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Killer mit Stil (?)

26. August 2015

Ich habe den ersten „Hitman“-Film nicht gesehen. Weil irgendwie alle Welt meinte, dass der jetzt nicht gerade das tollste Ding Videospiel-Verfilmung wäre, hab ich es gelassen. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt, als der erste Film rauskam, noch nicht so sehr vertraut mit der ganzen Welt des genmanipulierten Agenten, der im schicken Anzug, mit Strichcode auf dem rasierten Kopf und der coolen roten Krawatte Leute umnietet. Mittlerweile habe ich zumindest das Spielen von „Hitman“ aufgeholt… allerdings auch nur die neueste Auflage von „Hitman: Absolution“. Das war zwar nett, hat mich jetzt aber auch nicht unbedingt zum größten Hitman-Fan gemacht.

Tja… und wie das so üblich ist, kommt nach dem ersten Flop nun der Neustart mit „Hitman: Agent 47“. Regie führte ein kompletter Neuling – der polnische Regisseur Aleksander Bach. Und vielleicht war das auch gleich der Fehler. Denn Bach schafft es nicht wirklich, dem Hitman einen neuen Anstrich (oder eine neue Krawatte) zu verpassen. Was mit Sicherheit auch an der Story liegt:

Irgendeine schmierige Organisation erschuf in illegalen Experimente mit Kindern die Super-Assassinen (von denen unserer Hitman halt die Nummer 47 ist). Doch irgendwann wurde das Projekt eingestellt – doch eine andere mysteriöse Organisation unter dem wundervoll unauffälligen Namen „Syndicate International“ will die Experimente wieder aufleben lassen. Dazu brauchen sie die Tochter des Mannes, der das Agenten-Programm gestartet hat – und so wird die junge Katia (Hannah Ware) bald vom Syndicate gejagt. Nur Agent 47 (Rupert Friend) kann sie beschützen.

Waffen-Stretching…

Die Story ist halt so flach wie nur irgend möglich – selbst für ein Video-Spiel an sich würde das nicht sonderlich viel hergeben. Da könnte das zwar letztendlich ausreichen, aber so richtig zufrieden wäre man bei heutigen Erzähl-Standards auch nicht. Was sagt das dann erst über den Film aus??? Leider nichts Gutes! Die Handlung wird durch ewiges Schwadronieren der Charaktere „vorangetrieben“ (leider kann von einem wirklichen Vorantreiben nicht die Rede sein). Immer wieder erzählt uns irgendwer irgendwas möglicherweise relevantes – leider halt nur auf echt eintönige Art und Weise. Die Geschichte kommt so nur wirklich schleppend in Gang und wer sich nicht ein bisschen auf die absurden Gen-Experimente einlassen kann (oder will), der verliert noch schneller das Interesse als Agent 47 seine Waffe laden kann (was er ziemlich schnell kann – nur falls sich jetzt jemand wundert).

Bei der schwachen Story helfen dann auch leider die besten Schauspieler nichts – zumal „Hitman: Agent 47“ jetzt auch nicht unbedingt die bekanntesten Gesichter angezogen hat. Am bekanntesten dürfte wohl noch Neu-Spock Zachary Quinto sein, der aber als Gegenspieler nur blass in der Gegend rumstehen, während die Dame des Films, Hannah Ware, durch wirklich nichts aufzufallen weiß – nein, nicht einmal ihre Bikini-Szene kann hier irgendwas aufwerten). Hauptdarsteller Rupert Friend dürfte den meisten vielleicht noch am ehesten ein Begriff aus „Homeland“ sein. Aber Friend macht seine Sache eigentlich ziemlich überzeugend – als stoischer, emotionsloser, eiskalter Killer mit Stil (zumindest was die Kleidung angeht) kann er meistens überzeugen. In seiner Rolle erkennt man am ehesten noch den Game-Charakter wieder. Wenn er sich zum Beispiel blitzschnell umzieht oder halt sich einfach fröhlich durch Flure ballert – dann ist er der Hitman, den ich kenne… naja, oder auch nicht. Denn letztendlich fehlt dem Film der „Stealth-Mode“.

Der Hitman im Spiel soll ja möglichst leise töten, Bachs „Hitman: Agent 47“ ist jetzt nicht unbedingt der Leiseste. Das wäre vielleicht für einen anderen Film unter anderer Regie ziemlich gut gewesen, für diesen Film ist es sogar ganz angenehm, dass es zwischendurch ein bisschen lauter wird. Denn was halbwegs gut funktioniert, ist halt die Action. Die ist in „Hitma: Agent 47“ zwar sehr stilisiert, mit vielen physikalischen Ungereimtheiten, vielen Zeitlupen, aber eben auch mit vielen coolen Ideen, die Spaß machen. Wenn Regisseur Bach es geschafft hätte, den durchaus guten Action-Sequenzen auch noch eine gute Story zu geben, hätte „Hitman: Agent 47“ funktionieren können.

Aber es sind halt zu viele Konjunktive und deswegen landet auch „Hitman: Agent 47“ eher unter den nicht wirklich gelungenen Videospiel-Verfilmungen. Was der Film aber tatsächlich geschafft hat, ist mich neugierig auf den alten Film mit Timothy Olyphant zu machen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Labber, labber, peng, peng, labber, labber, peng, peng, Explosion… Drehbuch fertig…)

16 Kommentare leave one →
  1. 26. August 2015 08:10

    Fand Friend in Homeland ja eigentlich ganz gut – die Nummer emotionsloser Killer kann ich mir bei ihm aber irgendwie nicht so vorstellen, auch nach Trailersichtung nicht.

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2015 10:35

      In „Homeland“ habe ich Friend leider noch nicht gesehen, aber er passt schon gut als Killer… es ist halt nur immer die Frage, wie stark man so einen emotionslosen Killer als Identifikationsfigur in einem Film darstellen kann? Und auch ist sein plötzlicher Anfall von Emotionen im Film echt schlecht eingebaut… aber gut, dafür kann Friend nichts 😀

  2. 26. August 2015 10:13

    So, wie sich das liest, unterscheidet sich der Spaß hier nicht groß vom ersten Hitman Film. Der war auch überwiegend auf Action getrimmt und hatte mit den Spielen eher wenig zu tun, bis eben auf die Figur 47. Wobei ich den ersten ganz unterhaltsam fand, für nen Actionfilm. Trotzdem fand ich schon damals, dass das völlig am Thema des leisen Auftragkillers vorbei geht und das scheint dann hier ja auch wieder so zu sein. Kann ich mir wohl sparen.
    Bei den Spielen hat mich Absolution nebenbei auch nicht so ganz vom Hocker gehauen. Da haben mir die Vorgänger besser gefallen.

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2015 10:37

      Okay… das klingt sehr ähnlich. Aber gut, ist wahrscheinlich auch wirklich nicht so einfach, den Spielen gerecht zu werden. Vielleicht müsste ein Jim Jarmusch das drehen 😉 dann könnte das funktionieren.

      Und ja, „Absolution“ fand ich jetzt auch nicht so aufregend.

      • 26. August 2015 10:49

        Ich denke aber schon, dass man das alles etwas ruhiger angehen könnte, anstatt 47 zum schießwütigen Actionhelden zu machen. Würde mir auch generell besser gefallen, weil es generische Actionfilme ohnehin schon mehr als genug gibt.

        • donpozuelo permalink*
          26. August 2015 11:07

          Würde ich auch gut finden… aber da werden wir wohl lange drauf warten.

        • 26. August 2015 11:13

          Glaube ich auch.

  3. 26. August 2015 13:56

    Ich weiß zwar nicht warum, aber trotz aller Warnungen spricht mich der Trailer total an…
    Werde mich wohl besser gleich schon um die Buße kümmern.

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2015 15:33

      Der Trailer ist ja auch cool, schließlich beinhaltet er die besten Action-Sequenzen des Films. Leider beinhaltet er mehr oder weniger auch alle Action-Sequenzen des Films… weswegen der Film dann auch wirklich nicht mehr zu bieten hat. Aber gut… ich bin gespannt, wie deine Buße aussehen wird 😀

      • 27. August 2015 12:24

        Hmm. Wird dann wohl doch vorerst vertagt. 😀
        Die Buße? Beständiges Schweigen, mein Freund… beständiges Schweigen. 😛

  4. 27. August 2015 09:08

    Labber, labber, peng, peng, labber, labber, peng, peng, Explosion… Drehbuch fertig…)

    Jetzt dachte ich erst, das sei die Besprechung von Age of Ultron, aber der wurde hier ja bereits mit 10/10 durchgejubelt 😀

  5. 31. August 2015 13:56

    Ich fand ihn nicht schlecht, aber auch nicht gut ^^

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2015 14:47

      😀 Ja, genau… das ist irgendwie das Problem…er hat seine guten und seine schlechten Momente… aber irgendwie auch ein paar mehr schlechte Momente als gute….

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