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Terrence und der Krieg

10. Juli 2015

Eigentlich mag ich ja Terrence Malick, auch wenn er einem das ja nicht immer unbedingt leicht macht. Denn ob er nun über das Leben im Allgemeinen oder die Liebe im Speziellen reden, sind seine Filme nie einfache Kost. Aber gerade, weil sie so außergewöhnlich sind und mal etwas ganz anderes liefern, als das was man sonst so kennt, gerade deswegen mag ich Terrence Malick. Ich nenne seine Filme ja einfach nur noch Essays, Gedankengänge über Themen, die ihn gerade interessieren… und was man so über seine Art Filme zu drehen liest, scheint dem entgegen zu kommen. Ein echter Terrence Malick entsteht erst im Schnitt… und das ohne Rücksicht auf Verluste. Und so sehr ich doch Malick mag, beschränkt sich dieses Mögen doch eigentlich nur auf zwei Filme – „The Tree of Life“ und „To The Wonder“. Ich habe mich also immer gefragt, ob diese Art des Filmemachens erst jetzt etwas ist, was Malick für sich entdeckt hat oder ob er schon früher so war.

Deswegen habe ich mich mal mit einem etwas älteren Malick versucht. Einem Film, den Malick drehte, nachdem er sich für 20 Jahre nicht mehr blicken ließ. Und dieser Film ist „Der schmale Grat“, Malicks Film über eine Gruppe von Soldaten, die auf der kleinen Insel Guadacanal im Pazifik einen Luftwaffenstützpunkt der Japaner einnehmen sollen.

Lauschen wir dem Gras… wie es wächst…

Mehr lässt sich über „Der schmale Grat“ inhaltlich auch nicht sagen, außer vielleicht noch, dass der Film bestückt ist mit dem Feinsten, was Hollywood Ende der 90er Jahre zu bieten hatte. John Travolta, John Cusack, Sean Penn, George Clooney, Jim Caviezel (unser Hauptprotagonist, wenn man das hier so nennen kann), John C. Reily, Nick Nolte, Woody Harrelson, Adrien Brody, Jared Leto… und die Liste lässt sich noch ewig fortführen, haben es doch einige Darsteller (wie üblich bei einem Malick) nicht in die endgültige Fassung geschafft oder tauchen nur mal eben so kurz auf. (Hier erkennt man tatsächlich, dass Malick viel dreht und dann im Schnitt alles zusammensetzt – so tritt ein John Cusack in der Mitte des Films in Erscheinung und verschwindet genauso schnell wieder). Doch halten wir uns nicht mit den Darstellern auf, denn die sind hier nur Mittel zum Zweck….

Und diesen Zweck bestimmt Malick. Damit komme ich dann zu dem „Eigentlich“ vom Anfang wieder zurück, denn so sehr ich Malicks Essay-artige Filme auch mag, so hat mich das in „Der schmale Grat“ immer ein wenig irritiert. „Der schmale Grat“ ist mit Sicherheit ein Kriegsfilm, der aus der Masse heraussticht, und sei es nur deswegen, weil er sich dem Wahnsinn des Krieges (diesem schmalen Grat zwischen Mensch und Verrücktem) auf so philosophisch-poetische Art und Weise nähert. Ich weiß nur halt nicht, ob mir das jetzt wirklich gefallen hat, passte es doch irgendwie immer nicht so richtig in den Kontext und wurde doch auch schon in anderen Filmen (ich sage mal nur „Apocalypse Now“) interessanter dargestellt.

In Malick-typischer Manier lauschen wir den Gedanken der Soldaten aus dem Off und werden von umwerfenden Natur-Bildern beeindruckt, denen dann zum Kontrast die Härte des Krieges gegenübergestellt wird. Gerade in den Kriegsszenen bleibt Malick schon fast „normal“ – für seine Verhältnisse und dokumentiert einfach nur, was der Krieg mit den Menschen anstellt. Gerade bei dem Ansturm auf einen Hügelbunker wird deutlich, wie sinnlos dieser Krieg Menschen verschluckt. Die einen rennen hoch wie bekloppt und werden dabei niedergemetzelt… und später ist es dann wieder andersrum. Krieg ist eine Schlampe, die sich mal so und mal so herumdreht, um jeden einmal zu beglücken. Aber wie gesagt, das ist nichts Neues… da gibt es genügend andere Filme, die uns das schon verdeutlicht haben.

Malick setzt dem Ganzen halt noch die philosophische Seite hinzu, wenn er immer wieder in die Gedankenwelt seiner Soldaten kehrt… und hier gerade mit Jim Caviezel versucht deutlich zu machen, welche Auswirkungen das auf Mensch und Natur hat. Und was ich bei seinen anderen beiden Filmen noch so mochte, fand ich hier teilweise zu lang, teilweise zu übertrieben poetisch – ein krasser Kontrast, der sicherlich gewollt ist, aber mir manchmal einfach zu viel wurde. Natürlich unterstreichen die schönen Bilder und die sanfte Musik und die Gedanken über die Natur, wie schrecklich sinnlos der Krieg ist, denn wir in den anderen Bildern sehen… aber das wird auch schon so deutlich, ohne das es noch einmal offengelegt werden muss.

Malicks „Der schmale Grat“ ist sicherlich wie sein Titel, ein schmaler Grat zwischen Antikriegsfilm und Poesie über Religion, Leben und Tod, Natur und Mensch. Nicht für jeden Geschmack und für mich das erste „Eigentlich“ in meiner Terrence-Malick-Film-Liste.

Wertung: 6 von 10 Punkten (manchmal sollte man einfach direkt sagen, was man sagen will)

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6 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2015 11:47

    Tz, der vermutlich tollste, größte, schönste, beste (Anti-)Kriegsfilm aller Zeiten. Und wird hier mit 6 von 10 Punkten vom Hof gejagt, während Minions die volle Punktzahl eingetütet kriegen. Und da glaubt man, man hat schon alles gesehen im Leben 😀

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2015 20:06

      Also…
      1) meine Wertung von den Minions hier heranzuziehen, ist schwach… selbst von meinem Lieblings-Stänker-Kommentator 😉 Das sind doch wirklich zwei unterschiedliche Paar Schuhe. 2) das mit dem „schönsten“ Anti-Kriegsfilm (von den Bildern her) kann ich noch unterschreiben… aber bester??? da fallen mir auf Anhieb doch noch ein paar andere gute Beispiele ein, die mir dann doch ein bisschen besser gefallen haben
      und 3) c’est la vie… wir können halt nicht immer einer Meinung sein (was wir ja auch nur selten sind 😀 )

  2. 11. Juli 2015 17:48

    Also, Monsieur, wir sind ja nun oft einer Meinung, aber dem ästhetischen Nichts „To the Wonder“ die volle Ladung zu verpassen und dann Malicks Meisterwerk Mittelmaß bescheinigen … tss.

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2015 20:08

      Ist das hier wirklich Malicks Meisterwerk??? Also, das ist jetzt eine ernst gemeinte Frage. Ich dachte, er hätte noch so viele andere gute Sachen gemacht. Und ja, dem ästhetischen Nichts „To The Wonder“ gebe ich gerne die volle Ladung. Bei „The Thin Red Line“ hat mich das Ganze nicht so richtig gepackt…

      • 17. Juli 2015 12:56

        Ernst gemeinte Antwort: Ja. Ich mag Malicks Stil generell (trotz des kaum erträglichen „Tree of Life“), aber nur hier kommt er wirklich zum Tragen. Vollkommen nüchternes Urteil: Nichts weniger der beste Film, den ich je gesehen habe.

        • donpozuelo permalink*
          19. Juli 2015 21:06

          Okay… alles klar. Danke für die Antwort 🙂 Ich mag ja seinen Stil auch, aber wie gesagt, habe ich bislang auch nur drei Filme von ihm gesehen. Muss mir da dringend noch ein paar mehr anschauen.

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