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Seelenwanderung

7. September 2015

Oder: Der Traum von der Unsterblichkeit (meiner Hoffnung darin, dass Tarsem Singh noch einmal in seinem Leben einen ähnlich umwerfenden Film wie „The Fall“ macht. )

Man sollte ja seine Erwartungen an Regie-Wunderkinder nicht so hoch stapeln. Schließlich ist es gar nicht so einfach, einem Meisterwerk ein weiteres folgen zu lassen. Der Druck bei so einem Wunderkind muss ja selbst enorm hoch sein, weiß man doch um die Erwartungen, die Zuschauer und Co. so haben. Aber dann wiederum frage ich mich, ob ich Regisseur Tarsem Singh nicht zu sehr auf ein Podest stelle, dass er vielleicht gar nicht verdient hat. Immer wieder, wenn ich seinen Namen ausspreche, kennt ihn eigentlich kein Mensch. Wie auch, waren seine schlechten Filme halt irgendwie schlecht und deswegen Flops; und selbst seine guten und wirklich guten Filme hat kaum ein Mensch gesehen. Und lässt man mal seine Laufbahn Revue passieren, kommt man irgendwie auch auf mehr schlechte Filme als gute.

Kurzer Rückblick: Es fing an mit „The Cell“, der optisch sehr gelungen war – das war was Neues… wäre da nicht die schwache Serien-Killer-Story mit einer noch schwächeren J.Lo gewesen. Dann kam „The Fall“ – einer meiner Lieblingsfilme – visuell ein absoluter Traum, der mit einer schönen Fantasy-Märchen-Geschichte aufwartete. Danach kam etwas, dass in den ersten Bildern vorab äußerst, äußerst viel versprechend aussah – doch leider konnte „Krieg der Götter“ nicht halten, was die Trailer versprachen. Es sah zwar cool aus, aber der Rest war einfach nur mies. Nach den Göttern kamen wieder Märchen, doch mit seiner Schneewittchen-Version „Mirror Mirror“ konnte Tarsem nicht gegen „Snow White and the Huntsman“ angehen, auch wenn sein Film der bessere von beiden gewesen ist.

Jetzt ist nun endlich Tarsems (wie der Gute sich auch hin und wieder nennt) neuester Film in den Kinos: „Self/Less“. Darin will der alternde Multi-Millionär und Stinkstiefel Damian (Ben Kingsley) nicht sterben und deswegen wendet er sich an Professor Albright (Matthew Goode). Der kann Damians Geist und Erinnerungen in einen neuen, jüngeren Körper verfrachten – für den stolzen Preis von 200 Millionen Dollar. Aber so ein reicher Stinkstiefel macht sowas… und wacht nach der Prozedur als Edward Hale (Ryan Reynolds) wieder auf. Anfangs scheint auch alles toll zu sein… doch dann fangen die Visionen an. Visionen, von einem Leben, dass nicht Damians ist.

Erklär mir „Stoker“… sofort!!!

Gleichmal vorweg: Bildgewaltig ist „Self/Less“ schon mal nicht. Der „The Fall“-Fan in mir ahnte das schon bei den Trailern, aber man kann ja immer hoffen. Aber diese Hoffnung ist vergebens: Für einen Tarsem-Singh-Film ist „Self/Less“ – rein optisch gesehen – der „simpelste“ Film, den er je gemacht hat. Es gibt keine verrückten Zwischenwelten, Märchen-Welten oder sonst irgendwas… selbst die Seelenwanderung von Ben Kingsley zu Ryan Reynolds verläuft verhältnismäßig unspektakulär.

Und damit sind wir dann auch schon beim Stichwort für diesen Film: unspektakulär! Man muss es leider einfach genau so sagen. Die Idee an sich – das Übertragen des Geistes, der Erinnerungen auf einen neuen Körper, um so quasi unsterblich zu sein – ist toll. Leider kümmert sich Tarsem nie so wirklich darum. Statt das ein bisschen intensiver und spannender (und vielleicht auch ein bisschen philosophischer) auszuloten, dient ihm das Ganze nur als Vorwand für einen…. für einen… für einen… ich weiß auch nicht, was es ist. „Self/Less“ ist eine recht vorhersehbare Geschichte, bei der man schon nach 15 Minuten weiß, in welche Richtung das gehen wird. Das ist dann ein bisschen Katz-und-Maus-Spiel mit ein paar netten, aber auch nicht aufregenden Action-Sequenzen und das war’s.

Am meisten daran hat mich irgendwie die Tatsache gestört, dass wir Ben Kingsleys Charakter halt als klassischen Scrooge erleben – geizig und egoistisch. Würden sich diese Eigenschaften nicht auf seinen neuen Wirtskörper übertragen? Würde er nicht einfach egoistisch weiterhin seine Medikamente nehmen, um den Visionen Herr zu werden? Um so sein Leben in vollen Zügen zu genießen? Eigentlich schon, weswegen mir nie so ganz klar war, warum Ryan Reynolds handelt, wie er handelt. Und das ist halt nicht das einzige Logikloch, dass „Self/Less“ zu bieten hat (es gibt noch mein Lieblingsfehler, bei dem eine kugelsichere Scheibe und ein Flammenwerfer involviert sind, aber gut…)

Darstellerisch ist „Self/Less“ auch eher nur nett… da ich Ryan Reynolds ja mag, war das okay. Ben Kingsley hat ja nur einen recht kurzen Auftritt und die Dame an Reynolds’ Seite – Natalie Martinez – heult oder schreit eigentlich die ganze Zeit nur. Einzig und allein Matthew „Stoker“ Goode hat mir gefallen…

Somit ist „Self/Less“ auch nur ein weiterer Stolperstein für meine Hoffnung, dass Tarsem irgendwann noch einmal einen wirklich großartigen Film macht. Aber ich gebe nicht auf…

Wertung: 5 von 10 Punkten (coole Grundidee, die leider viel zu schnell verkommt)

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4 Kommentare leave one →
  1. 7. September 2015 11:13

    Ich habe dem Film schon von den Trailern her nichts abgewinnen können. Und generell machte die Prämisse für mich null Sinn. Ich meine, wer will Ryan Reynolds sein, wenn er Ben Kingsley sein kann? Gut, dass du mich in dieser Sache bestätigst.

    • donpozuelo permalink*
      13. September 2015 20:45

      Immer gerne, aber ganz ehrlich… lieber wäre ich Reynolds als Kingsley 😀

  2. 8. September 2015 14:55

    Irgendwie sehr schade um Tarsem Singhs Filmografie, die da gerade irgendwie den Bach runtergeht. So wie Johnny Depps Ruf … oder oder oder. Ich mochte alles was er gemacht hat sehr bis Mirror Mirror kam, ab dann gings für mich nicht mehr wirklich. Und bei dem Trailer eines so konform rüberkommenden Actionfilms(?) oder Thrillers(?), hätte ich niemals geahnt, dass der von Tarsem Singh ist … ernsthaft, ich habe das heute nur durch deinen Artikel erfahren. Nach der Sichtung des Trailers dachte ich sofort: sieht nach heißer Luft aus, mehr nich und habe weggeschalten. Nicht mal nachgeschaut, wer das gemacht hat. Jetzt fühle ich mich 1. bestätigt in meiner 1. Annahme und bin ein bisschen geschockt … was ist los mit dem Menschen?

    • donpozuelo permalink*
      13. September 2015 20:45

      „Mirror Mirror“ mochte ich – unerwarteter Weise 😀 Aber ja, ich geb dir Recht, schade um Tarsem. „Self/Less“ ist wirklich so 08-15-Gedöhns, das hätte von jedem Anfänger kommen können… aber nicht von jemandem, der anfangs so tolle Filme gemacht hat.

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