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Shakespeares Game of Throne

11. November 2015

So… willkommen zur zweiten Fassbender-Feierstunde in diesem Monat. Ich hatte es ja schon in der Review zu „Frank“ angedroht, und jetzt wird es Realität. Obwohl… bevor man Fassbender auf ein Neues abfeiert, sollte man wohl einen anderen würdigen. Good old Shakespeare. Wer hätte wohl jemals gedacht, wie langlebig der gute englische Barde doch ist. Viele seiner Werke haben auch heute noch nichts an ihrer Faszination verloren – was vor allem daran liegt, dass man seine Stoffe auch heute immer noch gut nachvollziehen kann. Ehrgeiz, Eifersucht, Liebe, Trauer und Träumereien sind halt ebenso unsterblich wie Shakespeare selbst. Ein Joss Whedon verfilmt ihn, TV-Serien (hallo, „Sons of Anarchy“) bedienen sich bei ihm… und jetzt schafft er es mal wieder ins Kino… mit Fassbender, Marion Cotillard und dem König „Macbeth“.

Man kennt die Geschichte wahrscheinlich mehr oder weniger: Macbeth (Fassbender) erhält nach einer gewonnen Schlacht eine Prophezeiung von drei Hexen, er würde bald König werden. Seine Frau, Lady Macbeth (Marion Cotillard) will aber nicht auf das Schicksal warten und drängt ihren Mann dazu, sich zum Thron zu morden. Doch Macbeth fühlt sich nicht wohl dabei, gibt aber dennoch nach und wird fortan von Schuldgefühlen gequält. Immer mehr und mehr von Visionen geplagt verfällt der neue König der Paranoia und wird zu einem brutalen Tyrannen.

Ein bisschen Schmusi vor den Intrigen ist immer gut.

Hochmut kommt vor dem Fall… oder auch die Tatsache, dass hinter jedem paranoiden Mann eine machthungrige Frau steckt – man kann „Macbeth“ wohl interpretieren, wie man möchte. Doch die Geschichte um das bedenkenlose Streben nach Macht ist immer noch packend, spannend und aufregend zugleich. Und Regisseur Justin Kurzel gelingt es in seinem Film mit Bravour, diesen alten Stoff immer noch interessant zu gestalten.

Gut, vielleicht sind wir mittlerweile wieder ein bisschen aufgeschlossener gegenüber politischen Intrigen, machtbesessenen Frauen, Morden im Mittelalter – „Game of Thrones“ hat da gute Vorarbeit geleistet und so stürzt man sich dann auch gerne in diese werkgetreue Adaption des Stücks von Shakespeare (obwohl eine Version in der Neuzeit auch ihren Reiz hätte).

Justin Kurzel inszeniert „Macbeth“ aber auch mit einer Bildgewalt, die einen umhaut. Allein die erste Schlacht ist der Hammer. Kurzel wechselt von Suuuuper-Slow-Motion zu harter Action und zeichnet so ein Gemälde von einer Schlacht. Allerdings darf man jetzt nicht erwarten, dass „Macbeth“ ein Schlachtenfest geworden ist.

„Macbeth“ beeindruckt durch tolle Schauwerte – nicht nur durch Schlachten (wobei Mehrzahl hier nicht wirklich passt, es ist eine am Anfang und eine kleine am Ende). Auch Schottland selbst – mit seinen rauen Bergen, den weiten Wiesen – wird zu einem Charakter in diesem Film. Man hat immer das Gefühl, das Raue und die Kälte Schottlands greift gleich durch die Leinwand auf einen über… und in diesem riesigen, unermesslichen Schottland werden die Charaktere zu Wichten, die scheinbar nur ein Spielball des Schicksals, ihrer Ambitionen und der drei Hexen werden. Justin Kurzel schafft es mit diesen Bildern eine bedrohliche Atmosphäre zu entwickeln. So sehr man sich auch an der Schönheit der Natur satt sehen möchte, hat man doch immer das Gefühl, es wartet irgendwo dahinter eine unheimliche Macht.

Keine Ahnung, wie ich es besser beschreiben soll… aber man sollte diese Bildgewalt von „Macbeth“ schon hervorheben. Nicht nur wegen der Bilder, sondern einfach, weil Kurzel die Geschichte allein durch die Bilder so gut vermittelt. Denn, dass muss ich als O-Ton-Fanatiker gestehen, das alte Shakespeare’sche Englisch ist nicht immer einfach zu verstehen. Mit der Zeit hat man zwar das Gefühl, man würde dem Ganzen besser folgen können, aber das ist dann einfach der Zeitpunkt, an dem einen die Bilder komplett gefangen genommen haben.

Natürlich hat „Macbeth“ nicht nur optisch was zu bieten… weswegen wir jetzt zum Fassbender-Abfeiern kommen. Fassbender meistert auch diese Rolle wieder einmal mit Bravour. Fassbender ist umwerfend gut. Hier verwandelt er sich gekonnt vor unseren Augen in diesen paranoiden Tyrannen, der im wahrsten Sinne über Leichen geht. Ohne mit den Wimpern zu zucken – und es am Ende dann doch bitter bereut. Und trotzdem bleibt er bis zum Ende auch dieser stolze König, der nie seiner Frau die Schuld gibt, sondern sich selbst verflucht. Einfach grandios, wie der Onkel Fassbender das rüber bringt. Fast genauso gut ist Madame Cotillard als Königin, obwohl ich bei ihr sagen muss, dass ich mir ein klein bisschen mehr von ihr gewünscht hätte. Ich habe das Original-Stück nicht mehr so in Erinnerung, aber ein bisschen mehr Cotillard und ihre Königin wäre schon toll gewesen.

„Macbeth“ ist aber so oder so ein aufregender Film, ein Bild von einem Film – einfach nur verdammt atemberaubend. Wirklich wahr. Geiler Film. (Nur noch toppen kann diesen Film ein Japaner – Akira Kurosawas „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist eine noch bessere Macbeth-Version 😉 )

Wertung: 8 von 10 Punkten (tut Euch den Film im Original an, ihr werdet es nicht bereuen – verzichtet dabei aber auf die Untertitel, die sind fast noch verwirrender als das Original)

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9 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2015 13:00

    Hätte ich auch gerne gesehen, aber dann leider doch im Kino verpasst :/

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2015 21:58

      Dann unbedingt im Heimkino nachholen!!!!

  2. 7. Dezember 2015 22:52

    Den habe ich noch immer nicht geschafft. Er war so schnell im Spätprogramm und ich habe etwas Angst vor Cotillard. Schöne Frau, aber zu viel weinerliche Rollen.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2015 09:35

      Der war wirklich schnell im Spätprogramm, aber für Shakespeare ist halt auch einfach nicht so das große Publikum da… aber trotzdem sehr sehenswert, auch mit Cotillard. Hier ist sie toll!

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