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Der Winter ist da!!!

19. Juni 2015

„Game of Thrones“ ist die Serie geworden, bei der man einzelne Staffeln an einzelnen Ereignissen festmachen kann. Staffel 1 hatte den Tod von Ned Stark, Staffel 2 die Schlacht von Blackwater, Staffel 3 die viel gerühmte und berüchtigte „Red Wedding“. Staffel 4 machte dann ein bisschen mehr und sorgte mit verschiedenen Ereignissen für Denkwürdiges… Joffreys lang erwarteter Tod war nur einer davon. Tja, und jetzt sind wir bei Staffel 5 angekommen… und Staffel 5 wird mir wohl wegen drei „Ereignissen“ in Erinnerung bleiben.

Das ist einmal der (in meinen Augen unnötige) Shitstorm zu der Vergewaltigung von Sansa Stark (Sophie Turner). Ich meine, mal ehrlich, wir haben in dieser Serie schon krassere und schlimmere Sachen gesehen und dann regt sich das halbe Internet über so was auf. Ich dachte damals erst noch: „Oh Mann, was wird wohl passieren?“ und als ich es dann mit eigenen Augen sah, wurde mir nicht so ganz klar, was der ganze Aufruhr sollte. Die Szene passte zur Serie, zur Entwicklung von Sansa und natürlich auch zu Ramsey Bolton (Iwan Rheon). Also irgendwie unnötig, sich darüber aufzuregen und Feuer und Modrio zu schreien! Ist halt „Game of Thrones“, wer jetzt immer noch nicht mit so was klar kommt, hat die Serie noch nicht so ganz verstanden und sollte wohl besser aufhören.

Das zweite und für mich viel interessantere Ereignis war die Tatsache, dass in Staffel 5 selbst eine Leseratte wie ich nicht mehr vorhersehen kann, was da so kommt. Denn schließlich überschreiten wir das erste Mal den Punkt, an dem die Serienmacher sich noch von den Büchern inspirieren lassen können. Staffel 5 überholt George RR Martin endgültig und muss nun alleine klarkommen.

Und ich weiß nicht so recht, ob das wirklich so passt. Denn einige Veränderungen waren mir dann doch zu extrem. Nehmen wir allein die „Dorne-Expedition“ von Jamie (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn). In den Bücher ist es ja nicht einmal Jamie, der nach Dorne reist, um seine Tochter Myrcella (Nell Tiger Free) zu befreien. Und irgendwie merkt man diesen Handlungssträngen auch an, dass sie „frei erfunden“ sind. Sie sind nur kleine Nebenhandlungen, die nicht einmal besonders spannend sind, da sie nie wirklich etwas aufregendes zu bieten haben. Da geht man hin, kämpft ein bisschen, redet ein bisschen und das war’s. Statt diesen Hass der Töchter von Oberyn (der ja in Staffel 4 auf spektakuläre Weise umgebracht wurde) mehr auszubauen, bekommen wir hier nur recht plakative Darstellungen, die mal eben schnell eingebaut wurden, damit man mehr zu erzählen hat.

Komm zu Mama!!!

Aber auch dass Tyrion (Peter Dinklage) und Daenerys (Emilia Clarke) sich jetzt schon treffen, fand ich etwas flach inszeniert. Klar müssen sich die beiden irgendwann ja auch in den Büchern über den Weg laufen, aber ich hoffe, Martin macht da ein bisschen mehr draus.

Insgesamt ist Staffel 5 schon immer noch spannend, aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, als wären einige der großen Schockmomente bewusst in die Serie geschrieben worden, um für möglichst viel Aufsehen zu sorgen. Denn eigentlich hat sich in der Geschichte nicht so viel getan. Es stagniert gerade alles so ein bisschen, es ist zwar immer noch spannend, aber mir fehlt eine etwas krassere Vorwärtsbewegung in der Serie. Schließlich haben die Macher jetzt das Zepter in der Hand… aber vielleicht ist auch das genau das Schwierige: Schließlich müssen sie den Charakteren und der Handlung gerecht werden, ohne wirklich zu wissen, was sie da machen. Vorher konnten sie sich auf den Büchern ausruhen… jetzt nur noch auf Notizen und Bemerkungen von Martin selbst (der jetzt hoffentlich endlich mal sein Buch fertig bekommt… hat er doch für diese Staffel keine Drehbücher geschrieben und will ja wohl auch für die nächste nichts schreiben. Mach hin, Martin!!!)

Und damit kommen wir dann zu Ereignis Nummer 3. Dem großen Finale, das selbst mich kalt erwischt hat. Eine Finale, bei dem man sich schon fragt, was hier eigentlich gerade passiert. Ein kleiner Ausraster der Schreiber, ein kleiner Ausraster der Serie… so krasse Cliffhanger hatte die Serie bisher ja eigentlich gar nicht nötig. Ich fühlte mich an das Finale von „Hannibal Staffel 2“ erinnert… die Frage, wer noch am Leben ist und wer nicht, ist zwar schon ziemlich cool, aber es wirkte auch alles ein wenig sehr danach, als wollte man noch einmal ordentlich für Furore sorgen… vielleicht um sicher zu gehen, dass die Leute auch bei Staffel 6 noch dabei sind.

„Game of Thrones“ ist in seiner fünften Staffel etwas langsamer geworden, aber ich schiebe das jetzt einfach mal darauf, dass die Macher jetzt keinen handfesten Rückhalt durch Martins Bücher mehr haben, weil die ja noch nicht fertig sind. Die Intrigen gehen ein bisschen zurück und das Offensichtliche sticht mehr hervor… hoffen wir mal, dass sich das wieder ein bisschen fängt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (wir verlassen Buch-bekanntes Territorium und begeben uns auf Neuland…)

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12 Kommentare leave one →
  1. 19. Juni 2015 12:17

    Es gab einen Shitstorm wegen der Vergewaltigung? Hab mal wieder nichts mitbekommen. Ich bin ja immer für sehr genaues Hinsehen hinsichtlich der Inszenierung von sexueller Gewalt – aber hier habe ich mich tatsächlich nicht aufgeregt. Denn der Charakter vom Bastard muss ja so handeln. Dem hätte man unmöglich eine halbwegs menschliche Hochzeitsnacht auf den Leib schreiben können. Und dass er komplett auf den sansamäßigen Beischlaf verzichtet, wäre auch keine logische Option gewesen. Der Mann ist Sadist. Wie hätte er anders handeln können als so?

    • donpozuelo permalink*
      19. Juni 2015 12:43

      Ja, gab’s und ich habe es halt einfach nicht verstanden. Es ist ja, wie du sagst, einfach nur „logisch“ und von den Charakteren her vollkommen nachvollziehbar. Und es wurde ja jetzt auch nicht voyeuristisch, extrem dargestellt… aber es gab halt wieder Leute, die laut aufgeschrieen haben, wie man denn nur könnte und dass GoT eine Grenze überschritten hätte und sie die Serie jetzt nicht mehr gucken würden. Verstehe sowas nicht… wenn da Schwangere ermordet und Kinder aus Türmen geworfen werden, ist das okay, oder wie? Die Leute sind halt alle ein bisschen merkwürdig… Scheiß Doppelmoral…

  2. 19. Juni 2015 19:05

    als ich es dann mit eigenen Augen sah, wurde mir nicht so ganz klar, was der ganze Aufruhr sollte

    Kann ich nur unterschreiben. Staffel 5 war – dem Zufall bedingt – nun meine erste Staffel der Serie, von der Vergewaltigung hörte man viel und als sie dann kam, dachte ich, man will mich wohl vera***en. Das war Kinderfasching im Vergleich zu sowas wie „Irréversible“ 😀

    Auch das mit der Stagnation empfand ich so, obschon ich die Bücher (und anderen Staffeln) gar nicht kenne. Dorne war, wie du sagst, sehr… unspannend. Vielleicht dadurch bedingt, dass es extra erfunden ist (?). Dagegen mochte ich die Szene(n) zwischen Dinklage und Clarke sehr gerne. Einfach hinsetzen und babbeln – da erscheint mir die Serie am Besten drin.

    • donpozuelo permalink*
      21. Juni 2015 21:37

      Das mit der Szene und dem folgenden Shitstorm war echt überflüssig… Doppelmoral wieder…

      Dinklage und Clarke sind wirklich gerade so das Beste an der ganzen Serie. Die beiden zusammen funktionieren wirklich gut. Bin mal gespannt, wie sich das noch entwickelt.

  3. olivesunshine91 permalink
    20. Juni 2015 17:57

    Das mit dem Aufruhr fand ich auch völlig banane – ich meine, wir sind in Staffel 5, da sind bei weitem schlimmere Dinge in den vergangenen Staffeln passiert. Vor allem ist es ein bisschen scheinheilig, sich über die ganzen Vergewaltigungsszenen zu beschweren, wenn gleichzeitig niemand ein Wort über die Gewalt an den ganzen Männern verliert. Ich mein, die Sache mit Theon oder Ned oder Oberyn finde ich mindestens genauso schlimm.

    • donpozuelo permalink*
      21. Juni 2015 21:38

      Eben. Gerade die Folter, die Theon erleiden muss, ist schon ziemlich hart… ich will das andere nicht beschönigen oder so, aber im Vergleich zu all dem anderen, was „GoT“ schon gezeigt hat, war das echt „minimal“…

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