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Titanen-Schlächter

12. August 2015

Anime-Serien, die darauf basieren, dass sich irgendwer mit jemandem oder etwas duelliert, tendieren ja gerne mal dazu, solche Kämpfe ewig in die Länge zu ziehen. Da wird dann eine Folge lang nur gebrüllt, damit man sich in der nächsten ordentlich aufplustert, um dann vielleicht in der dritten Episode mal Ansätze für einen ersten Kampf zu sehen. Und so erstreckt sich dann ein Kampf mal gerne gefühlt (und wahrscheinlich auch in Wirklichkeit) über knapp eine ganze Staffel. Natürlich müssen die Helden erst einmal ordentlich fertig gemacht werden, bevor sie dann besondere Fähigkeiten oder Items hervorbringen, mit denen sie am Ende doch noch gewinnen (ja, ich gucke auch ein bisschen dolle in deine Richtung „One Piece“). Ich kann aber nicht einmal sagen, warum man es dann doch irgendwie immer wieder guckt… vielleicht mit der Hoffnung, dass doch noch was Aufregendes passiert… und meistens ist es ja dann doch noch das Fitzelchen an Story, was zwischen den Kämpfen durchkommt, das eigentlich ganz interessant ist.

Und es ist gerade dieses Fitzelchen an Story und das Setting an sich, das mich dazu gebracht hat, mir „Attack on Titan“ anzuschauen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Manga und spielt in einer Welt, in der sich die letzten Überlebenden der Menschheit hinter drei riesigen Mauern – Maria, Rose und Sina – verstecken. Warum??? Nun, weil es hinter den Mauern vor riesigen, Menschen fressenden Titanen nur so wimmelt. Seit 100 Jahren haben die Mauern gute Dienste geleistet, doch dann taucht auf einmal ein riesiger Titan auf, reißt ein Loch in die äußere Wand und lässt so die Titanen los. Der Junge Eren Jaeger verliert so seine Mutter und schließt sich mit seiner Zieh-Schwester Mikasa dem Militär an, um den Tod seiner Mutter zu rächen und in bester Spider-Man-Manier (mit merkwürdigen Apparaten, die den Träger an Stahlseilen durch die Luft katapultieren) Titanen zu jagen.

Shadow of the Colossus lässt grüßen

„Attack on Titan“ hat in der ersten Staffel vieles, das fasziniert und neugierig macht. Allein die Story ist schon echt verdammt spannend: Da haben wir also dieses riesige Gebiet, in dem sich die Menschen zurückziehen und hinter ihren Mauern verstecken und da haben wir diese Monster, die Menschen fressen wollen. Mehr bekommen wir nicht. Woher die Titanen kommen, was sie wirklich wollen, wie sie entstanden sind… all das erfahren wir nie. Es wird zwar immer angedeutet, dass es im Keller von Erens Vater eine Erklärung geben könnte, nur sehen wir leider diesen Keller nie. Und das ist vielleicht das, was mich an „Attack on Titan“ am meisten gestört hat: Es wird in den ersten paar Folgen alles super aufgebaut, die Charaktere werden einem im Laufe der Serie wirklich näher gebracht, aber dann – am Ende der Staffel – ist man eigentlich genau so schlau wie vorher. Ich will ja nicht die komplette Story, aber wenigstens irgendwas, was mir das Ganze schmackhaft macht (so etwas in der Art kommt dann auch – am Ende der letzten Folge NACH DEM ABSPANN für zwei Sekunden).

Das hat mich ein bisschen geärgert, denn an und für sich fand ich die Serie echt toll. Ich konnte sogar damit klar kommen, dass auch hier wieder ähnliche Pfade beschritten wurden wie bei gefühlt allen Manga-Serien: Es gibt den Helden, der tapfer kämpft (fünf Folgen lang) und dann erst einmal wieder ins extrem Emotionale verfällt (für so zwei bis drei Folgen). Diese emotionalen Schwankungen bin ich gewohnt, und hier in „Attack on Titan“ machen sie sogar auch noch Sinn… denn die Charaktere erleben hier schon so einiges: die erleben hier wirklich das Übel des Krieges. Wenn zehn von ihnen losziehen, kommen drei wieder, die total verstört sind.

Und verstört war ich auch: Zum einen nimmt sich „Attack on Titan“ in Sachen Brutalität wirklich nicht zurück. Wenn die Titanen hier mal loslegen, dann kann einem schon ziemlich flau im Magen werden. Denn so ein Titan, der hat Zähne und der weiß sie auch zu benutzen (was für ziemlich blutige Spektakel in der Serie sorgt, weswegen ein paar Folgen der relativen „Entspannung“ hier wirklich mehr als nur passend sind). Zum anderen sind es die Titanen selbst, die mir echt einen Schauer über den Rücken laufen ließen. Ich hatte sie ja schon in meiner Liste der unheimlichsten Film- und Serien-Monster und da gehören sie auch hin. Diese geschlechtslosen Wesen mit ihren emotionslosen Gesichtern, ohne Sprache, ohne Ziel, ohne irgendwas sind einfach unheimlich. Sie sind unberechenbar, absolut creepy und Furcht einflößend.

Ansonsten hat die Serie in der ersten Staffel so ihre Höhen und Tiefen… es gibt ein paar spannende Twists, die ich nicht verraten will; es gibt ein paar Tiefpunkte – insgesamt ist es auf jeden Fall eine coole Serie mit einer wirklich interessanten Idee und coolen, action-reichen Umsetzung. Ich hätte mir nur trotzdem wenigstens ein paar mehr Einblicke in das ganze Warum gewünscht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (mittelalterliche Spider-Männer und Frauen kämpfen gegen Ekel-Riesen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 13. August 2015 21:56

    Steht dank des Hypes rund um die Serie auch schon auf meiner Watchliste, aber so richtig wusste ich bisher nie, ob ich das wirklich sehen will. Insbesondere wenn nicht geklärt wird wo die eigentlich herkamen etc. Aber deine Bewertung klingt schon ganz gut …. mh … Zwickmühle…

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2015 22:45

      Die erste Staffel macht es einem da auch nicht so leicht. Wie schon erwähnt ist das Setting ziemlich cool und die Story an und für sich auch – nur geben sie halt sonst nichts weiter preis. Und das ist bei 25 Folgen schon ziemlich krass… Vielleicht wartest du einfach bis zur zweiten Staffel und guckst dir dann vorher ne Zusammenfassung der ersten Staffel an (oder liest dir irgendwo den Inhalt durch). Das sollte ausreichen 😀

      • 14. August 2015 15:23

        Wobei … ich hab gehört, dass der Animationsfilm tatsächlich eine Zusammenfassung der Staffel sein soll … also von daher 🙂

        • donpozuelo permalink*
          15. August 2015 11:15

          Na bestens… 😀 Dann kannst du dir die erste Staffel wirklich sparen.

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