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Räuber und Gendarm

6. Juli 2015

Ich habe schon wieder ein Problem. Eigentlich ist es das gleiche Problem wie damals bei „Lawrence von Arabien“. Ich habe nämlich mal wieder einen Klassiker geguckt und mich mal wieder gewundert, warum er mir jetzt nicht so übermäßig, supermegamäßig gefallen hat. Aber gut, manche Klassiker sind ja irgendwie auch nur Klassiker wegen ihrer Machart oder weil sie so grandios mit irgendwas werben konnten, dass alle Welt alles andere um sich herum vergessen hat. Man nehme doch nur mal „Blair Witch Project“… in Anbetracht der geilen Marketing-Strategie konnte der Film ja nur ein Klassiker werden.

Und genau das Gleiche sehe ich irgendwie bei Michael Manns „Heat“. Der Film wird ja auch Meilenstein des Heist-Genres verschrien, was ich auch ein bisschen nachvollziehen kann (dazu später mehr). Aber in Wirklichkeit ist „Heat“ doch einfach nur der Film, in dem Al Pacino und Robert De Niro endlich mal in ein paar (also eigentlich genau in einem Paar Szenen) gemeinsam vor der Kamera stehen. Damit übertrifft „Heat“ dann ja auch „The Godfather II“, wo beide Leinwand-Ikonen zwar mitspielen, aber nie gemeinsam. Das ist doch der große Selling-Point von „Heat“. Mehr nicht…

Denn die Story, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht, ist relativ simpel… um nicht zu sagen sehr simpel. Neil McCauley (De Niro) überfällt alles, was ihm Geld einbringt. Mit seiner Crew (Val Kilmer, Tom Sizemore, Danny Trejo) führt er seine Dinger durch, die natürlich vorher bis ins kleines Detail geplant sind. Doch bei einem Ding geht was schief, Neuzugang Waingro (Kevin Gage) erschießt einen Wachmann, woraufhin auch die anderen beiden getötet werden. Und so gerät McCauleys Gang ins Visier von Ermittler Vincent Hanna (Pacino), der daraufhin alles daran setzt, McCauley dingfest zu machen.

Batman und Robert gehen auf Jagd…

Was man Michael Mann und damit natürlich auch „Heat“ wirklich hoch anrechnen muss, ist natürlich die Machart und die Überfälle. Das fängt mit dem ersten an, wo ein Geldtransport ausgeraubt wird. Schon hier wird deutlich, dass Mann neben Präzision auch sehr auf Realismus setzt… statt ordentlich ausstaffierten Sets wurde für „Heat“ immer direkt vor Ort gedreht. Also mitten auf der Straße… und das treibt Mann dann mit einem grandiosen Banküberfall gekonnt auf die Spitze. Wenn hier dann plötzlich alles schief geht und McCauley und seine Bande unter einem wahren Kugelhagel fliehen müssen, dann ist das absolut packendes Action-Kino. Das Wummern der Waffen, die kreischenden Menschen und mittendrin Polizei und Ganoven… Mann inszeniert das rasant, die Kamera immer direkt an den Personen, als würde man selbst geduckt hinter Autos springen und auf wen auch immer schießen. Hier geht die Welt dann mal eben im Chaos der Maschinengewehre unter, das Röhren und Knallen der Waffen wird wie eine Art Donnergrollen – „ohrenbetäubend“ wäre da noch eine milde Untertreibung. Allein für diese Szene lohnt sich der Film allemale…

Aber das sind halt nur zwei Szenen, denn Rest des knapp drei Stunden langen Films füllt Mann mit menschlichen Geschichten… und an denen störe ich mich ehrlich gesagt am meisten. Also sie stören mich nicht wirklich, aber sie wirken so belanglos und künstlich aufgebauscht. Hier bekommen wir nämlich so ein bisschen das Privat-Leben dieser Männer mit, die sich hier jagen. Und im Endeffekt bekommen wir dreimal (für Pacino, De Niro und Kilmer) das Gleiche serviert: Alles soll McCauleys Philosophie unterstreichen, dass der echte Bankräuber eigentlich innerhalb von 30 Sekunden in der Lage sein muss, alles hinter sich zu lassen. Und mit den Stories hinter den Männern zeigt uns Mann, wie schwer das ist.

Das ist zwar sehr lobenswert, funktioniert für mich aber nicht, weil ich gerade die Darstellerinnen und ihre Charaktere so sehr plakativ finde. Und trotz der langen Laufzeit geht Mann hier auch nicht wirklich in die Tiefe… die mir dann übrigens auch bei den Ziehpferden dieses Films fehlt – Pacino und De Niro.

De Niro wirkt mir in diesem Film am blassesten von den beiden, aber insgesamt sind beide nicht so auf ihrem Niveau. Eigentlich spielen beide ja die gleiche Rolle, nur ist halt einer gut und der andere böse. In den beiden Szenen, die sie zusammen haben, merkt man schon, was sich hier für Kaliber gegenüber sitzen, aber ansonsten haben sie nicht viel, um ihre Rollen mit Leben zu füllen. Man erfährt eigentlich nie wirklich viel über einen von ihnen. Pacino wütet halt in bester Pacino-Manier rum und De Niro ist eher der, der den kühlen Kopf bewahrt… also genau das, was die beiden eigentlich meist sonst auch spielen.

Ich weiß, das ist sicherlich Meckern auf hohem Niveau, aber Manns simple Story bleibt halt einfach sehr simpel… und war mir für die knapp drei Stunden dann einfach doch nicht abwechslungsreich genug. Ich kam mir immer eher vor als würde ich eine ziemlich lange Mission aus „GTA“ spielen…

Wertung: 7 von 10 Punkten (einer dieser Klassiker, den ich wohl so schnell nicht noch ein zweites Mal schauen werde)

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7 Kommentare leave one →
  1. 6. Juli 2015 09:31

    Schade, dass der Film bei dir nicht so gezündet hat. Ich mag ihn wirklich sehr! Mit den jüngeren Manns (die alle digital gedreht wurden) kann ich dagegen nichts mehr anfangen. Dieser hier ist aber klassisches Kino in bester Tradition.

    • donpozuelo permalink*
      6. Juli 2015 10:54

      Von den jüngeren Mann-Filmen habe ich auch nicht wirklich viele gemocht. „Public Enemy“ und „Miami Vice“ fand ich echt anstrengend… dafür mochte ich „Collateral“ sehr. „Heat“ ist schon irgendwie geil, aber ja… es hat nicht so richtig gezündet…

      • 6. Juli 2015 10:58

        Ja, „Collateral“ war noch ziemlich gut, das stimmt. Der wurde aber auch nur in den Nachtszenen digital gefilmt, soweit ich das richtig in Erinnerung habe…

        • donpozuelo permalink*
          6. Juli 2015 15:46

          Was ja dann aber auch der ganze Film ist… der spielt doch eh in einer einzigen Nacht, oder nicht??? Den müsste ich echt mal wieder gucken. Ist auch schon ein bisschen her.

  2. 8. Juli 2015 12:41

    Ich mochte ihn, kann mich aber an nichts erinnern außer dem Überfall und dem Ende – spricht nicht gerade für ihn. Von daher kommt die Wertung wohl hin.

    „Collateral“ mochte ich übrigens auch sehr; da wäre wohl auch mal eine Zweitsichtung angebracht.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2015 11:39

      Ich mag ihn ja auch irgendwie, aber mehr als die beiden von dir genannten Sachen bleiben wirklich nicht im Gedächtnis. Vielleicht noch die Szene, wenn sie sich im Diner unterhalten… naja…

      „Collateral“ muss ich auch unbedingt noch einmal schauen…

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