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Soronprfbs

2. November 2015

Ich habe mich wahrscheinlich irgendwann schon mal hier als Michael-Fassbender-Fanboy geoutet. Aber ich tue es an dieser Stelle gerne nochmal. Denn letztendlich ist alles, was der gute Fassbender macht, einfach nur großartig (weswegen ich dringend noch den neuen „Macbeth“ gucken muss). Fassbender ist der De Niro der neuen Generation – meiner Meinung nach. Als knallharter Method-Actor fing er an, wurde zwischendurch zu Magneto, zu einem der „300“ und stand dazu, seinen Schniedel zu zeigen. Go, Fassbender! Und ja, ein Fassbender funktioniert auch, wenn man ihn eigentlich mal nicht sieht.

Denn in „Frank“ spielt er Frank, den Kopf der psychodelischen Experimental-Band Soronprfbs. Wobei man sollte vielleicht betonen, dass er den KOPF spielt. Denn Frank hat die merkwürdige Eigenart, ständig einen riesigen Pappmache-Kopf zu tragen. Für Band-Neuling Jon (Domhnall Gleeson) etwas schwierig, doch nachdem er auf einem sehr wirren und verrückten Band-Camp miterleben darf, was für ein kreativer Kopf im Kopf steckt, ist er gebannt. Jon ist es dann auch, der Frank dazu bewegt, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren – ganz zum Ärger von Clara (Maggie Gyllenhaal), der ersten Frau der Band / dem zweiten „Mann“.

Geh und GUCK MICH!!!!

Es muss wohl für jeden Schauspieler die Herausforderung schlechthin sein, wenn man sein Gesicht hinter einer starren Maske verstecken muss und trotzdem einen Charakter glaubhaft darstellen soll. Ein Karl Urban hat das in „Dredd“ ja soweit gut hinbekommen, weil sein Judge Dredd einfach nur ein grummeliger Klotz ist. Der Frank aus „Frank“ ist da natürlich eine etwas andere Nummer.

Fassbender gelingt es, uns diesen Typen gekonnt näher zu bringen. Anfangs ergeht es einem zwar wie Jon und dieser Mann mit dem Riesenkopf und vor allem den riesigen, leeren Augen wirkt wie ein Verrückter. Aber Fassbender schafft es, dass Frank keinesfalls wie ein Verrückter wirkt. Es wird zwar immer wieder von einer „Störung“ gesprochen, vielmehr wirkt Frank jedoch wie ein sympathischer Exzentriker, ein kreativer Freigeist eben! Und wie gesagt, irgendwann im Laufe des Films fällt einem die Maske auch gar nicht mehr so sehr auf… irgendwann gelangt man an den Punkt, an dem man über die Maske hinaussieht bzw. hineinsieht. Und ab da ist es dann auch egal, wie der Typ darunter vielleicht aussehen mag. Denn Frank an sich kennen wir eh schon längst.

Aber es ist natürlich nicht nur ein Michael Fassbender, der in „Frank“ beeindruckt. Maggie Gyllenhaal brilliert, und ich meine wirklich: brilliert, als Clara, eine eiskalte Hexe, bei der man nie sicher sein kann, wie sie als nächstes reagiert. Und auf Fremdkörper Jon reagiert sie immer mit Verachtung, die ihr auch so extrem gut zu Gesicht steht, dass es einfach nur eine Freude ist, ihr bei ihren Fisimatenten zu zu schauen. Gyllenhaal rockt wirklich diesen Film!!!! Ohne jedoch die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich zu lenken. Sie ist einfach eine dieser grandios gut geschriebenen und gespielten Nebenfiguren, ohne die auch ein Fassbender-Frank nicht funktionieren würde.

Dazu passt dann Domhnall Gleeson, der die perfekte Identifikationsfigur für den Zuschauer liefert. Wer von uns schreibt nicht in Gedanken die schönsten Songs, lässt sich von wirklich kreativen Köpfen gerne beeinflussen und wundert sich anfangs nicht auch über den Mann mit dem Pappmache-Kopf? Domhnall tut all dies und noch viel mehr… was will ich jetzt nicht verraten, aber sein Jon bringt Leben in diese Gruppe… und Veränderungen, von ihm gut gemeint, aber ohne einschätzen zu können, was es für die Gruppe bedeutet.

„Frank“ liefert also nicht nur tolle Performances, sondern auch wirklich eine spannende, bewegende, traurige und auch eine zum Schreien komische Geschichte. Regisseur Lenny Abrahamson schickt uns erst ins Band-Trainingslager, zu den Aufnahmen eines neuen Albums, stellt uns die verrückte Truppe vor, bevor er sie in die weite Welt jagt. Es ist ein Film, der schön durchdacht ist, der uns emotional auf eine interessante Reise mitnimmt und uns am Ende auch irgendwie glücklich zurücklässt – ein Feel-Good-Movie mit starker Musik.

Und die darf man hier nicht vernachlässigen. Der Soundtrack ist spitze. Hier wird wirklich experimentiert und es ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf einlässt, ist es auch noch ein Fest für die Ohren. Fassbenders „I Love You All“ sollte definitiv für einen Oscar nominiert werden.

Wertung: 9 von 10 Punkten (einen Punkt Abzug gibt’s für den tatsächlichen Blick unter den Pappmache-Kopf – wäre gar nicht nötig gewesen!!!)

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8 Kommentare leave one →
  1. 2. November 2015 12:53

    Mich hat der Film total berührt und ich könnte bis heute noch nicht mal genau artikulieren warum.

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2015 14:37

      Kann ich gut verstehen!!! Es ist wirklich ein toller Film!

  2. 2. November 2015 17:01

    Einer der besten Filme des Jahres.

Trackbacks

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