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Fuck the good guys!

13. Juli 2015

Was macht James Franco eigentlich nicht? Er ist Schauspieler, er ist Regisseur, er ist ein komischer Vogel, der Nacktbilder von seinem besten Kumpel Seth Rogen malt, er war wohl irgendwann auch mal ein Sex-Symbol, dürfte diesen Status aber mit Sicherheit durch seine ganzen komischen Angewohnheiten zumindest für einige Menschen verloren haben. Nebenbei macht er dann noch Dokumentation, Kunstprojekte und was nicht sonst noch alles. Es scheint nichts zu geben, was James Franco nicht zumindest mal versucht. Warum auch nicht? Was hat er schon zu verlieren??? Dass der Gute auch schreibt, wusste ich bislang jedoch tatsächlich noch nicht. Aber Gia Coppolas Film „Palo Alto“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Franco, in dem er Kurzgeschichten veröffentlicht hat.

„Palo Alto – Der Film“ erzählt im Grunde die Geschichte dreier Teenager: Da hätten wir die Freund Teddy (Jack Kilmer) und Fred (Nat Wolff), zwei dicke Kumpels, die eigentlich immer zusammen abhängen, kiffen und irgendwelchen Quatsch labern. Und dann wäre da noch April (Emma Roberts), in die Teddy verknallt ist. Doch auf einer Party, auf der erst alles gut für Teddy zu laufen scheint, läuft es gar nicht so gut… statt mit April landet Teddy bei Emily (Zoe Levin), woraufhin April sich mit jemand anderem vergnügt. Und ab da trennen sich die Wege von Teddy und April vorerst.

Guck, so krempel ich immer meine Hose hoch…

„Palo Alto“ ist so eine Art „Boy meets Girl“-Film, bei dem Boy aber sein Girl gleich bei der ersten Gelegenheit wieder verliert. Boy macht daraufhin so einiges durch, Girl verliebt sich in ihren Fußball-Trainer (James Franco) und macht dabei auch so einiges durch. Das klingt jetzt vielleicht nicht aufregend, ist aber in der Tat ziemlich interessant und funktioniert bestens. Denn was der Film tatsächlich hinbekommt, ist ein durchaus realistisch Bild seiner jugendlichen Protagonisten zu zeichnen, die – wie jeder Teenager – die Höhen und Tiefen ihres Lebens durchlaufen. Durch das Treffen von Teddy und April, aus dem ja dann leider nichts wird, entsteht in „Palo Alto“ eine sehr interessante „Was-wäre-wenn“-Situation. Was wäre, wenn Teddy gleich zu Beginn den Mut gehabt hätte, April seine Gefühle zu äußern? Es hätte viele verschiedene Möglichkeiten gegeben, das auszuspielen, aber das wäre dann wirklich die typischste und Klischee behaftete Story aller Zeiten gewesen, in der sie sich lieben, dann streiten und am Ende wieder lieben.

Aber auf Klischee versucht „Palo Alto“ weitestgehend zu verzichten. Die beiden parallel verlaufenden Handlungen von Teddy und April liefern eigentlich für sich genügend Stoff für einen einzigen Film, und da kann man es Regisseurin Gia Coppola hoch anrechnen, dass sie es geschafft hat, den Film nicht überladen wirken zu lassen. Im Gegenteil, der Film treibt in einer gemählichen Ruhe dahin. In ruhigen Bildern, die perfekt zu dem gut sortierten Soundtrack passen, webt Coppola die Geschichte ihrer beiden Hauptpersonen und schafft es sogar noch, einen unruhigen Gegenpol – in Form von Nervensäge Fred – einzubauen, der immer mal wieder für die nötige Aufwecker sorgt.

Tatsächlich merkt man schon irgendwie, dass hier eine Coppola am Werke ist. Auch wenn Gia Coppola nur die Nichte von Sofia Coppola ist, haben die beiden doch einen recht ähnlichen Stil. Ich musste bei einigen Bildern und Sequenzen auch immer wieder mal an Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“ denken… aus dem Coppola-Clan entspringt nun also eine neue Dame, die ihre Tante aber zum Glück nicht einfach nur kopiert. Gut, ein bisschen Kopieren scheint schon mit drin zu stecken, denn würde man unvoreingenommen in „Palo Alto“ zappen, würde der ein oder andere sofort denken: „Das sieht doch aus wie bei Sofia Coppola.“ Nichtsdestotrotz übernimmt Gia die Eigenschaften ihrer Tante ziemlich gut… bleibt halt nur zu hoffen, dass sie in ihrem nächsten Film auch ein wenig mehr einen eigenen Stil für sich finden kann.

Neben der Geschichten sind es in „Palo Alto“ natürlich auch die Darsteller, die dem Ganzen zu seiner Güte verhelfen. Jack Kilmer, Sohnemann von Val Kilmer, der in einer Mini-Nebenrolle zu sehen ist, spielt den kleinen Pothead durchaus überzeugend. Aber gut, wer weiß, ob das nicht schon sogar Method-Acting ist??? 😉 Wirklich beeindruckt hat mich dann aber doch eher Emma Roberts, was aber auch daran liegt, dass ihre April eine der interessanteren Figuren ist. April ist Außenseiterin ohne Außenseiterin zu sein. Sie bleibt für sich, ohne ein Freak zu sein… und vielleicht ist es gerade das, was ihr auch ein bisschen zu schaffen macht. Emma Roberts verkörpert diese Rolle so charmant, so rührend, so umwerfend… einfach nur großartig. Und der gute James Franco, um wenigstens mal zu erwähnen, nimmt sich brav zurück.

„Palo Alto“ ist kein gewöhnlicher Teenie-Film, weil er versucht, sich wirklich glaubhaft mit den Problemen der Teenies auseinander zu setzen. „Palo Alto“ ist keine gewöhnliche Liebesgeschichte, weil die Liebe hier aufhört, bevor sie begonnen hat. Man hofft zwar insgeheim, dass es zwischen Teddy und April doch noch klappt… aber gut… „Palo Alto“ beschert uns ein interessantes Debüt einer weiteren Coppola. Bleibt nur zu hoffen, dass Gia sich dann auch ähnlich wie Sofia behaupten kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (und es wird auch noch Fußball in einem US-Film gespielt… unglaublich)

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3 Kommentare leave one →
  1. 13. Juli 2015 23:35

    Die Coppolas habens halt drauf. Ich mag den Sofia Coppola Stil sehr gern. Da darf ruhig auch mal kopiert werden. Ihr Filmoutput ist ja eh nicht so hoch.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juli 2015 21:50

      Da hast du wohl in allen Punkten Recht. Man kann ihr trotzdem nur wünschen, dass sie auch ihren eigenen Stil findet. Denn als Regisseurin ist die gute Gia auf jeden Fall jemand, auf den man achten sollte.

Trackbacks

  1. Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (13-07-15)

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