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Schweinekönig

17. Juli 2015

Mobbing an Schulen ist ein schlimmes Thema. Ich durfte das selber an der Grundschule erfahren, da reichte schon die Tatsache aus, dass mein Vater Ausländer ist und fertig waren ein paar sehr unschöne Erinnerungen an die Schulzeit. Aber bis auf ein paar Raufereien und Beleidigungen war es das auch schon. Es hat mich jetzt nicht fürs Leben geprägt… doch Mobbin kann auch andere Wege gehen… viel, viel schlimmere Wege.

Wohin das führen kann, zeigt uns der Koreaner Yeon Sang-ho in seinem Animationsfilm „King of Pigs“. Nachdem er seine Frau umgebracht hat, trifft sich Kyung-min mit seinem ehemals besten Schulfreund, dem erfolglosen Schriftsteller Jung-suk. Gemeinsam mit ihm lassen sie ihre Schulzeit Revue passieren: eine Zeit, in der sie zu den „Schweinen“ der Schule gehörten, die von den „Hunden“, den reichen und größeren Kindern, malträtiert wurden. Doch dann taucht ein neuer Schüler auf: Der Junge Chul gehört zwar zu den „Schweinen“, lehnt sich aber immer wieder erfolgreich gegen die „Hunde“ auf… und wird so zum „King of Pigs“. Nur bedeutet dieser Titel für Chul und seine beiden Freunde nichts Gutes…

Der König der Schweine grunzt nicht…

„King of Pigs“ erzählt eine Geschichte, die wirklich an die Nieren geht. Und dabei auch immer ein bisschen unwirklich wirkt. Diese „Unwirklichkeit“ rührt daher, dass alle Figuren mit etwas unproportional großen Köpfen gezeichnet sind. Dadurch wirken gerade die kindlichen Charaktere eher wie Puppen als wie Menschen. Das wirkt anfangs etwas ungewöhnlich, bietet dem Zuschauer aber auch immer die Möglichkeit, das Geschehen besser zu verarbeiten, weil man es so doch eher ins Reich der Fiktionen schieben kann.

Denn gerade die Gewalt wird in „King of Pigs“ echt zu einer unerträglichen Qual… sowohl für die Charaktere als auch die Zuschauer. Aber der Film nutzt die Gewaltdarstellungen nicht nur zum Selbstzweck. Yeon Sang-ho will zwar auch schocken, aber uns damit auch nur deutlich machen, was diese Gewalt, die so oft einfach ausbricht, mit den Charakteren anstellt. „King of Pigs“ macht deutlich, dass Gewalt Gegengewalt auslöst, zeigt aber auch ganz eindeutig, dass diese Gewalt nichts bringt. Denn sie erzeugt nur wieder Gewalt. Der Film wird so zu einem ewigen und endlos erscheinenden Kreislauf der Gewalt, der irgendwann eine so unangenehme Intensität erreicht, dass der Film einem selbst ziemlich nahe geht. Und da helfen dann auch nicht mehr die puppenartigen Figuren.

Denn so sehr man sich auch einreden möchte, dass „King of Pigs“ ja nur ein Film ist, so realistisch ist er doch. In seiner Darstellung der Gewalt, in seiner Darstellung dessen, was diese Gewalt körperlich und psychisch mit seinen Protagonisten anstellt. Und hier hat Yeon Sang-ho drei unterschiedliche Charaktere, die ihm die Möglichkeit geben, die verschiedenen Facetten der „Opfer“ darzustellen. Kyung-min ist der, der durch Ignorieren und Zulassen versucht, sich weniger zur Zielscheibe zu machen, Jung-suk ist der stille Rebell, der zwar aufbrausend werden kann, aber in den entscheidenden Momenten nur selten dazu in der Lage ist, für sich selbst einzustehen und Chul ist der Aufbrausende, der vermeintliche König der Schweine, der aber hinter seiner Gewaltbereitschaft andere Dinge versteckt, die ihn verletzlich wirken lassen.

„King o Pigs“ ist eine unglaublich intensive Erfahrung. Hier gehen Form (sprich: der etwas harte Zeichenstil, die teils recht düsteren Bilder) und die Story perfekt Hand in Hand. Der Film erzeugt so eine Sogwirkung, die schon hart ans Unangenehme grenzt. Doch die Geschichte ist eine, die in genau auf diese drastische, extreme Art und Weise erzählt werden… „King of Pigs“ beschönigt nichts, und das ist auch gut so.

Wertung: 10 von 10 Punkten (hartes Schuldrama, das wirklich an die Nieren geht)

3 Kommentare leave one →
  1. 20. Juli 2015 23:08

    Uff. Damit tue ich mich schwer. Habe schon bei der ersten Trailersichtung mit dem Zeichenstil so meine Probleme gehabt. Mobbing war mir in der Schulzeit auch nicht fremd und hat mich ziemlich geprägt. Weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich den Film gut vertragen würde…

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2015 13:12

      Ja, das mit dem Mobbing durfte ich auch am eigenen Leib erfahren. Und ja, der Zeichenstil ist sehr gewöhnungsbedürftig… aber es ist ein wirklich gut gemachter Film. Kannste dir ja merken… für irgendwann mal 😉

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