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Die Rückkehr des Rabenkönigs

12. Oktober 2015

Kennt ihr das? Ihr geht gemütlich in den Buchladen Eures Vertrauens und stöbert. Da wird mal hier ein Buch raus genommen, da wird dort mal ein bisschen geblättert und da wird vielleicht auch das ein oder andere entdeckt. Aber kennt ihr das, wenn ihr immer und immer wieder auf ein Buch stößt, dass ihr wie als wäre es das erste Mal in die Hand nehmt, obwohl ihr es schon Dutzende Male in der Hand hattet? Nur irgendwas hat Euch immer davon abgehalten, das Buch einzustecken? Nein? Ja? Vielleicht… keine Ahnung. Mag sein, dass es nur mir so geht, aber im Falle von Susanna Clarkes „Jonathan Strange & Mr Norrell“ trifft es genau so zu. Oft genug hatte ich das Buch schon in der Hand und habe es aus unerfindlichen Gründen wieder beiseite gelegt. Dabei hätte mich die Tatsache, dass selbst ein Neil Gaiman Clarkes Buch so feiert, dazu bewegen müssen, das Ding einfach zu kaufen. Aber es kam nie wirklich dazu… und jetzt doch, aber anders als gedacht. Denn statt des Buches kamen „Jonathan Strange & Mr Norrell“ auf andere Art und Weise in mein Haus… als umwerfend gute BBC-Mini-Serie.

Mr. Norrell (Eddie Marsan) ist ein Zauberer, der die englische Magie salonfähig und wieder respektabel machen möchte. Deswegen lässt er sich von seinem Diener Childermass (Enzo Cilenti) dazu überreden, nach London zu reisen, um England im Krieg gegen Napoleon mit seiner Magie zu unterstützen. In London angekommen wird Norrell durch den einflussreichen Politiker Sir Walter Pole (Samuel West) bekannt – denn in einem unglaublichen Akt der Magie gelingt es Norrell, Sir Walters verstorbene Frau, Lady Emma Pole (Alice Englert), zum Leben zu erwecken. Was Norrell allerdings verschweigt, ist die Tatsache, dass ihm ein mysteriöser Gentleman (Marc Warren) dabei half und dafür Lady Pole in ihren Träumen in seiner Festung Lost Hope als ewig tanzende Gefangene behält. Und als wäre das alles noch nicht genug für Mr Norrell taucht auch noch der junge und ambitionierte Jonathan Strange (Bertie Carvel) auf – ein junger Magier, der auf Bitte seiner jungen Frau Arabella (Charlotte Riley) einen Beruf sucht und als Mr Norrells Assistent anfängt – nicht ahnend, dass er so den mysteriösen Gentleman auf seine eigene Frau aufmerksam macht.

Interview mit einer Elfe…

Uff… viel Text, den man sicherlich hätte kürzer fassen können, aber ich wüsste nicht, wie. Also verzeiht mir das bitte. Nur habe ich immer Angst, wenn ich von der Serie rede, einfach zu sagen, es geht um zwei Magier und ein paar Elfen und einen mysteriösen Rabenkönig, der möglicherweise nach England zurückkehrt… klingt auch merkwürdig, und das ist das Ganze auch. Aber es ist ein wunderbares Merkwürdig, was „Jonathan Strange & Mr Norrell“ ausmacht.

In der siebenteiligen Mini-Serie kommt wirklich alles in Perfektion zusammen – Story, Darsteller, Ausstattung, Musik und Stimmung.

Die Story entfaltet sich auf eine Art und Weise, wie man sich nach dem Schauen der ersten Folge nicht für möglich halten würde. Gekonnt webt die Serie verschiedene Story-Stränge ineinander. Aus der Lehrer-Schüler-Geschichte entwickelt sich eine spannende Rivalität, als Jonathan Strange sich als begabter und weitaus fähigerer Magier erweist. Der wird dann sogar noch in den Krieg gegen Napoleon geschickt, was uns einige sehr aufregende Kriegssequenzen einbringt. Doch immer folgt die Serie ihrem roten Faden – dem mysteriösen Gentleman und dem Rabenkönig, eine Präsenz, die immer wieder erwähnt wird, die sich auch irgendwie spüren lässt, von der man aber nie weiß, was passieren wird, sollte er jemals auftauchen.

„Strange & Norrell“ wird im Laufe seiner sieben Folge zu einer echten Sucht. Denn mit jeder Folge steigern sich die Macher, offenbaren hier etwas, bauen dort ein neues Geheimnis auf und erschaffen eine unglaubliche Spannung – die einzelnen Folgen sind großartig geschrieben, Nebenstränge sind hier genau so wichtig wie die Hauptstränge. Und die Geschichte von Susanna Clarke erinnert mit der Vermischung aus Fantasy und realer Geschichte wirklich schon fast so, als müsste es eigentlich aus der Feder von Neil Gaiman stammen.

„Strange & Norrell“ begeistert aber nicht nur durch die Story, sondern auch durch wirklich tolle Darsteller. Bertie Carvel ist eine Wucht, während Eddie Marsan einen stillen, eher zurückhaltenden Mr Norrell spielt. Großartig ist aber auch Marc Warren als mysteriöser Gentleman… ach, was soll’s? Man kann sie alle aufzählen, es gibt keinen Darsteller, der nicht wirklich in seiner Rolle aufgeht. Sie sind alle so wunderbar vielfältig und vielschichtig wie ihre Charaktere auch und tragen so dazu bei, dass diese Serie ein echtes Erlebnis ist.

Das wird sie auch, weil sie auch ein Augen- und Ohren-Schmaus ist. Die Ausstattung und die Effekte lassen nicht zu wünschen übrig und lassen die Welt des alten Londons wieder aufleben. Richtig beeindruckend wird’s aber vor allem dann, wenn Magie eingesetzt wird oder man in die Welt hinter den Spiegeln tritt… ich will nichts verraten, aber das ist eine tolle Umsetzung einer magischen Welt. Dazu kommt ein Score, der sowohl die Melancholie als auch die Epik der Magie wunderbar umsetzt…

Alles in allem kann ich einfach nicht aus dem Schwärmen heraus kommen. „Jonathan Strange & Mr Norrell“ ist eine tolle Fantasy-Serie, die sich vor größeren Serien nicht verstecken muss. Und, sie lässt mich das mit dem Buch noch einmal stark überdenken… vielleicht lese ich es jetzt doch noch einmal.

Wertung: 10 von 10 Punkten (tolle Serie, tolle Darsteller, spannende Story umwerfend gut und schön verschachtelt umgesetzt – mehr kann man nicht erwarten)

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8 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2015 09:54

    Oh, hätte ich jetzt nicht gedacht, hört sich ja auch wieder super gut an.
    Also noch eine Serie in der Warteschleife :))

    • donpozuelo permalink*
      12. Oktober 2015 11:04

      😀 Ja, ist wirklich super. Und kann in der Warteschleife durchaus nach vorne rutschen. Die sieben Folgen sind eigentlich recht schnell geguckt.

  2. 12. Oktober 2015 10:43

    Ich war als riesiger Fan des Buchs erst voller Vorfreude, und als die Serie dann da war, konnte ich mich plötzlich nicht überwinden, reinzuschauen – wegen der schlechten Trailer, auch wegen der sehr mäßigen Reviews. Alles Drumherum war darauf angelegt, mir ein enorm schlechtes Gefühl zu vermitteln, was die Qualität der Serie anging. Ich brauche, denke ich, meine Zeit, um mich davon gedanklich vernünftig zu distanzieren, bis ich sie dann tatsächlich irgendwann anfange.

    • donpozuelo permalink*
      12. Oktober 2015 11:05

      Gut, als Fan des Buches wäre ich wahrscheinlich auch mehr als nur skeptisch. Als jemand, der das Buch jetzt überhaupt nicht gelesen hat, bin ich jetzt aber schwer begeistert. Und ja, ich gebe zu, die Trailer helfen nicht wirklich. Denn die Serie sieht schon sehr viel besser aus als das.

  3. 13. Oktober 2015 22:35

    Wow – du bist ja schwer begeistert. 🙂 Du hast ja schon gelesen, dass ich etwas Startschwierigkeiten mit der Serie hatte. Ich finde, dass die Geschichte anfangs schwer in Gang kommt, aber ansonsten kann ich dir nur recht geben: die Handlung und die Darsteller sind große Klasse. Und die Darstellung der Magie habe ich in so einer Form auch noch nie gesehen. V.A. weil es sich so schnell so stark steigert.

    • donpozuelo permalink*
      14. Oktober 2015 08:57

      Ja, das mit den Startschwierigkeiten kann ich sogar gut verstehen. Die hatte ich ehrlich gesagt auch, aber trotzdem hat es mich danach noch nachhaltig begeistert 😀

      Das mit der Magie stimmt auch. Fand ich irgendwie aber auch cool, dass da nicht irgendwelche Effekte reingebaut wurden, wenn sie zaubern.

  4. 14. Oktober 2015 09:27

    Waaaas, da gibts ne Serie? Muss ich auf der Stelle besorgen, die. Ich liebe dieses Buch. LIEBE das Buch. Hab ich schon gesagt, dass ich das Buch liebe? Muss weg.

    *eifrig murmelnd ab*

    • donpozuelo permalink*
      14. Oktober 2015 12:11

      Oh… ich hoffe, deine Liebe zum Buch wird belohnt. Ist ja immer ein bisschen schwierig, wie man dann mit der Umsetzung konform geht oder nicht.

      Das Buch ist auf jeden Fall schon auf meinem kindle und erwartet genauso viel Liebe von mir wie die Serie… die wirklich toll ist!!! Viel Spaß beim Binge-Watching!!! 😀

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