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Kartoffeldiät!

9. November 2015

Sean Bean überlebt! Das ist an sich schon ein kleiner Spoiler, aber es ist äußerst faszinierend. Denn eigentlich ist ja der Spoiler, dass Sean Bean in seinen Filmen oder Serien immer drauf geht. Doch es geht auch anders. Ridley Scott schafft es, dass Sean Bean mal einen Film überlebt. Das ist vielleicht nicht unbedingt das Faszinierendste an „Der Marsianer“, aber es ist doch ziemlich aufregend. Sean Bean lebt!!! Dazu muss man allerdings sagen, dass wenn Sean Bean hier in seiner Rolle gestorben wäre, wäre das auf der einen Seite sehr merkwürdig gewesen, aber irgendwie auch witzig – immerhin würde dann der Fluch des Sean Bean weitergehen. Aber… noch einmal: Sean Bean überlebt! Man stelle sich nur vor, Sean Bean hätte den Marsianer selbst gespielt – vielleicht hätte der Film ein ganz anderes Ende gehabt.

Aber genug Gerede von Sean Bean. Sean Bean ist nämlich nun wirklich nicht der wichtigste Mann in dem Film, der den Namen Ridley Scott rehabilitieren könnte. Viel wichtiger ist Matt Damon. Der spielt nämlich besagten „Marsianer“ – das ist Astronaut Mark Watney, Teil einer Mars-Mission, die auf dem Mars von einem Sturm überrascht werden. Bei dem Versuch, vom Mars zu verschwinden, wird Mark von herumfliegenden Teilen getroffen, für tot gehalten und von seinen Crew-Mitgliedern schweren Herzen zurückgelassen. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Watney hat überlebt… und muss nun als erster Mars-Robinson-Crusoe irgendwie am Leben bleiben.

You gotta love potatoes!!!

Ich habe vor langer Zeit das Buch von Andy Weir gelesen. Aber auch nur weil „Ready Player One“-Autor Ernest Cline das Buch so gelobt hat. Und da ich „Ready Player One“ sehr mocht, das Buch auch jedem empfehle, der nicht danach fragt und ich sowieso gerade was Neues zum Lesen brauchte, habe ich mir halt „The Martian“ geholt. Ein Buch, mit dem ich anfangs und zum Ende hin meine Probleme hatte. Anfangs dachte ich mir nur: „Wenn ich nach 50 Seiten noch ein Wort mehr über Kartoffeln oder Eigenurin lesen muss, dann höre ich auf!“. Und zum Ende dachte ich: „Wenn ich noch weiter irgendwelches Technik-Zeug über Planen und Gewicht und Schwerkraft und sonst was lesen muss, dann höre ich auf!“ Dazwischen war das Buch tatsächlich verdammt unterhaltsam und vor allem witzig.

Witzig… das ist für das Buch sehr wichtig… und da lagen meine größten Bedenken für den Film. Kann Ridley Scott witzig??? Kann Ridley Scott nach „Prometheus“ überhaupt noch ordentlich Sci-Fi – obwohl „Der Marsianer“ ja nun auch noch mehr Sci als Fi sein soll!

Ich gebe zu, ich hatte Bedenken. Die Gott sei Dank unnötig waren. Denn Ridley Scott schafft nicht nur witzig, sondern umschifft auch gekonnt die Mängel des Buches. Für den Film verzichtet Scott auf die vielen technischen und mathematischen Erklärungen von Watney. Auch das Kartoffel-Problem ist im Film selbst sehr erträglich. Zur Wasserherstellung und die Sachen mit dem Eigenurin kommen zum Glück gar nicht erst zur Sprache. Stattdessen konzentriert sich Scott in „Der Marsianer“ darauf, den Film glaubwürdig und unterhaltsam zu gestalten.

Und dass das alles so funktioniert, hat er Matt Damon zu verdanken. Der ist wie geschaffen für den Job, schließlich hat er schon Erfahrung darin gesammelt, auf einem Planeten allein gelassen zu sein (husthustInterstellarhusthust). Matt Damon spielt also Mark Watney – Astronaut, Botaniker, Space-MacGyver, der Robinson Crusoe spielt und dabei noch witzige Sprüche macht. Man könnte vielleicht manchmal meinen, dass es alles zu glatt läuft, aber würde NASA letztendlich nicht genau solche Leute ins All schicken? Die zur Not alles abdecken könnten? Check!!! Glaub ich, kauf ich Damon auch ab. Wie auch den Rest! Damon trägt den Film in all seinen lustigen, tragischen und dramatischen Momenten – mehr muss man dazu nicht sagen.

Auch die Entscheidung, die Handlung auf der Erde und auf der Raumstation mit dem Rest von Watneys Crew zu erweitern, war eine gute. Im Buch ist das ja alles recht spärlich, für den Film wurde das gut ausgebaut – mit Jessica Chastain, Michael Pena, Jeff Daniels, Kate Mara, Chiwetel Ejiofor, Donald Glover und und und… und Sean Bean natürlich. Große Namen in kleinen, aber feinen Rollen, die aber die großartige Performance von Matt Damon unterstützen.

Visuell sieht Mars auch toll aus, die Action ist gut abgewogen, die Komik auch. Was ich mir tatsächlich aber dennoch gewünscht hätte, wäre ein bisschen mehr Action auf dem Mars. Die Reise zu seinem Endziel ist im Buch sehr viel problematischer als im Film. Da steigt er irgendwann in seinen Rover und düst ab. Hier wäre eine Chance gewesen, Matt Damon noch ein bisschen besser glänzen zu lassen; die Kulisse Mars noch beeindruckender darzustellen und dem Film an sich noch ein bisschen mehr Spannung zu verleihen. Dafür hätte ich dann gern auch ein bisschen weniger vom „Gravity“-ähnlichen Ende gehabt.

Nichtsdestotrotz ist „Der Marsianer“ ein unterhaltsamer und spannender Film mit einem großartigen Matt Damon… und ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass Ridley Scott doch noch interessante Filme machen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Disco-Musik auf dem Mars und Sean Bean bleibt bis zum Ende am Leben… goil!!!)

 

9 Kommentare leave one →
  1. 9. November 2015 08:12

    Och ich fand das Ende im Weltraum eigentlich auch sehr spannend! Dagegen hat mich der Humor nicht so überzeugt – aber vielleicht hatte ich davon auch andere Vorstellungen als Matt Damon reißt ein paar selbstironische Sprüche für sein Tagebuch. (Wäre Sean Bean in seiner Rolle gestorben, wäre das tatsächlich witziger gewesen)

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2015 09:24

      Auf diese Art von Humor war ich dank des Buches schon gefasst. Da ist es genau so. 😀

  2. 9. November 2015 13:37

    Der gefiel mir auch sehr gut, aber er hat mich nicht umgehauen. Hat mich nicht so berührt oder beeindruckt wie Interstellar. Ich hab das halt alles irgendwie schon gesehen und erst noch packender. Dem Film selber kann man dafür keinen Vorwurf machen, das Timing war einfach ein Jahr zu spät imho. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2015 14:30

      Absolut! Recht haste. Es ist wirklich ein netter Film, aber nichts besonderes an sich. Liegt aber auch einfach ein wenig an der Vorlage… obwohl sie ja da dem Kino-Gänger ein paar von den guten Sachen vorenthalten.

  3. 9. November 2015 21:51

    Mit „Sean Bean lebt“ hast der Beitrag mein Herz erobert. Genau das dachte ich mir nach dem Film nämlich auch, bzw. wusste es ja als Leser des Buches schon im vorneherein. Sehr stark! 🙂

    Den Film fand ich auch echt toll.

    • donpozuelo permalink*
      10. November 2015 08:55

      Sean Bean lebt… das ist aber auch mal eine Aussage bei einem Film oder einer Serie, die man einfach würdigen muss 😀

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