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Date mit einem Monster

5. Oktober 2015

Kann man der Geschichte Boy-meets-Girl im Film eigentlich noch irgendwas Besonderes beimischen, damit sie sich nicht so anfühlt, als hätte man sie schon tausendmal gesehen? Schwierige Angelegenheit… aber es gibt ja zum Glück gefühlt tausend Möglichkeiten, das Ganze ein bisschen aufzupeppen. Vampire, Werwölfe und andere Monster haben sich ja in der Vergangenheit schon als recht nützlich erwiesen, aber sind halt mittlerweile auch schon ein alter Hut. Also, was machen???? Autor und Regisseur Justin Benson versucht, gemeinsam mit Ko-Regisseur Aaron Moorhead, mal einen irgendwie interessanten Weg in seinem Film „Spring“.

Nachdem seine Mutter gestorben ist und er nach einer Bar-Schlägerei von der Polizei gesucht wird, sucht Evan (Lou Taylor Pucci) das Weite. Rucksack gepackt und ab nach Europa, nach Italien, um genau zu sein. In einem kleinen Dorf findet er nicht nur eine Anstellung auf der Farm des Olivenbauern Angelo (Francesco Carnelutti), sondern trifft auch die sympathische Studentin Louise (Nadia Hilker), in die sich Evan natürlich prompt verliebt… und erstaunlicherweise scheint auch Louise sofort angetan. Die beiden landen im Bett… alles scheint schön zu sein, doch häufen sich bald merkwürdige Ereignisse und bald muss Evan erkennen, dass Louise ein Geheimnis hat.

Dieses Bild ist wie der Trailer: irreführend und nicht unbedingt repräsentativ für das, was Euch in diesem Film erwartet.

Was „Spring“ und seine Macher großartig hinbekommen, ist uns einen Film zu servieren, den man nicht erwartet hätte. Schaut man sich vorher den Trailer an, vermutet man, dass man hier einen trashigen Horror-Streifen bekommt, bei dem Louise zwischendurch zu einem Monster mutiert und Menschen tötet. Mit dieser Einstellung „Spring“ zu schauen, ist clever von den Machern eingefädelt… denn statt uns billigen Horror-Trash zu liefern, drehen sie uns lieber eine lange Nase und präsentieren uns tatsächlich eine Liebes-Romanze… nur halt mit Twist…

Denn in „Spring“ geht es nicht um garstige Effekte und blutige Morde, sondern um die zarte aufkeimende Liebe Evans zu der bezaubernden Louise. Und hier haben Benson und Moorhead echt Glück, dass sie sich auf ihre beiden Darsteller voll verlassen können. Lou Taylor Pucci spielt den Normalo-Typ mit Überzeugung und ähnlich wie er tappen wir auch immer im Dunkeln, was „Spring“ uns noch zu bieten hat. Und ganz ehrlich, beim ersten Anblick von Nadia Hilker kann man auch verstehen, warum der gute Evan so verschossen in sie ist. Sie ist nicht nur hübsch, sondern auch smart, schlagfertig und halt geheimnisvoll. Von Anfang an versprüht sie einen Charme, dem man(n) nicht widerstehen könnte.

Und so lernen wir im Verlauf der Geschichte diese beiden kennen, die sich wiederum kennenlernen, viel miteinander reden und ihre Zeit zusammen genießen. Mit Horror hat „Spring“ da nicht wirklich viel zu tun… was bei den Erwartungen durch den Trailer vielleicht zu Verärgerung führen könnte. Aber Benson und Moorhead beweisen jedes Mal ihr Gespür für richtiges Timing… und immer, wenn man kurz davor ist, sich vielleicht etwas zu langweilen, passiert wieder etwas. Für einen Bruchteil blicken wir hinter Louises schöne Fassade… und können doch nicht so ganz einordnen, was wir dort sehen. Zum einen, weil es einen immer so hart aus dem Kontext der zarten Liebesgeschichte reißt, zum anderen, weil Benson und Moorhead hier auch mit ein paar beeindruckenden Effekten arbeiten, bei denen man schon mal vor lauter Aufregung kurz hinter dem Kissen verschwindet.

Ich will jetzt nicht verraten, was es mit Louise wirklich auf sich hat, aber zugegebenermaßen ist die Aufklärung so herrlich absurd, so komplett gaga, dass man sie dennoch gerne in Kauf nimmt… denn „Spring“ hat uns diese beiden Charaktere so nah gebracht, dass wir nicht anders können, als auch noch diesen Humbug zu glauben, den Benson und Co. uns auftischen. Hier wird’s vielleicht wirklich etwas zu abgedreht, aber zum Glück geht „Spring“ deswegen nicht plötzlich andere Wege, sondern bleibt seiner Linie treu…

Und das hilft letztendlich dem Film, der bei einem zu krassen Wechsel der Story sofort ins Lächerliche und Plakative gerutscht wäre. So ist „Spring“ wahrscheinlich die schrägste, absurdeste und romantischste Horror-Liebesgeschichte, die mir seit… seit… ich weiß nicht, was, untergekommen ist.

Der Film verlangt eine gewisse Offenheit, aber belohnt auch einfach durch tolle Charaktere und eine spannende Story. „Spring“ ist halt mal was anderes…

Wertung: 8 von 10 Punkten (süße Monster-Romanze… die vor allem überrascht, weil sie eben nicht so krass auf die Horror-Schiene setzt)

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3 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    5. Oktober 2015 12:45

    Mein Gott! Der Film ist wunderschön! Danke für den Tip. Ich war echt gerührt am Ende.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2015 14:52

      😀 Freut mich! Immer gern. Ja, das Ende war wirklich sehr rührend… und auch clever umgesetzt.

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  1. Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (12-10-15)

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