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Kampf den Drogen!

2. Oktober 2015

Denis Villeneuve ist für mich mittlerweile schon so zur Marke geworden, dass ich mir auch einen Film von ihm angucken würde, der mich eigentlich nicht wirklich interessiert. Aber nach dem tollen „Prisoners“ und meinem persönlichen Lieblingsmindfuck „Enemy“ gehört der Franko-Kanadier zur Riege meiner Lieblingsregisseure (trotzdem habe ich es noch nicht fertig gebracht, mir seine früheren Werke anzuschauen – Schande über mein Haupt). Villeneuve versteht es einfach, gekonnt Stimmung aufzubauen, seine Darsteller gut zu führen, um das Bestmögliche aus ihnen heraus zu holen. Ich meine, Jake Gyllenhaal war nie aufregender als in seinen beiden (eigentlich ja drei) Rollen für Villeneuve. Tja, und deswegen habe ich mir dann auch Villeneuves Drogen-Thriller „Sicario“ angeschaut, obwohl mich die Story vom Trailer her nicht so unbedingt vom Hocker gerissen hat…

In „Sicario“ gehen wir mit Emily Blunt als FBI-Agentin Kate Macer auf Jagd nach Drogenbossen in Mexiko. Sie wird nämlich von dem undurchsichtigen Geheimdienstler Matt Graver (Josh Brolin) angeheuert, Mitglied seiner Spezialeinheit zu werden. Die soll das Sonora-Kartell in Mexiko zerschlagen… und dem Drogenhandel somit einen gewaltigen Schlag in die Magenkuhle verpassen. Mit in Gravers Team ist auch der harte Söldner Alejandro (Benicio del Toro), der irgendwie außerhalb aller Regel zu agieren scheint.

Das Training der Full Metal Bitch…

Der Kampf gegen Drogen… an der Grenze zwischen den USA und Mexiko… ein heikles Thema, weil es ja tatsächlich ein echtes Problem ist. Die Horror-Geschichten über die Morde der Drogenbosse sind immer krass, abstoßend und beängstigend. Scheinbar also ein gefundenes Fressen für Thriller-Experte Villeneuve. Allerdings dieses Mal leider wirklich nur scheinbar…

„Sicario“ ist schon ein krasser Thriller, das will ich ihm gar nicht streitig machen. Villeneuve inszeniert gradlinig und präzise, jagt uns von einem Event zum nächsten und konfrontiert uns mit der gesamten Gewalt dieses scheinbar ausweglosen Kampfes. Dank Kamera-Mann Roger Deakins und dem grandiosen, treibenden Soundtrack von Johann Johannsson entwickelt „Sicario“ eine so unheimliche Stimmung, so eine triste, grausame Atmosphäre, das man sich am liebsten verstecken und Glücksbärchis gucken möchte.

Gut gelungen ist Villeneuve auch das Aufzeigen der Aussichtslosigkeit, mit der die Agenten in ihrem Kampf konfrontiert sind. Gerade zum Schluss findet Villeneuve dafür ein sehr simples und dennoch so kraftvolles Bild, dass es fast schon wieder erschreckend ist – in Anbetracht der Dinge, die man im Verlauf von „Sicario“ mit ansehen musste.

Dabei stehen für mich besonders Josh Brolin und Benicio Del Toro ganz klar im Vordergrund. Wenn man Brolin das erste Mal in Flip-Flops und Hawaihemd sieht, möchte man über ihn lachen. Sobald man ihn und seine Methoden in Aktion sieht, vergeht einem dieses Lachen. Getoppt wird Brolin nur von Del Toro, den die ganze Zeit bis zum wirklich bitteren Ende so undurchsichtig bleibt, dass man nicht weiß, auf welcher Seite er jetzt wirklich steht. Mit diesen beiden Charakteren versucht Villeneuve uns deutlich zu machen, dass man nur Bestien gegen Bestien losschicken kann… und damit wir nicht komplett verzweifeln, setzt man uns Emily Blunt vor. Quasi unser gutes Gewissen für diesen Film, die Frau, die – wie wir – ungläubig mit ansehen muss, wie Graver vorgeht.

Und Emily Blunt ist wirklich gut, nur leider geht sie mir persönlich ein bisschen unter Brolin und Del Toro unter. Statt mit ihr wirklich einen starken, wenn auch wesentlich verletzlicheren Gegenpol zu den Beiden aufzubauen, steht sie immer ein bisschen am Rand – sie ist halt wirklich nur die ungläubige Beobachterin. Was gut ist, aber was man sicherlich auch hätte ausbauen können, um dem Film mehr „Würze“ zu verleihen. Die „Full Metal Bitch“ erinnerte mich hier ein bisschen zu sehr an das, was mich schon an Jessica Chastain in „Zero Dark Thirty“ störte: Sie wirkt so abseits vom Geschehen – was sicherlich  auch beabsichtigt ist (zu einem gewissen Teil), aber irgendwie hätte ich sie mir doch ein bisschen aggressiver gewünscht. Aggressiver darin, ihre eigenen Überzeugungen durchzusetzen und vielleicht ein bisschen intensiver gegen das Vorgehen von Brolin und Del Toro zu steuern.

Gleiches gilt auch für die Geschichte des mexikanischen Polizisten, der uns als Blick auf die andere Seite der Grenze präsentiert wird. Hier hätte Villeneuve die Chance gehabt, auch eine bewegende, menschliche Geschichte aus der Sicht eines Quasi-Opfers zu erzählen. Leider verspielt „Sicario“ diese Chance und letztendlich hätte man dann auch darauf verzichten können.

„Sicario“ ist schon ein spannend und grausam realistisch inszenierter Drogen-Thriller mit tollen Bildern und starken Charakteren (Blunts Agentin jetzt mal nicht mitgerechnet), der aber doch mehr hätte sein können – gerade mit Blunt und dem mexikanischen Polizisten hätte Villeneuve mehr machen können.

Aber gut, letztendlich könnte ich das jetzt auch auf das Drehbuch von Taylor Sheridan schieben, der sich darüber scheinbar nicht so viele Gedanken gemacht hat… und meine Sicht auf Villeneuve wäre gerettet. Denn Spannung und Thrill kann er… das zeigt er auch in „Sicario“.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Villeneuve bleibt Experte für starke Thriller… )

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7 Kommentare leave one →
  1. 2. Oktober 2015 19:03

    Bis auf die Punkte deckt sich ja sehr vieles bei uns. Blunts Spiel finde ich allerdings sehr passend gewählt, auch wenn es sich Villeneuve so leichter macht. Vielleicht interpretiere ich auch einfach zu viel in ihre Rolle hinein, aber gerade diese Ohnmacht in der sie sich und in der sich der ganze moralisch korrekte Teil des Polizeiapparats befindet, kommt dadurch sehr gut rüber. Hätte man ihr zu viel Aggressivität verliehen, hätte das Ende so nicht funktioniert, da meine Erwartungen an sie wohl eher in Richtung pathetischem Aufopferungsvermögen verrutscht wären.

    • donpozuelo permalink*
      4. Oktober 2015 23:01

      Gut, das mag wohl stimmen, vielleicht ist Aggressivität auch das falsche Wort. Ich hätte sie mir einfach ein bisschen aktiver gewünscht, um so dann vielleicht auch deutlich zu machen, dass – egal, wie sehr man dagegen ankämpft – man nichts dagegen tun kann, wie hier gehandelt wird.

      • 6. Oktober 2015 13:47

        Verstehe ich vollkommen. Allerdings sprach der Anfang ja schon für sich
        Ich fand es eben ziemlich interessant zu sehen, mit was für gemeinen Tricks diese Taaskforce selbst mit den eigenen Leuten umspringt. Ist ja auch schon hart an der Grenze. Vielleicht gefiel mir deswegen die Passivität so gut.

        • donpozuelo permalink*
          6. Oktober 2015 23:09

          Ja, gut. Das kann ich verstehen. Das war wirklich ziemlich hart… aber gerade da hätte man irgendwie mit Blunts Rolle mehr ansetzen können… wie du siehst, bevorzuge ich die Aktivität da mehr. Aber gut, man hätte es so und so machen können. Villeneuve entschied sich dafür und fährt damit ja auch gut. Es bleibt ja trotz meines Nörgelns ein ziemlich cooler Film 😀

        • 7. Oktober 2015 16:56

          Hey, ich will doch nicht rumstacheln oder so. War nur neugierig, wie du das anders gelöst hättest. 😉 ^^

        • donpozuelo permalink*
          8. Oktober 2015 18:25

          Ist mir schon klar… 😀 Wie gesagt, ich glaube, als nagende, nervöse Stimme im Hintergrund hätte ich sie ein bisschen cooler gefunden.

        • 8. Oktober 2015 18:55

          ^^ Ein spannendes Gedankenexperiment ist es jedenfalls.

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