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Höllischer Sonnenbrand

9. Oktober 2015

Könnte es sein, dass Michael Douglas einer dieser Hollywood-Opis ist, der einfach nicht auf den Action-Zug wie Neeson, Penn, Stallone und Co. aufspringen will? Könnte es sein, dass so ein Michael Douglas vielleicht das Paradebeispiel dafür wird, dass man auch als bekannte Hollywood-Größe, die ihren Zenit schon lange überschritten hat, mit Würde weiterleben kann? Es könnte wirklich sein, wenn man bedenkt, dass ein Michael Douglas selbst in einem Marvel-Film nicht der Action verfällt… und seit langem mal wieder eine Hollywood-Senioren-Preformance abgibt, die gut rüberkommt. Ich meine, sein Hank Pym in „Ant-Man“ war schon verdammt gut… Aber, wie heißt es so schön: „Sag niemals nie!“.

Aber vorerst scheint Michael Douglas sich auf die kleineren Sachen (obwohl Marvel jetzt nicht gerade klein ist) zu konzentrieren. In „The Reach“ spielt er zwar einen Typen mit Wumme, aber von Action ist das noch weit entfernt. Stattdessen geht Douglas als millionenschwerer Jäger John Madec auf die Jagd in der Mojave-Wüste. Um sich dort zurecht zufinden, engagiert er den jungen Fährtenleser Ben (Jeremy Irvine)… im dicken, umgebauten Benz (mit deutschem Kennzeichen!!!) machen sich die beiden auf die Jagd, und Madec erschießt tatsächlich auch etwas – blöd nur, dass es ein friedlicher Einsiedler ist. Um seinen Vergehen zu vertuschen, besticht er Ben, der anfangs zusagt, später dann doch Reue zeigt – leider ist es dann zu spät. Madec dreht durch, befiehlt Ben sich bis auf die Unterhose auszuziehen und jagt ihn anschließend quer durch die Wüste.

Handschuhe in der Wüste??? Wirklich???

Ich gebe zu, als ich den Titel „The Reach“ zuerst dachte ich schon, man hätte jetzt irgendwas von „Game of Thrones“ verfilmt, ohne das es jemand mitbekommen hat. Aber dann starrt da ein grimmig dreinblickender Michael Douglas durch das Zielfernrohr seiner Waffe – und es wird klar, es wird weder um Eis noch um Feuer noch um Drachen gehen.

Stattdessen ist „The Reach“ ein Katz-und-Maus-Spiel mit ziemlich schwacher Story voller Logiklöcher und einem ziemlich starken Michael Douglas.

Kommen wir zur Story… brrrr… schon ein bisschen gruselig, wie hier einfach fröhlich drauf losgedoktort wurde. Das Ganze basiert auf einem Roman aus den 70er Jahren, der hoffentlich sehr viel besser ist. Denn in „The Reach“ scheint alles gerade genau so zu funktionieren, wie die Story es braucht. Und am Ende macht das Finale alles überflüssig, was vorher geschehen ist. Denn letztendlich, so scheint es, kann Madec mit Geld alles lösen – er wird unantastbar wie einst Christian Bale in „American Psycho“. Wozu also jagt er Ben erst stundenlang durch die Wüste? Und wieso überhaupt überlebt Ben diese ganze Tortur: nackt bis auf die Unterhosen bei 50 Grad durch die Wüste zu laufen, ohne Wasser, scheint Ben bis auf einen höllischen Sonnebrand nicht sonderlich viel auszumachen. Dazu kommt ihm zugute, dass der freundliche (und jetzt tote) Einsiedler scheinbar überall praktische kleine Verstecke hat, was die Flucht durch die Wüste und vor Madec natürlich viel einfacher macht.

Zwar entwickelt Regisseur Jean-Baptiste Leonetti im Mittelteil eine wirklich spannende Hatz, versaut sich dann aber alles zum Schluss. Statt das Finale mit einem gewissen Augenzwinkern zu beenden (und so auch der Figur des Madec viel eher gerecht zu werden) zwingt uns Leonetti eine Ende auf, das albern wirkt… und die vorangegangene Jagd ziemlich blöde erscheinen lässt.

Aber immerhin haben wir ja in „The Reach“ auch noch Michael Douglas. Von Jeremy Irvine brauchen wir nicht wirklich zu reden – der macht seine Sache als Brathähnchen zwar gut, stinkt aber gegen Douglas ab. Der hat sichtlich Spaß daran, hier das Arschloch zu spielen, dass als feiner Pinkel ein bisschen Abenteuer spielen will und am Ende vollkommen durchdreht. Dank Douglas vergisst man zwischenzeitig gern, dass die Story von „The Reach“ nicht der Wahnsinn ist.

Mit ein bisschen mehr Liebe für die Geschichte hätte aus „The Reach“ einer dieser kleinen, aber feinen Filme werden können, die einen wirklich überraschen. So bleibt immerhin noch die gute Performance von Douglas, die bemerkenswerte rote Haut von Irvine (die nie weh zu tun scheint) und die tollen Landschaftsaufnahmen der Mojave-Wüste… und der Wunsch nach sehr viel Sonnencreme.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Douglas in Höchstform kämpft gegen ein teilweise schwaches Drehbuch, das aber im Mittelteil des Films ordentlich punkten kann)

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2 Kommentare leave one →
  1. 9. Oktober 2015 15:37

    Hmm. Eigentlich schon relevant, weil ich Douglas zu gerne als Arsch sehen möchte. Wird mal geschaut, wenn gerade nichts anderes vorhanden ist…

    • donpozuelo permalink*
      11. Oktober 2015 22:58

      Klar, Douglas als Arsch ist auch schon irgendwie cool… aber leider trägt das nicht den ganzen Film.

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