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Mamas kleiner Psycho

28. Oktober 2015

Was mich früher immer an Filmen gewundert hat, waren eigentlich zwei Dinge: 1) Wieso wollen Schauspieler zum Film, wenn so viele dabei sterben? (Dazu muss man sagen, dass ich immer dachte, die Menschen, die im Film sterben, würden wirklich sterben. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, ist das eine ziemlich krasse und kranke Sichtweise auf Filme. So würde ja jeder Film zu einem potentiellen Snuff-Film werden. Und das wäre schon mehr als nur hart. Irgendwann hat man mich dann aber schon darüber aufgeklärt, was mich dann doch sehr erleichterte!!!) Und die zweite Sache war folgende: Müssen die Menschen in Filmen eigentlich nie auf die Toilette gehen? Mal pinkeln? Oder vielleicht mal groß? Egal, was für einen Film ich sah, nie ging jemand auf die Toilette. Also entweder ich habe die falschen Filme geguckt oder alles nur Filme, die vor Alfred Hitchcocks „Psycho“ kamen.

Wie ich jetzt den wunderbaren Bogen von Toiletten zu „Psycho“ geschafft habe? Nun, das verdanke ich dem absurden Fakt, dass Hitchcocks Film der erste amerikanische Streifen war, in dem man eine offene Toilette sieht und auch hört, wie die Spülung betätigt wird. Ich finde diese Trivia irgendwie unheimlich lustig, wenn man bedenkt, was Hitchcocks Film eigentlich sonst in den Augen der Filmgeschichte ist. Der Beginn des Slasher-Kinos, der Beginn des Film-Psychopathen… und auch der Beginn der Toilettenspülung auf Film. Bravo, Hitchcock, bravo!!!

Ich würde Sie gern der Mama vorstellen…

Aber wir wollen uns jetzt mit „Psycho“ nicht als dem Film beschäftigen, der uns die Klospülung filmisch näher brachte. Allerdings stellt sich die Frage, ob man noch groß was zu „Psycho“ sagen muss. Ich glaube ja, dass „Psycho“ einer dieser Filme ist, den man auch zu kennen meint, wenn man ihn gar nicht wirklich gesehen hat. JEDER kennt die berühmte Duschszene, die Hitchcock in einer Woche drehte und die heute so ikonisch ist wie kaum eine andere Szene. Man muss ja nur diese stakkatoartige Musik, dieses großartige „Mörderthema“, Bernard Herrmann hören – ob nun in der Szene oder im restlichen Film… und es läuft einem eiskalt den Rücken runter.

„Psycho“ ist allein schon wegen der Musik Kult, aber dann kommt natürlich Psycho Norman Bates dazu, grandios gespielt von Anthony Perkins. Und egal, wie oft ich den Film jetzt schon gesehen habe, Perkins überrascht mich jedes Mal, jagt mir jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken. Ich mag, wie er diesen unschuldigen Blick drauf hat, wie er unter der Befragung des Privatdetektivs langsam nervöser und unruhiger wird… und wie Hitchcock es schafft, dass man ihn bis zum Schluss nie wirklich für den Bösen hält. Er ist halt einfach Mamas kleiner Psycho, der hinter ihr aufräumt, wenn sie die schöne Janet Leigh in der Dusche absticht, den Detektiv killt.

Hitchcocks Psychopath ist der erste „Psycho“, der diesen Titel auch wirklich verdient. Die Geschichte, die sich nach und nach für uns aufbaut und die wir am Ende vom Psychiater bestätigt und erklärt bekommen, ist absurd, aber in ihren Ausführungen auch so glaubwürdig und erschreckend, dass jeder andere Psycho-Thriller irgendwie doch auch immer auf „Psycho“ zurückzuführen ist. Was wäre das Horror-Genre nur ohne „Psycho“? Endlich konnte man wirklich mal etwas wagen, was wirklich unerwartet ist und schockiert.

Und wie es sich für einen Hitchcock gehört, wird die Spannung kontinuierlich aufgebaut. Ich halte nach wie vor immer noch den Atem an, wenn man endlich das erste Mal in dieses unheimliche Haus von Norma und Norman Bates betritt. Die ganze Zeit thront es unheilvoll im Hintergrund, dunkel und voller Geheimnis. Wenn das einzelne Fenster nachts erleuchtet ist und man den Schatten von Norma sieht… puh, Gänsehaut pur. Manchmal wünschte ich, ich könnte mir vor Filmen wie diesem die Erinnerung an den Film löschen, um ihn noch einmal ganz frisch sehen zu können. Aber selbst wenn man das Ende kennt, ist „Psycho“ einer dieser Filme, den man nicht oft genug sehen kann.

„Psycho“ – der Film, der Klospülung, der Film des Psychos und der Film mit dem Alfred Hitchcock einmal mehr beweist, dass er den Titel „Master of Suspense“ wirklich zu recht trägt. Denn „Psycho“ ist auch heute noch spannend und aufregend – ein Klassiker, der gut gealtert ist und wirklich ein Meilenstein ist!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (jetzt muss ich mir nur immer noch schwer überlegen, ob ich mir mal „Bates Motel“ anschaue – kann das jemand empfehlen???)

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17 Kommentare leave one →
  1. 28. Oktober 2015 08:04

    Also ich finde Bates Motel ja wirklich sehr gut – dafür fehlt mir allerdings Psycho, den ich mir spätestens nach Ende der Serie (die auf 5 Staffeln angelegt ist und daher nicht unnötig in die Länge gezogen wird) anschauen möchte.

    • donpozuelo permalink*
      28. Oktober 2015 10:35

      Okay, cool. Danke für die Einschätzung. Fünf Staffel klingt ja wirklich sehr überschaubar. Und Vera Farmiga als Mama Bates klingt auch ziemlich interessant. Die Serie kommt auf jeden Fall mal auf die To-Do-Liste 😀

  2. 28. Oktober 2015 09:22

    Den Klo-Fakt kannte ich noch nicht, finde ihn aber wirklich witzig. Und auch ich war als Kind der Meinung, dass die Schauspieler im Film echt sterben 😉 So kann man sich täuschen.

    Was deine Lobeshymne auf den Film angeht, kann ich nur mit einstimmen. Die Serie kenne ich nicht, wollte aber nächste Woche damit anfangen. Wir können uns also gerne austauschen 😉

    • donpozuelo permalink*
      28. Oktober 2015 10:36

      Echt? Gott sei Dank… ich dachte schon, ich wäre der einzige 😉

      Bei der Serie bin ich gespannt. Erstmal muss ich noch „Hannibal“ zu Ende gucken, dann kann ich mich mit der nächsten Film-TV-Serie beschäftigen 😀

      • 28. Oktober 2015 10:40

        Hannibal habe ich nach der zweiten Staffel aufgegeben. Eigentlich wollte ich schon nach 5 Folgen das Handtuch werfen, habe mich dann aber doch 2 Staffeln durch gekämpft.

        • donpozuelo permalink*
          29. Oktober 2015 09:03

          Die ersten beiden Staffeln mochte ich noch sehr, mit der dritten quäle ich mich im Moment extrem…

        • 29. Oktober 2015 09:35

          Ich hab gestern mit „Bates Motel“ angefangen. 2 Folgen und bin noch nicht ausgestiegen. Das ist für mich schon beachtlich 😉

        • donpozuelo permalink*
          29. Oktober 2015 22:32

          Jetzt mach mir hier keinen Druck 😀

        • 29. Oktober 2015 22:34

          Haha. Während ich das schreibe, bin ich bei Folge 4. Also mach hin 😀

  3. 28. Oktober 2015 11:36

    Eine schöne Review zum Film, der ich natürlich in keiner Weise widersprechen kann. Das mit der Toilette wusste ich zwar schon, finde ich aber auch immer wieder erheiternd. Für mich ist auch Anthony Perkins Schauspiel immer wieder beeindruckend, genau wie du beschreibst.

    Bates Motel kann ich auch empfehlen. Zwar werden meiner Meinung nach ein paar Nebenplots aufgemacht, die etwas überflüssig sind, aber Vera Farmiga und auch Freddie Highmore sind als Mutter-Sohn-Gespann absolut sehenswert.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2015 09:04

      Ich wusste das mit der Toilette nicht und find’s einfach unglaublich witzig!!! Perkins ist wirklich unheimlich gut… und danke für die Einschätzung von „Bates Motel“. Das werde ich dann mal wirklich vormerken.

  4. 28. Oktober 2015 13:23

    Ja, ein toller Film, der damals unglaublich schockierend gewirkt haben muss.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2015 09:05

      Für sowas hätte man dann doch gerne so einen DeLorean und so ein Men-in-Black-Blitzdings… und dann den Film noch einmal so richtig erleben. 😀

  5. 29. Oktober 2015 22:01

    Gut gesagt – ich hatte auch immer das Gefühl schon alles über den Film zu wissen, habe ihn aber relativ spät geschaut. Und v.A. habe ich zuerst das Remake geschaut! Hatte nicht ganz die Sogwirkung des originals.

    Bates Motel ist okay. Die zweite Staffel hat mir um einiges besser gefallen als die erste. Freddie Highmore hat wirklich was von Perkins Darstellung von Norman Bates und wenn man einmal Vera Famiga als Norma gesehen hat, dann kann man sich wahrscheinlich nie wieder jemand anderen in der Rolle vorstellen. Allerdings kommen sie nicht so früh auf Norman zu sprechen und ob was mit ihm nicht stimmt, sich eine psychische Störung bemerkbar macht. Stattdessen wird das Städtchen in das sie ziehen versucht als abgründig zu beschreiben und es entstehen viele Nebenhandlungen, die ich nicht gebraucht hätte, weil ich ja eh nur wissen will wie Norman zu dem wurde, was er ist … also irgendwie ist die Serie kein Muss. Aber bei der 2. Staffel war ich schon etwas angefixt.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2015 22:35

      Okay… cool. Danke für den ausführlichen Kommentar. Ich frage mich da auchso ein bisschen, warum sie das auf fünf Staffeln strecken wollen. So viel Vorgeschichte kann man sich doch auch nicht ausdenken.
      Bei solchen Sachen wäre mir dann manchmal eine Mini-Serie lieber.
      Aber naja… solange der Erfolg und die Einschaltquoten da sind…

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