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Café Américain

5. August 2015

Klassiker, Klassiker, Klassiker… manche von ihnen kennt man, ohne das man sie gesehen hat. Einfach weil die Zitate, die sie beinhalten, schon zu geflügelten Worten geworden sind, oder weil bestimmte Szenen einfach schon so im allgemeinen Gebrauch angekommen sind, dass sie schon zum Allgemeinwissen gehören. Ich meine, selbst wenn man jemanden finden sollte, der die alten „Star Wars“-Filme noch nicht gesehen hat, dürfte dieser Jemand wahrscheinlich schon wissen, was es mit Darth Vader und Luke Skywalker so auf sich hat. Manche Klassiker sind halt auch wirklich ungesehen Kult.

„Casablanca“ gehört da zweifelsohne dazu. „Spiel’s noch einmal, Sam“, „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ oder „Das ist der Anfang einer wunderbaren Freundschaft“… es gibt ziemlich viele Zitate, die man aus diesem Film ziehen kann – schließlich ist es ein zeitloser Klassiker, der die tragische Geschichte einer Dreiecksbeziehung erzählt.

Wir befinden uns in Casablanca im Jahre 1941. Hier versammeln sich die Flüchtlinge Europas, um dem Grauen des Krieges in Richtung USA zu entfliehen. Hier treffen wir auf den Amerikaner Rick (Humphrey Bogart), der hier sein „Café Américain“ führt. Und ausgerechnet dort trifft Rick auch auf die Frau, die ihm vor Jahren in Paris das Herz gebrochen hat, Ilsa (Ingrid Bergman). Nur ist Ilsa nicht wegen Rick in Casablanca und auch nicht allein – im Schlepptau hat sie ihren Mann Victor (Paul Heinreid), der vor den Nazis flüchtet. Und der Einzige, der dem Ehepaar zur Flucht verhelfen könnte, ist Rick!

Humphrey, the Bogart… einfach nur cool…

Natürlich ist „Casablanca“ irgendwie schon hauptsächlich ein Humphrey-Bogart-Film. Ich meine, wenn ich an Bogart denke, dann denke ich meistens schon an Rick: der schweigsame Typ, der lässig im Anzug an der Bar steht, die Zigarette locker im Mundwinkel; im Trenchcoat mit Hut… was auch immer. Bogart versprüht in „Casablanca“ schon eine unglaubliche Coolness, wahrscheinlich lange bevor irgendwer wusste, was Coolness überhaupt ist. Sein Rick ist das perfekte Beispiel für „harte Schale, weicher Kern“. Man spürt die ganze Zeit, dass da etwas tief in ihm brodelt, kann aber nie sagen, was es ist.

Und das ist eine Qualität, die ich im Allgemeinen sehr an „Casablanca“ schätze: Wenn man ihn das erste Mal schaut, kann man wirklich nie sagen, wie es ausgehen wird. Wird Rick Ilsa helfen, wird er sich selbst helfen? Spielt Ilsa nur mit seinen Gefühlen oder meint sie es ernst? Bogart und Bergman liefern ein wirklich kult-verdächtiges Leinwand-Pärchen, natürlich auch sehr stilvoll, aber erfrischend undurchschaubar. Bergmans Ilsa hat ein bisschen was von den Film-noir-Damen… sie wickelt Bogarts Rick um den Finger, ohne das er sich dagegen wehren kann. Und vielleicht will er sich auch nicht dagegen wehren, aber als Ur-Macho darf man natürlich nicht sofort seine Gefühle zeigen.

Aber Bogart und Bergman sind jetzt nicht unbedingt das, was mir an „Casablanca“ gefällt. Vielmehr ist es diese Vorgeschichte zu der „wunderbaren Freundschaft“… denn wirklich interessant ist die Beziehung zwischen Rick und dem Polizeichef Louis Renault (Claude Rains). Renault ist DER Opportunist schlechthin… und damit der wohl ehrlichste Charakter in dem ganzen Film. Renault denkt hauptsächlich an sich selbst. Aber er versteckt das auch nicht, sondern steht dazu. So lässt er sich nur zu gerne bestechen, unterstützt die Arbeit der Nazis in Casablanca, soweit, wie er es für sich selbst verantworten kann, unternimmt aber auch nichts gegen Ricks kleine Machenschaften in dessen Café.

Zudem ist die Beziehung zwischen Rick und Louis wirklich eine ehrliche. Zumindest bei Louis weiß man, woran man ist. Während alle anderen Charaktere zwielichtig handeln, handelt Louis offensichtlich… und bewahrt sich doch seine Geheimnisse. Die Interaktionen zwischen ihm und Rick sind es, die „Casablanca“ wirklich beleben und zu einem wahren Genuss machen. Ich meine, nicht umsonst gehört die letzte Szene des Films nicht etwa Rick und Ilsa, sondern Rick und Louis.

„Casablanca“ ist für sein Alter wirklich ein Film, der gut gereift ist. Man kann ihn sich auch heute noch anschauen, ohne das er einen langweilt… was halt eben an den interessanten Charakteren liegt… und halt auch, dass der Film jetzt nicht unbedingt die klassische Liebesgeschichte erzählt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (as time goes by… ist der Film immer noch cool)

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2 Kommentare leave one →
  1. 6. August 2015 17:27

    Einer der sehr wenigen so genannten Klassiker, die nicht hoffnungslos überschätzt sind (so à la „Gone With the Wind“, nä?). Ein ruhiger, schöner, poetischer Film, dessen elegante Bildsprache auch heute noch allen ästhetischen Ansprüchen genügen sollte.

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2015 21:50

      😀 Ich mag „Gone With The Wind“, aber du hast Recht, im Vergleich ist „Casablanca“ schon eher der Film, der auch heute noch so richtig gut zu gucken ist.

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