbo Kid“ ist ein Film, von dem man in den ersten Minuten denken könnte, er würde zu ersten Kategorie von Trash gehören. Da fahren die meisten Leute in dieser „Zukunft“ echt mit BMX-Rädern durch die Gegend; die apokalyptische Ödnis sieht trotz einiger netter Filter doch einfach nur aus wie ein leeres Fabrik-Gelände, wo man ein paar alte Ruinen umfunktioniert hat. Aber wenn man „Turbo Kid“ eine Chance lässt, entwickelt sich hier ein unglaublicher Film, den man nun wirklich nicht erwartet hätte. Denn unter der trashigen Oberfläche steckt – wie schon beim erwähnten „Kung Fury“ – eine Menge Liebe fürs Detail, eine erstaunliche witzige und splatterlastige Geschichte und noch erstaunlicher extrem viel Herz!

Aber eins nach dem anderen: „Turbo Kid“ verneigt sich, wie es sich für Trash mit Liebe fürs Detail gehört, vor einer ganzen Menge alter Filme, die irgendwann selbst mal als Trash angesehen wurden und heute Kult sind. Natürlich steckt eine Menge des alten „Mad Max“ in diesem Film – vorausgesetzt natürlich, Mel Gibson wäre auch mit seinem bunten Fahrrad durch die Gegend gefahren. Gleichzeitig verneigt sich „Turbo Kid“ aber auch vor einer Dame, die nicht oft genug gewürdigt wird – nämlich „Tank Girl“. Und so dürfte die „Heldengeschichte“ von „Turbo Kid“ ziemlich klar sein: Er leidet, er wird vom Underdog zum Helden – doch muss dafür ordentlich einstecken.

Verpackt wird diese Story mit einem spitzenmäßigen 80ies Soundtrack und einer riesigen Menge an Kunstblut. Denn gerade wenn man sich denkt, man könnte diesen Mix aus „Die BMX-Bande“ trifft „Mad Max“ trifft „Tank Girl“ mit Kindern gucken, spritzt das Blut ohne Ende. „Turbo Kid“ wird zu einem echten Splatter- und Gore-Festival, bei dem man mal eben nach Luft schnappt vor lauter Lachen. Denn die Macher des Films (Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell) zeigen sich nicht nur in ihrer merkwürdig-interessanten Apokalypse äußerst kreativ, sondern auch im Abschlachten!!! Das hat teilweise was von extrem gewalttätiger Slapstick und macht auf eine Weise verdammt viel Spaß!

Turbo Kid, Apple und ein Gartenzwerg am Stiel – was will man mehr?

Doch bevor jetzt jemand denkt, „Turbo Kid“ besteht nur aus Synthie-Sound und Splatter, der irrt sich. Was „Turbo Kid“ ebenfalls in die zweite Kategorie von Trash trägt, sind die Darsteller. Die sind weder schlecht noch müssen sie sich mit einem schlechten Drehbuch quälen. Im Gegenteil: der junge Munro Chambers spielt dieses Turbo Kid mit erstaunlich viel Herz und bringt einen fast dazu, sich zu wünschen, man könnte noch einmal Kind sein. Denn dann würde ich mit meinem BMX-Rad durch die Gegend heizen und mir vorstellen, ich wäre Turbo Kid. Was ich mir dann aber auch vorstellen würde, wäre, dass die unglaublich bezaubernde Laurence Leboeuf auch meine Freundin wäre. Die spielt im Film nämlich die bezaubernde (ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist einfach so), dauer-grinsende Apple und sorgt so dafür, dass Turbo Kid nicht nur was hat, wofür es sich zu kämpfen lohnt, sondern bringt auch viel Emotionalität und – ja, ich sage es jetzt einfach mal – Liebe ins Spiel. Aber bevor ich jetzt weiter von Madame Leboeuf schwärme, lobe ich schnell noch Michael Ironside als Schurken und schließe mit den Worten, dass „Turbo Kid“ einfach nur großartiger Trash ist!

Jeder, der an „Kung Fury“ auch nur ein bisschen seine Freude hat, wird „Turbo Kid“ lieben. Dieser Film ist auf seine trashige Art und Weise einfach nur perfekt! Punkt!!! Aus!!!! Fertig!!! Und er hat die bezaubernede Laurence Leboeuf – so, ich hab’s noch einmal gesagt. Sorry!!! Tut mir Leid!!! Aber isso 😉

Wertung: 10 von 10 Punkten (ich weiß, es klingt nach viel, aber so viel guter Trash muss auch mal ordentlich belohnt werden)

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10 Kommentare leave one →
  1. 13. November 2015 08:46

    Bisher hatte ich Bock auf den Film. Aber da du ihn hier mit Kung Fury vergleichst, bin ich jetzt doch wieder abgeschreckt. Kung Fury war nämlich einfach nur Müll. Nicht gut. Nicht lustig. Nicht irgendwas. Hoffe, dass ist bei diesem hier dann doch anders.

    • donpozuelo permalink*
      13. November 2015 09:32

      Oha… verdammt… genau das, was ich nicht wollte. Der Vergleich mit „Kung Fury“ hinkt vielleicht auch ein bisschen. Was ich damit eigentlich nur sagen wollte, ist, dass „Turbo Kid“ sich auch diesem 80er Jahre-Style aneignet, verrückte Charaktere hat und verrückte Over-the-Top-Action.

      In Wirklichkeit ist „Turbo Kid“ aber auch einfach eine ganz andere Liga. Wirklich sehr zu empfehlen!!! Ehrenwort!!! 😀

      • 13. November 2015 09:43

        Okay, dann gebe ich dem mal ne Chance. Kung Fury fand ich ja einfach „zu viel“. Das war mir alles zu sehr over the top und bunt und grell und einfach zu gewollt.

      • 13. November 2015 09:49

        Mir fällt gerade ein, ich hab meine Probleme mit dem Film kurz runtergetippt: http://letterboxd.com/mmmovies/film/kung-fury/
        Kannst mr ja mal kurz sagen, ob das auf Turbo Kid auch so zutrifft.

        • donpozuelo permalink*
          13. November 2015 09:56

          Okay, ich verstehe… aber „Turbo Kid“ geht in seinen Ideen nicht so sehr ins Extreme. Eigentlich ist es halt wirklich mehr „Mad Max trifft auf die BMX-Bande“. Es gibt keinen Kung Führer, keine Dinos oder sonst sowas. Der Film bleibt da auf dem Teppich, hat aber tolle Charaktere und eine witzig-charmant erzählte Geschichte. Auch wenn man „Kung Fury“ nicht mag, könnte man an „Turbo Kid“ seine Freude haben. „Kung Fury“ ist halt einfach der letzte Film, der so ein bisschen in die Richtung geht… mehr auch nicht.

        • 13. November 2015 10:13

          Das klingt doch schon mal ne ganze Ecke angenehmer. Danke.

        • donpozuelo permalink*
          13. November 2015 10:14

          Puh, gern geschehen.

  2. 13. November 2015 17:50

    Nee, nicht? 10 Punkte?
    Gut, ich kann mich noch an jede Szene erinnern, was aber nicht unbedingt in einem positiven Licht steht :))
    Habe die Begeisterung schon im Sommer nicht teilen können.

    • 14. November 2015 00:20

      Ich versteh den Hype auch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      15. November 2015 21:04

      Haha… so ist das mit dem (schlechten) Geschmack – man teilt ihn zum Glück nicht immer 😀

      Ich hatte meinen Spaß mit dem Film.

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