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Der 1001. Film

15. Juni 2015

Ich habe zwar schon meinen tausendsten Artikel zelebriert, aber jetzt gibt es noch eine 1000-Grenze, die ich durchbrochen. Und zwar den tausendsten Film, den ich besprochen habe bzw. die tausendste Rezension, die ich geschrieben… denn irgendwo stecken ja in diesen ganzen Rezensionen auch noch ein paar Serien. Somit stimmt das mit dem 1000. Film vielleicht auch nicht so ganz, aber zum Zwecke des Selbstfeierns sagen wir einfach mal, dass „R – Gnadenlos hinter Gittern“ mein 1000. Film gewesen ist. Zumindest die 1000. Rezension… bleibt jetzt nur noch die Frage, wie man diese Ära des Neuen angeht. Zelebriert man sie mit einem alten Klassiker oder einem Neuling? Oder zelebriert man sich gar nicht??? Ich finde schon… ein bisschen Selbstbeweihräucherung tut immer ganz gut. Aber dazu musst der passende Film her… Da ich das mit dem 1000. Film jetzt irgendwie ein bisschen verpennt habe (in Betracht darauf, etwas Besonders vorzubereiten), gibt’s jetzt einen Film, der vielleicht nicht unbedingt passend ist, aber trotzdem verdammt sehenswert.

Foto-Finish (draufklicken, wer’s nicht glaubt 😀 )

Und dieser Film ist „Good Kill“. Der Film vereint „Gattaca“-Regisseur Andrew Niccol mit seinem damaligen Star Ethan Hawke, der in „Good Kill“ einen Drohnen-Piloten spielt. Eigentlich ist Major Thomas Egan (Hawke) ein echter Jet-Pilot, der auch den „Need for Speed“ fühlt und lieber mit seinem Flieger durch die Luft gleiten würde. Statt dessen hockt er in einem Container in einem Außenbezirk von Las Vegas mit seiner Crew (u.a. Bruce Greenwood, Zoe Kravitz) und steuert Drohnen im Nahen Osten. Ohnehin schon nicht glücklich mit seiner Arbeit, kommt irgendwann der CIA (hier liebevoll „Christians in Action“ genannt) dazu und verlangt von Egans Team absurde Abschüße, bei denen sie dann selbst noch den Abzug drücken müssen, wenn die Helfer vor Ort eingetroffen sind. Und diese Probleme schleppt Egan dann natürlich auch noch mit nach Hause, wo Ehefrau Molly (January Jones) damit zu kämpfen hat, dass ihr Mann sich ihr nie offenbart.

Darf man über sowas jetzt nen Witz machen???

„Good Kill“ ist die Art Antikriegsfilm, die „American Sniper“ wohl gerne gewesen wäre, aber nie geworden ist. Und warum schafft es „American Sniper“ dann in die Kinos und „Good Kill“ nicht? Naja, zum einen ist der große Sniper ein amerikanischer Held, dessen Geschichte vom amerikanischen Helden Clint Eastwood verfilmt und mit All-American-Sweetheart Bradley Cooper verfilmt wurde. „Good Kill“ dagegen legt keinen Wert darauf, Amerika abzufeiern, sondern legt vielmehr den Finger auf die ohnehin schon schmerzende Wunde. Schließlich redet man gerne über die tollen Errungenschaften eines Snipers, aber ungern darüber, dass irgendwelche Typen an ihren Joysticks in den USA hocken und tausende Kilometer entfernt Menschen töten.

„Good Kill“ schafft es, uns den Horror Drohnenkrieg auf äußerst schmerzliche und erschreckende Weise vor Augen zu führen. Denn ja, irgendwie wird hier Krieg zu einem Video-Spiel, bei dem der Schütze in bester First-Person-Shooter-Manier gemütlich vorm Bildschirm sitzt und Leute abknallt. Nur im Gegensatz zum Spiel gibt’s keinen Neustart, und wenn plötzlich Frauen oder Kinder ins „Bild laufen“, dann sterben die auch. Und Egan und seine Crew können nur zusehen. Das Ganze wird dann noch extrem auf die Spitze getrieben, wenn die Aufträge der CIA Morde verlangen, die nicht einmal mehr auf was auch immer für scheinheiligen Beweisen geordert werden.

Andrew Niccol schafft es neben den wirklich erschreckenden Bildern auch gute, glaubwürdige Charaktere zu zeigen. Ja, Ethan Hawke überzeugt als innerlich gequälter Major, der einfach nicht damit klarkommt, dass es für ihn keine wirkliche Trennung mehr zwischen Krieg und Heimat gibt, weil er diesen Krieg ja direkt in der Heimat führt. Hawke, der mich ja mittlerweile schon häufiger begeistert (ich sage nur „Predestination“) überzeugt als leidender Soldat tausendmal mehr als ein gewisser Mr. Cooper. Dazu kommt aber auch, dass Niccol aber nicht nur auf dieser Schiene fährt, sondern mit zwei von Hawkes Crew-Mitgliedern auch die vielleicht allgemein gültigere Meinung der Amerikaner zum Krieg kundtut: Nach dem Motto „Nur wenn wir aufhören, die zu töten, werden sich nicht aufhören, uns zu töten!“ spiegelt diese kleine Crew von Drohnen-Piloten auch die Irrsinns-Theorie des Krieges wieder, nach der das Töten einfach immer weitergeht, bis vielleicht am Ende gar keiner mehr da ist. Und das es halt auch die Leute gibt, die das gut finden.

„Good Kill“ ist wirklich ein spannendes und bewegendes Psychodrama, das nicht nur sehr passend unangenehme Fragen zur ganzen Drohnen-Politik stellt, sondern auch sehr zum Nachdenken anregt. Andrew Niccol hat hier viel eher einen Antikriegsfilm gedreht als Eastwood mit „American Sniper“.

Wertung: 9 von 10 Punkten (gruselige Vorstellung… Krieg als Video-Spiel)

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15 Kommentare leave one →
  1. 15. Juni 2015 10:18

    Wow, gratuliere zu den 1000 Filmbesprechungen! Da muss ich erst noch hinkommen… 🙂

    Der Film klingt auch interessant. Kennst du von Niccol eigentlich auch „Lord of War“? Der soll ja ähnlich kriegskritisch bzw. fast schon satirisch sein. Habe ich ganz frisch in der Sammlung und bin schon sehr gespannt darauf.

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2015 12:30

      😀 Danke, danke!!!

      „Lord of War“ kenne ich auch und fand ihn damals (müsste ihn tatsächlich auch noch mal gucken) sehr gut. Gute Performance von Nic Cage und eine tolle kritische Sichtweise auf dieses ganze Waffenhändler-Dasein… auch gut unterlegt mit Satire und Ironie. Etwas, dass „Good Kill“ jetzt nicht hat, aber auch nicht braucht.

      • 15. Juni 2015 13:15

        Danke für deine Einschätzung. Werde berichten, wenn ich den Film gesehen habe! 🙂

        • donpozuelo permalink*
          15. Juni 2015 14:42

          Gerne… muss den auch unbedingt mal wieder gucken. Dann am besten zeitgleich veröffentlichen, damit keiner vom anderen abschreiben kann 😀

  2. 15. Juni 2015 19:46

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser ziemlich beeindruckenden Zahl! O_O Zahlentechnisch hättest du ja auch etwas aus der Rubrik „1001 Nacht“ oder so nehmen können. Ein orientalisches angehauchtes „Ich werde immer weiter bloggen!“ quasi. 😉

    Über Drohnen hab ich doch letztens noch was gelesen … Genau, Gamer wurden zeitweise in den USA als Drohnenkrieger rekrutiert, weil die so gut darin waren per Fernsteuerung Ziele zu treffen …
    Es gibt sogar eine Doku darüber: http://www.dronethedocumentary.com/about/ Nur falls dich das Thema weiter beschäftigen sollte. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      16. Juni 2015 07:12

      Danke, danke. Ja, an sowas hatte ich auch erst gedacht, aber dann nicht wirklich was parat (ich hätte höchstens Disneys Aladdin nehmen können 😉 )

      Danke auch für die Doku, werde ich mir mal demnächst anschauen… und das mit dem Rekrutieren von Gamern wird auch in „Good Kill“ thematisiert, weil es ja einfach auch auf absurde Art und Weise Sinn macht… gruselig…

      • 16. Juni 2015 07:57

        Aladdin, wohoo! 😀 Aber stimmt, das ist wohl nicht gerade die umfassendste Filmsparte.
        Ja, deswegen kam ich drauf. Ups, bei meinem Kommentar klingt das so als hättest du nie was davon gehört, das war aber mehr so meine Grübelei, wo ich davon schon mal gehört hab. ^^‘ Ich glaub es war in der „Wired“ …
        Sehr sehr gruselig. O.O Du kannst ja berichten, wie die Doku so ist, wenn du sie dir anschaust. Ob demnächst auf Gamesmessen Stände der Bundeswehr stehen oder so …

        • donpozuelo permalink*
          16. Juni 2015 23:38

          „Aladdin“ kommt auch noch… keine Sorge!!!

          Das mit den Games-Messen ist wahrscheinlich gar nicht mal so unrealistisch. Könnte mir gut vorstellen, dass da sicherlich ein paar Scouts von denen rumlaufen, um sich mal so potentielle Kandidaten anzuschauen. Wie gesagt, mehr oder weniger genau so wird es im Film ja auch beschrieben.

        • 17. Juni 2015 20:45

          Na dann bin ich ja beruhigt! ^.^
          Auch wenn ich mich damit wiederhole: Gruuuuselig! O_O Dass so eine Freizeitbeschäftigung dann plötzlich zu einem, nun ja, „Tötungsauftrag“ werden kann …

  3. 15. Juni 2015 20:33

    Oha, 1000 Rezensionen, das ist ein gutes Stück! Glückwunsch dazu!
    „Good Kill“ steht noch aus, aber ich bin etwas zwiegespalten. Bin mal gespannt wie er mit der Thematik umgeht. Deine Kritik macht zumindest Lust, sich den genauer anzusehen.

    • donpozuelo permalink*
      16. Juni 2015 07:13

      Danke!!!

      Aber bei „Good Kill“ musst du wirklich nicht zwiegespalten sein. Der Film ist wirklich gut, macht sehr nachdenklich und verdient die Bezeichnung „Antikriegsfilm“ wirklich… das hier ist keine patriotische Verneigung vor irgendwas wie „American Sniper“.

      • 16. Juni 2015 12:24

        Okay, dann gehe ich da mit weniger Bedenken ran. Danke schön!

        • donpozuelo permalink*
          16. Juni 2015 23:38

          Immer wieder gerne!!!

  4. 15. Juni 2015 22:46

    Nicht schlecht! Alles Gute zu den 1000! Und du hast natürlich einen guten Film gewählt, einer meiner Favoriten im vergangenen Jahr. Der Film liess mich lange nicht los.

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