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Die namenlose Katze

24. Juli 2015

Wenn in den ersten 45 Minuten eines Films nicht sonderlich viel passiert, fragt man sich schon ein bisschen, ob man sich diesen Film noch weiter antun soll. Wenn es sich dabei um einen Klassiker handelt, überlegt man sich das allerdings schon. Irgendwas muss ja noch kommen… doch ich gebe ehrlich zu, meinen ersten Versuch „Breakfast at Tiffany’s“ zu gucken, habe ich nach knapp 40 Minuten abgebrochen. Audrey Hepburn dabei zu zusehen, wie sie von einem Typen zum nächsten jagt und eine große Party in ihrer kleinen Wohnung schmeißt, war jetzt nicht so spektakulär. Ich schlief dabei ein und hatte ehrlich gesagt nur wenig Interesse, dem Ganzen noch einmal eine Chance zu geben. Aber… es ist ein Klassiker, den ich noch nicht gesehen hatte… und deswegen biss ich die Zähne zusammen. Und fing die Geschichte der Holly Golightly noch einmal von vorne an.

Holly (Audrey Hepburn) ist wohl der Arche-Typ des It-Girls. Sie kann eigentlich nichts, verkauft sich aber gut genug, um für andere Menschen interessant zu sein. Sie hält immer Ausschau nach reichen Männern, in der Hoffnung, vielleicht einmal einen von ihnen zu heiraten. Doch davor nimmt sie schon gerne Geldgeschenke und sonstiges von ihnen an. Eines Tages zieht der junge Schriftsteller Paul (George Peppard) in ihr Haus und ist natürlich sofort von Holly fasziniert. Doch Paul muss schnell erkennen, dass Holly nicht so einfach ist… und auch nicht unbedingt so oberflächlich wie sie erscheint.

Übrigens… das ist die namenlose Katze 😀

Wie Paul musste auch ich erst lernen, dass Holly halt nicht einfach nur diese Oberflächlichkeit ist, die in den ersten 45 Minuten von Blake Edwards Capote-Verfilmung so vorherrschend ist. Hier wird uns nämlich deutlich gemacht, wie „shallow“, oberflächlich und öde die High Society New Yorks ist. Es ist ein Völkchen, dass zwar viel Blabla macht, aber sonst eigentlich kaum etwas zu sagen hat. Sie sind langweilig… und Holly scheint ebenso langweilig zu sein.

Aber das ist sie gar nicht… denn Holly Golightly ist wahrscheinlich eine äußerst ungewöhnliche Heroine für so eine Liebeskomödie. Denn der Film deutet ja schon an, dass Holly für Geld so einige Gefälligkeiten zulässt… allerdings wird das Ganze nie weiter ausgebaut. Truman Capote macht das in seinem Buch, aber für den Film wäre das wahrscheinlich zu weit gegangen. Und wahrscheinlich auch für eine Audrey Hepburn. Für Marylin Monroe war es das auf jeden Fall. Schließlich wollte Capote sie eigentlich in der Hauptrolle sehen, aber ihr damaliger Schauspiellehrer riet ihr von der Rolle ab. Pech für die Monroe, Glück für die Hepburn.

Denn „Breakfast at Tiffany’s“ ist vor allem ein Audrey-Hepburn-Film. Die Hepburn im schwarzen Kleinen, die große Sonnenbrille, der lange Anstecker für die Zigarette – Regisseur Blake Edwards zelebriert seine zierliche Stilikone mit jeder einzelnen Szene. Doch ist das nicht alles, was „Breakfast at Tiffany’s“ ausmacht. Denn die bezaubernde Audrey Hepburn verkörpert auch perfekt das, was ihre Figur der Holly Golightly ausmacht. Hinter dem zarten Wesen der Holly versteckt sich eine traurige Geschichte, die uns Edwards nach den 45 Minuten der Oberflächlichkeiten offenbart. Dann erfahren wir, dass Holly eigentlich vielmehr wie ein trauriger Clown ist – nach außen spielt sie stets die Fröhliche, aber unter der Schicht aus falschem Lachen steckt viel Drama. Ein Drama, das perfekt erklärt, warum sich Holly in dieser Gesellschaft des Nichts-Sagens versteckt.

Ich war echt erstaunt, wie tiefsinnig dieser Film dann mit der Zeit doch wurde… natürlich verfällt auch Edwards den üblichen Klischees des Hollywood-Schnulzes, aber dennoch passt es in „Breakfast at Tiffany’s“ alles schlüssig zusammen. Selbst wenn Schriftsteller Paul anfängt, sich in Holly zu verlieben, kann man das alles gut nachvollziehen… wirkt die gute Holly doch auf ihre Weise so zart und zerbrechlich, dass man sie einfach nur beschützen möchte. Wenn sie dann noch Henry Mancinis „Moon River“ singt, ist das der perfekte Moment, der in seiner sanften Melancholie alles über diese Frau aussagt und der Paul endgültig dazu bringt, sie nicht aufzugeben.

Aber „Breakfast at Tiffany’s“ ist nicht nur Liebesschnulz der schönen Art, sondern auch immer noch eine Komödie vom Komödien-Experten Blake Edwards, der sich ja vor allem durch die „Pink Panther“-Reihe einen Namen gemacht hat. So hat auch „Breakfast at Tiffany’s“ wunderschön komische Momente, die die ganze Dramatik mit sehr gutem Timing wieder auflockert.

„Breakfast at Tiffany’s“ ist sicherlich nicht für jeden der richtige Film, aber er ist rührend inszeniert und wirklich DER Audrey-Hepburn-Film schlechthin.

Wertung: 9 von 10 Punkten (man habe etwas Geduld mit dem Film, denn selbst die Langeweile am Anfang hat ihren Sinn)

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4 Kommentare leave one →
  1. 24. Juli 2015 16:37

    Hach, Audrey Hepburn.

  2. 26. Juli 2015 18:52

    Aaach, das ist auch noch nicht solange her, dass ich den mal wieder geschaut habe. (Obwohl ich wirklich noch echt viele Filmklassiker nachholen will/muss/sollte) Als ich den das erste mal als Teenie gesehen habe, fand ich alles ganz furchtbar und habe mich nur gefragt, was alle an dem Film finden. Mit dem Alter kam die Weisheit oder so … jedenfalls kann ich dir jetzt nur beipflichten – wenn man die platten Anfangsszenen durchsteht, ein schöner Film.

    • donpozuelo permalink*
      29. Juli 2015 18:41

      Ich glaube auch, dass das ein Film ist, den man erst mit dem „Alter“ ein bisschen mehr zu würdigen weiß 😀

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