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Des Teufels große Liebe

28. August 2015

Man sagt ja immer, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das trifft mal mehr und mal weniger zu. Wenn dein Stamm aber Stephen King ist, und du als Apfel sein Sohnemann Joe bist, dann wundert es am Ende wirklich niemanden, wenn du das Gleiche machst wie Papa bzw. dein Stamm. Und der gute Joe King macht ja fast das Gleiche wie sein Papa… er schreibt Horror-Geschichten. Allerdings nicht unter dem Namen King, sondern als Joe Hill. Als solchen habe ich ihn das erste Mal durch die Comic-Reihe „Locke and Key“ kennengelernt… ohne zu wissen, dass er der Sprössling von Stephen King ist. Aber die Reihe hat mir sehr gut gefallen (kann ich Comic-Fans nur ans Herz legen), dass ich mich schlau machte, was der gute Joe noch so gemacht hat. Und tatsächlich war er neben dem Comic-Autoren auch noch Roman-Autor.

Sein erster Roman „Heart-Shaped Box“ war mir etwas zu einfältig, langatmig und vorhersehbar… aber sein zweiter Roman, der war super-spannend und hat mich am Ende sogar ein bisschen zum Weinen gebracht (ich weiß, ich weiß… man mag es kaum glauben). Und deswegen (gut, vielleicht nicht wegen meinem Weinen, aber wahrscheinlich weil der Roman so viel besser war als der erste und überhaupt eine recht interessante Story bot) wurde Joe Hills „Horns“ nun verfilmt. Von Horror-Regisseur Alexandre Aja, der durch „High Tension“ zum Horror-Fachmann ernannt wurde. Aber passt ein Horror-Mann wie Aja zu einem Film wie „Horns“? Auf den ersten Blick, ja! Auf den zweiten Blick (und dem Blick auf das Buch), nicht unbedingt!

„Horns“ erzählt die Geschichte von Iggy (Daniel Radcliffe). Angeblich soll Iggy die Liebe seines Lebens Merrin (Juno Temple) vergewaltigt und ermordet haben. Und so sehr Iggy auch seine Unschuld beteuert, beharren alle in seinem kleinen Heimatstädtchen darauf, dass Iggy ein Mörder ist. Ein Jahr nach dem Mord an Merrin wacht Iggy eines Tages auf und stellt fest, dass ihm Hörner gewachsen sind… und als wäre das nicht genug, gestehen ihm die Leute auf einmal auch noch ihre dunkelsten Geheimnisse. Was für den Mini-Teufel in spe erst verwirrend ist, bringt ihn letztendlich dazu, die Wahrheit über Merrins Tod herauszufinden.

Tierliebes Teufelchen mit Gefühlen sucht Engelchen zum Kuscheln…

„Horns“, das Buch, ist eine teilweise sehr anrührende Liebesgeschichte, die in Rückblenden von einer wunderschönen Jugendliebe erzählt. Dann wieder ist „Horns“, das Buch, eine spannende Detektiv-Geschichte mit übernatürlichen Elementen, die teilweise für recht absurd-komische Momente sorgen… und einem nie so ganz die Frage beantworten will, woher und wieso Iggy plötzlich Hörner hat (etwas, was sich zum Ende hin dann schon erschließt, nur so nebenbei).

Der Teil mit der anrührenden Liebesgeschichte musste für den Film leider deutlich gekürzt werden, ist zu meinem Wohlbefinden aber dennoch recht gut gelungen. Das könnte aber mit Sicherheit auch an der zauberhaften Juno Temple und dem nicht minder guten Daniel Radcliffe liegen, die hier als verliebtes Pärchen gut funktionieren.

„Horns“ konzentriert sich vielmehr auf die Detektiv-Geschichte, was aber für den Film mehr als ausreichend ist, bietet sich doch genügend Möglichkeiten, uns a) Iggys „Hörner“ in Aktion zu erleben (mit den teils recht witzigen und auch überraschenden Geständnissen derer, denen Iggy über den Weg läuft) und b) eine spannende Story abliefert, die den Zuschauer am Ball hält.

Dazu muss ich als Leser des Buches auch einfach mal loben, dass man sich bei „Horns“ relativ dicht am Buch bewegt… und nur wenige Veränderungen gemacht hat. Ich habe ja Daniel Radcliffe schon kurz erwähnt, aber er trägt den Film wirklich gut. Ich kenne ja nun keinen einzigen Harry-Potter-Film, aber Radcliffe überzeugt als gequälter Teufel, der erst ebenso erstaunt über seine neuen Fähigkeiten ist wie der Zuschauer, und später all das voll ausnutzt, um an sein Ziel zukommen.

Aber kommen wir kurz zu meinem Bedenken an Alexandre Aja als Regisseur zurück. Vielleicht hätte es „Horns“ besser getan, wenn jemand, der sich mehr mit Drama auskennt, den Film gedreht hätte. Vielleicht auch nicht. Bis zu einem gewissen Punkt bleibt Aja ja auch dem „Drama“ von „Horns“ treu, nur zwischendurch hat er seine Horror-Ausreißer, die nicht so wirklich zum restlichen Ton des Films passen. Aber das und das etwas CGI-versaute Finale stören das Sehvergnügen an „Horns“ jetzt nicht extrem.

Alles in allem ein unterhaltsamer Film mit einem guten Daniel Radcliffe… trotzdem – im Kampf Buch vs. Film gewinnt das Buch auf jeden Fall.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Potter-Harry wird zum Teufel… witzig…)

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7 Kommentare leave one →
  1. 28. August 2015 16:43

    Hm, eigentlich schreckt mich Radcliffe ab, so wirklich mag ich ihn nicht, als „Erwachsenen“.
    Vielleicht mal auf DVD.

    • donpozuelo permalink*
      31. August 2015 10:49

      Da ich Radcliffe nur als Erwachsenen kenne, ist das okay für mich 😀 Und ja, „Horns“ ist jetzt nicht unbedingt die Art von Film, die man im Kino gesehen haben muss. Da reicht das Heimkino vollkommen aus.

    • 31. August 2015 10:58

      Geht mir ähnlich :/

  2. 30. August 2015 17:24

    Finde die Idee auch ganz interessant und werde den bei Gelegenheit bestimmt mal schauen. Nach Heart Shaped Box habe ich mir ja eigentlich geschworen nichts mehr von Joe Hill zu lesen (man merkt ich fands auch nicht so doll), aber das klingt schon ziemlich gut in deinem Artikel.
    Und warte mal … keinen einzigen Harry Potter Film gesehen?? Keinen einzigen? Warum?

    • donpozuelo permalink*
      31. August 2015 10:50

      Wenn ich zuerst „Heart Shaped Box“ gelesen hätte, hätte ich von Hill wahrscheinlich auch nie wieder was angerührt, aber die Comic-Reihe und auch „Horns“ sind sehr lesenswert.

      Und ja, das mit „Harry Potter“ kann ich auch nicht wirklich erklären… ich habe da gleich zu Beginn den Anschluss verpasst. Ich habe ja auch noch keins der Bücher gelesen…

      • 9. September 2015 18:36

        Auch noch keins der Bücher? 🙂 Ich hab die auch verhältnismäßig spät gelesen. Die ersten Beiden mit … keine Ahnung. Als ich Kind war. Und dann habe ich alle nochmal gelesen, einfach weil ich die Reihe fertig haben wollte, bevor die letzten Filme in die Kinos kommen. Dabei haben es mir die Bücher jetzt nicht so einfach gemacht. Sind schön geschrieben, aber irgendwie auch etwas simpel. V.A. die ersten 4. Da hat mir manchmal sogar der eine oder andere Film besser gefallen. Lass dich doch mal drauf ein 😉

        • donpozuelo permalink*
          13. September 2015 20:41

          Werde ich auf jeden Fall irgendwann nochmal machen. Vielleicht beim nächsten Urlaub… 😀

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