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Hinter dänischen Gardinen

12. Juni 2015

Gefängnisfilme, die uns aus Hollywood erreichen, sind mittlerweile so vorhersehbar und Klischee behaftet, dass man schon weiß, wie das Ding ausgeht, bevor es überhaupt angefangen hat. Wenn es nicht der zornige und hinterhältige Gefängnis-Direktor ist, dann sind es bestimmte Gruppen von Insassen, die nichts lieber tun, als den Neuling im Knast mal so richtig ranzunehmen. Was ja dann auch immer wieder so ein Klischee ist, dass die alle sofort auf Frischfleisch aus sind… aber es muss ja zum Glück nicht immer so sein. Vor allem, wenn man sich mal einen Gefängnisfilm nimmt, der nicht aus Hollywood kommt. Man muss sich nur mal bei uns in der Gegend umschauen bzw. einfach mal in den Norden schauen. Noch genauer gesagt sollte man sich da mal den dänischen Film „R – Gnadenlos hinter Gittern“ anschauen (dieser furchtbare deutsche Zusatz zum dänischen Original-Titel „R“ ist wieder einfach nur furchtbar, aber da muss man in diesem Fall mal wohlwollend hinwegschauen).

Rune (Johan Philip Asbaek) wandert für zwei Jahre in den Knast. Um nicht selbst Opfer der gewaltbereiten Insassen zu werden, muss sich Rune unterordnen und sich den Schikanen der älteren Knastbrüder stellen. Doch als er mit dem jungen muslimischen Gefangenen Rashid (Dulfi Al-Jabouri) einen Weg findet, wie er ohne größere Schwierigkeiten Drogen zwischen den dänischen und muslimischen Gefangenen schmuggeln kann, wächst sein Ansehen bei Anführer Carsten (Jacob Gredsted). Nur wo er bei dem einen an Ansehen erlangt, fangen andere an, ihn noch mehr zu hassen. Und Rune gerät schnell unter Druck.

Der dänische Eminem… nur ohne Rap und Oscar…

„R“ ist ein Film aus dem Land des Dogma-95 und genau so fühlt er sich auch an. Ganz wie es das Dogma 95 verlangt, wird an Original-Schauplätzen gedreht ohne viel Schnickschnack. Schließlich fordert das Dogma, dass Lars von Trier und einige andere dänische Regisseure 1995 aufgestellt haben, dass der Film so realistisch wie möglich aussehen soll. Kein Extra-Licht, möglichst die Verwendung von Handkameras, um nah am Geschehen zu bleiben. Was den Realismus angeht, so bleiben auch die Regisseure Tobias Lindholm und Michael Noer dem Dogma treu. „R – Gnadenlos hinter Gittern“ wirkt wie ein Dokumentarfilm, bei dem das Team immer dicht an Rune bleibt. Hier fühlt man sich förmlich mit ihm in die enge Zelle gequetscht. Der Dokumetar-Stil wird noch durch die Location verstärkt, denn statt Studio-Kulisse wurde wirklich in einem Gefängnis gedreht. Und das wird einem schon beim Eintreten als trister Ort vorgestellt.

Wo „R“ dann doch vom Dogma 95 abweicht, ist die Tatsache, dass Gewalt und Morde nicht unterschlagen werden. Denn auch was das angeht, versuchen die beiden Regisseure nichts zu beschönigen. So muss Rune gleich als erstes einen der muslimischen Insassen krankenhausreif prügeln, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden. Auch wenn der Film mit Gewalt nicht spart, wird sie nie nur zur reinen Show gezeigt, sondern immer nur, um deutlich zu machen, in was für einer Welt Rune leben muss. Diese Welt im Knast ist in zwei Lager geteilt: die Dänen und die Muslime, die sich untereinander nicht ausstehen können und dann gibt es in jedem Lager natürlich die übliche Hackordnung, der man sich unterordnen muss. Wer das nicht hinnehmen will, kann sich gleich verabschieden. Somit bekommen wir auch einen interessanten Blick hinter die Gefängnismauern, was – als der Film in Dänemark erschien – für ordentlich Diskussion sorgte, basiert doch viel von dem Gezeigten auf wahren Begebenheiten.

Realismus, Realismus, Realismus… die drei Zauberworte für diesen Film. Weswegen bis auf Hauptdarsteller Johan Philip Asbaek alle anderen Darsteller auch ehemalige Wärter und Insassen sind. Das kommt dem Film zugute, denn diese ganzen tätowierten Muskelberge wirken äußerst furchteinflößend, wenn man sie das erste Mal zu Gesicht bekommt. Da möchte man sich in der Zelle unterm Bett verkriechen… umso mehr fiebert man mit Rune bei jedem Gang mit, den er außerhalb seiner Zelle tut. Aber es herrscht nicht nur Angst, gerade zur Mitte hin scheint sich das Leben für Rune ja auch zum Guten zu wenden. Nur leider hält uns der Film auch immer auf dem Boden der Tatsachen… und so schön es vielleicht auch sein mag: Wir sind und bleiben im Knast. Und hier ist das Leben nie wirklich schön!

„R“ ist ein guter Film, ein krasser Film, der ohne viel Schnickschnack zu überzeugen weiß. Ein Gefängnisfilm, der weniger wie eine Fiktion als vielmehr wie eine Doku wirkt. Gnadenlos und verdammt hart!

Wertung: 9 von 10 Punkten (soll ich jetzt mal noch ein Buchstaben-Wort-Vergleich bringen??? R wie richtig richtig krass)

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