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Es kommt, es folgt, es tötet

20. Juli 2015

Ich gebe zu, ich hab’s jetzt nicht immer unbedingt so mit Symbolik. Manchmal frage ich mich, ob gewisse Andeutungen in Filmen wirklich gewollt sind oder ob sie einfach durch Zufall enstanden sind oder ob sie vielleicht auch einfach nur ein Zeichen dafür sind, dass man zwar eine gute Idee hatte, die man aber irgendwie nicht so richtig zu Ende führen konnte… und sich deswegen hinter Metaphern versteckt – frei nach dem Motto: „Darüber soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen!“ Die Filmgeschichte ist ja voll von Filmen, die man sich schön reden kann / muss / soll, weil sie einfach nicht preisgeben wollen, was sie uns erzählen wollen. Kubricks „2001“ ist da ja immer eines dieser oft genannten Beispiele, bei denen Kubrick selbst immer wieder betonte, dass sich jeder selbst seinen Teil denken soll. Nun ja… kann man auch alles sehen, wie man will.

Jetzt geht’s aber nicht um Science-Fiction, sondern um einen bereits im Vorfeld stark gehypten Horror-Film mit dem simplen Titel „It Follows“. Die junge Jay (Maika Monroe) schläft das erste Mal mit ihrem Freund Hugh (Jake Weary), doch kaum sind sie damit fertig, betäubt der sie und Jay wacht wenig später an einen Rollstuhl gefesselt wieder auf. Hier versucht ihr Hugh zu erklären, dass er durch den Sex etwas auf sie übertragen hat, das selbst von jemand anderem durch Sex übertragen bekommen hat. Dieses Etwas würde Jay nun verfolgen, langsam zwar, aber es würde sie verfolgen, bis es sie erwischt und sie tötet. Jays einzige Möglichkeit: Mit einem anderen Sex haben, um „Es“ weiterzugeben. Nach dieser Erklärung verschwindet Hugh und lässt Jay mit diesem unbekannten „Es“ allein, dass in vielerlei Form auftritt… als alte Frau, als junger Mann… was auch immer. Nur Jay kann „Es“ sehen und versucht nun mit der Hilfe ihrer Freunde, einen Weg zu finden, „Es“ loszuwerden.

Kleine Taschenlampe, brenn… komm ich zeige dir „es“…

„It Follows“ hat mich die ganze Zeit extrem an die Graphic Novel „Black Hole“ von Charles Burns. Darin geht es um einen durch Sex übertragenen Virus, der die Teenager, die ihn in sich tragen, mutieren lässt. „Black Hole“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass a) Symbolik gut funktioniert und b) ich sie mir immer erst erklären lassen muss, um sie auch zu würdigen. Denn Charles Burns hat in einem Interview selbst zu seiner Graphic Novel gesagt, sie sei einfach nur eine Metapher für die Pubertät und wie der erste Sex die Jugendlichen verändert. Dass man sich dadurch anders fühlt… und weil halt die Thematiken nicht unähnlich sind, musst ich bei „It Follows“ in allererster Linie immer ein wenig an „Black Hole“ denken.

Denn Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell erklärt uns nie, was „Es“ ist. Woher „Es“ kommt, wird auch nie erwähnt. Doch die Tatsache, dass die Formen, in denen „Es“ erscheint, fast immer irgendwie nackte Menschen sind, ließ mich zumindest vermuten, dass „It Follows“ vielleicht auch einfach nur eine Metapher darüber ist, wie schwer es ist, mit sexuell übertragbaren Krankheiten umzugehen. Vielleicht ist „Es“ die Angst vor AIDS oder irgendetwas anderem, dass man vielleicht für eine gewisse Zeit aufhalten kann… was einen aber trotzdem immer verfolgt.

Das Ganze könnte natürlich auch kompletter Schwachsinn von mir sein – ich sage ja, ich und Symbolik… aber der Film spielt nun einmal viel mit diesen Gedanken über Leben und Tod, zitiert dazu noch zwischendurch fleißig T.S. Eliot und Dostojewski, sodass schon der Eindruck entsteht, dass Mitchell hier den Versuch gestartet hat, einen sehr cleveren Horror-Film zu drehen. Dem steht aber leider einiges im Weg…

Anfangs ist die Stimmung von „It Follows“ noch wirklich gut. Bei dem ruhigen Vorort fühlt man sich fast ein wenig an Carpenters „Halloween“ oder auch ein bisschen an „Nightmare on Elm Street“ erinnert, was durch den wirklich passenden, teilweise echt nervenzerreißenden Soundtrack von Disasterpeace verdammt gut untermalt wird. Dazu weiß Mitchell auch gekonnt, gut funktionierende Jump Scares einzusetzen – besonders wenn „Es“ irgendwo wieder lauert. Da auch nur Jay „Es“ sehen kann, wird man als Zuschauer selbst immer ein bisschen paranoid und fragt sich, welcher der Passanten jetzt vielleicht doch das Tod bringende Etwas sein könnte.

Was ich bei all dem guten Aufbau des Films dann aber doch etwas anstrengend fand, war der wirklich schleppende Ablauf. Genau so langsam wie „Es“ in seinen verschiedenen Formen durch die Gegend schleicht, schleicht auch „It Follows“ selbst. Zwischendurch wird der Film mehr Teenie-Drama über verschmähte Liebe und die Angst vor dem Tod als das es noch Horror-Film ist. Und dann urplötzlich taucht „Es“ wieder auf… wird auf merkwürdige Weise bekämpft… und das war’s.

Mich stört ja nicht einmal unbedingt, dass Mitchell uns nicht erklärt, was „Es“ ist, sondern dass er so gut anfängt und dann scheinbar nicht so recht weiß, was er mit seiner Story machen soll. Schließlich passte doch anfangs alles… Maika Monroe liefert dazu noch eine echt grandiose Vorstellung ab, sodass man sich wirklich fragen muss, was da bei „It Follows“ schief gelaufen ist. Atmosphärisch dicht, aber von der Story an sich vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen… oder ich habe den ganzen metaphorischen Hintergrund noch nicht gut genug durchschaut.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich weiß, ich mag diesen Film, aber ich mag ihn auch wieder nicht… ich würde ihn mir wahrscheinlich sogar auch ein zweites Mal anschauen… nur um zu sehen, ob sich dann doch mehr daraus ergibt)

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10 Kommentare leave one →
  1. 20. Juli 2015 21:44

    Oh, habe sowohl überlegt den Film zu schauen, als auch Black Hole zu lesen. Aber beides will mich nicht so richtig packen und deine Review bestätigt meine Vermutungen …

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2015 13:10

      „Black Hole“ fand ich eigentlich sehr interessant. Kann ich wirklich nur empfehlen. „It Follows“ ist da ein bisschen eine andere Liga… aber vielleicht fürs Heimkino mal ganz gut zu gebrauchen.

  2. 21. Juli 2015 10:47

    Nett gemacht, nicht gut durchdacht – so würde ich den zusammenfassen. Hier sind wir mal nicht so weit auseinander.

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2015 13:12

      Genau… nicht gut durchdacht… das fand ich auch.

  3. 22. Juli 2015 15:00

    Als hätten wir uns abgesprochen! 😀 Lediglich beim Soundtrack liegen wir ziemlich weit auseinander. Schau mal rein: https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/07/21/filmkritik-it-follows/

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