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Totgeglaubte leben länger

8. Juni 2015

Ich habe ja mit Serien-Untoten (sprich: mit „The Walking Dead“) schon vor geraumer Zeit aufgehört. Und irgendwie finde ich auch, dass dem ganzen Thema wirklich so ein bisschen der Biss fehlt (Wortwitz-Alarm). Die Viecher sind mittlerweile auch schon genauso ausgelutscht wie Vampiere (Wortwitz-Alarm). Vielleicht ist es also mal Zeit für was anderes… und zum Glück hat mich Xander (schon vor Ewigkeiten) auf eine andere Serie gebracht, die ich jetzt endlich mal geguckt habe… und zwar die französische Serie „Les Revenants“ (oder eingeenglischt: „The Returned“).

Dabei muss man allerdings vorsichtig sein, denn „Les Revenants“ hat jetzt nicht wirklich was mit Untoten zu tun, und schon gar nichts mit Zombies. Stattdessen kehren hier die Totgeglaubten einfach quicklebendig zurück. Die Erste, die wir kennenlernen, ist die junge Camille (Yara Pilartz), die eigentlich vor vier Jahren bei einem Busunglück starb. Doch jetzt steht sie auf einmal wieder in der Küche… und kann sich offensichtlich an nichts erinnern. Für sie sind die letzten vier Jahre nicht passiert. Und Camille bleibt in der kleinen französischen Bergstadt nicht die Einzige, die von den Toten zurückkehrt.

Lebhaftes Familienfoto mit einer Toten…

Wie gesagt, „Les Revenants“ handelt nicht wirklich von Zombies. Niemand frisst in dieser Serie Hirn oder beißt andere Menschen. Denn „Les Revenants“ ist jetzt auch bei weitem keine Horror-Serie, sondern viel mehr Drama mit einem besonderen Twist. Der Twist sind halt die Wiedergekehrten und das Drama ist, was dieser Twist mit den Menschen so anstellt.

Die Serie präsentiert uns mit mehreren Wiedergekehrten und zeigt spannend auf, wie deren Familien-Mitglieder, aber auch die vermeintlich Toten selbst, mit der neuen Situation umgehen. Schließlich waren einige vier, andere sehr viel mehr Jahre tot. Und in dieser Zeit verändern sich natürlich gewissen Beziehungen. So versuchen Camilles Eltern ihre Trennung vor der Tochter geheimzuhalten, was natürlich nicht so einfach ist.

Und hier entfaltet „Les Revenants“ dann seinen wahren Zauber. In den wunderbar geschriebenen Charakteren und ihren Geschichten zeigt sich die größte Stärke der Serie. In vollkommener Ruhe, ohne sich zu hetzen, entspinnt die Serie die verschiedenen Dramen, erzählt stark von menschlichen Gefühlen, von Schuld, von Verzweiflung, von den Wünschen und Träumen seiner Protagonisten. Dabei bleibt „Les Revenants“ aber oft auch sehr geheimnisvoll, einige Geschichten werden ausgeschlachtet, andere weniger. Einige Charaktere – gerade der wiedergekehrte Junge Victor (Swann Nambotin) – sind unheimlich, weil man so wenig über sie weiß, sie aber alles zu wissen scheinen.

Doch verraten will „Les Revenants“ auch nicht wirklich viel. Das macht dann einen zusätzlichen Reiz aus. Nur in winzigen Bruchstücken bekommen wir neue Puzzle-Teile geliefert, die ein bisschen was über die Vergangenheit der Personen und auch die Stadt offenbaren. Denn das kleine Städtchen an einem idyllischen Staudamm hat eine düstere Vergangenheit, die vielleicht etwas mit den Wiederkehrern zu tun haben könnte. Und hier würde ich dann wohl meinen einzigen Negativ-Punkt der Serie anbringen:

Über acht Folgen erstreckt sich das Mysterium um die Toten, die wiederkehren. Dann scheint sich auch noch die Tierwelt merkwürdig zu verhalten und irgendwas stimmt auch nicht mit dem Damm. Und irgendwann kann niemand mehr die Stadt verlassen… doch so sehr man sich auch den Kopf darüber anstrengen mag und alles, was man weiß, zusammenfügt, eine halbwegs zufriedenstellende Antwort bekommt man in dieser ersten Staffel leider nicht. Auch nicht im Finale. Und das empfand ich schon als kleinen Schlag in die Magenkuhle… denn auch wenn ich sicherlich nicht alles auf dem Silbertablett serviert haben möchte, wären doch zumindest ein paar etwas offensichtlichere Hinweise sehr nett gewesen.

Aber gut… das tut der Serie jetzt aber auch nicht so weh, denn sie schafft es wirklich von Anfang an, einen vollkommen in den Bann zu ziehen. Und das nur durch die wirklich starken Charaktere und deren Geschichten, die sich zu einem schönen Geflecht verbinden. „Les Revenants“ ist auf jeden Fall eine Serie, die man weiterverfolgen kann… allerdings frage ich mich, ob ich dem amerikanischen Remake auch eine Chance geben soll???

Wertung: 8 von 10 Punkten (unaufgeregt aufregende Serie über Tote, die so gar nicht tot sein wollen)

P.S.: „Les Revenants“ hat neben all dem auch noch ein bezauberndes Intro und einen verdammt guten Soundtrack zu bieten… nur, um das mal so am Rande zu bemerken.

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12 Kommentare leave one →
  1. 8. Juni 2015 07:16

    Freut mich, dass dir die Serie ebenfalls gefallen hat. Bin auch schon sehr auf Staffel 2 gespannt, aber jetzt hat man ja erst mal „Resurrection“ zur Überbrückung…

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2015 09:05

      Ja, auf jeden Fall. Danke für den Tipp 😀 Und ich bin schon sehr gespannt auf die zweite Staffel. Hoffentlich lässt das nicht mehr so lange auf sich warten. Von „Resurrection“ habe ich noch gar nichts gehört… klingt aber erstaunlich ähnlich. Ich überlege ja eher, ob ich mal einen Blick auf das US-Remake von „Les Revenants“ riskiere…

      • 8. Juni 2015 13:06

        Wobei ich jetzt gar nicht wüsste was die anders machen könnten oder sollten. Wenns hier mal irgendwo läuft ok, aber sonst werd ichs mir wohl nicht ansehen.

        • donpozuelo permalink*
          8. Juni 2015 15:13

          Ich glaube, ich werde zumindest mal den Piloten gucken… aus reiner Neugier.

  2. 8. Juni 2015 21:16

    Ja, der Mogwai-Soundtrack passt perfekt zur Stimmung der Serie.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2015 14:49

      Dem ist nichts hinzu zu fügen. 😀

  3. 11. Juni 2015 21:04

    Oh, schöner Beitrag! Habe die Serie auch vor einer Weile geschaut und nach nur ein paar Folgen war es schon eine meiner Lieblingsserien. Bei den Punkten war ich auch etwas großzügiger, weil ich mir da so meine Theorien zur Serie zurechtgelegt habe – und die ergeben für mich natürlich total Sinn ;D. (Würden wir darüber diskutieren, würdest du die vielleicht auseinandernehmen 😉 )
    Vor ein paar Wochen habe ich angefangen immer mal eine Folge des Remakes auf Netflix zu schauen, aber ich finde es nicht so besonders. Es ist von der grundlegenden Geschichte her eine 1:1-Kopie mit einer Änderung in der Handlung, die ich sehr unsympathisch finde. Die Charaktere wurden teilweise anders angelegt und sind deutlich „konformer“ als im französischen Original. Teilweise finde ich die Änderungen misslungen. Andererseits sind die Änderungen minimal, es fällt also nur ins Gewicht, wenn man Beides kennt, denke ich. Wer zuerst das englische Remake schaut, wird wohl sehr begeistert sein. Finde ich bitter, schließlich ist es eine Kopie und mehr nicht. Ein paar mehr Fragen werden beantwortet, was für manche vielleicht ein Plus ist. Auch das bedauere ich etwas, denn ich mag es, wenn der Fantasie des Zuschauers noch ein bisschen was überlassen wird.
    Finde es aber cool, dass du Ja zu dem Original gesagt hast. Der kostengünstigere und bequemere Weg ist es ja für viele das Remake auf Netflix zu schauen. Das bedauere ich dann immer etwas …

    • donpozuelo permalink*
      12. Juni 2015 10:32

      Bei sowas versuche ich eigentlich immer gern, erst einmal das Original zu schauen. Ist auch nur gerecht, wie ich finde 😀 Aber deine Theorie würde mich schon mal brennend interessieren. (Und ich würde sie, wenn überhaupt, nur nett auseinander nehmen 😀 )

      Und gut, was du so zum Remake sagst, wird mich dann doch wohl davon abhalten, es zu gucken. Ich finde es immer traurig, wenn sie es wirklich einfach nur als 1:1-Kopie machen. Hätten sie wenigstens die Vorlage genommen und die zu ihren Gunsten verändert… aber nein, Amerikaner lesen ja keine Untertitel, finden Zeug aber cool, also machen sie es einfach nach. Schade, schade… so geht denen echt was verloren. Ich freue mich auf jeden Fall schon tierisch auf die zweite Staffel.

      • 17. Juni 2015 22:42

        Jaaaa, die Einstellung gefällt mir. 🙂
        Meine Theorie war anfangs, dass wegen einer bevorstehenden Katastrophe die Toten zurückkehren, um sich von ihren Lieben zu verabschieden und sie hinüberzugeleiten. Deswegen war ihre Zeit auch begrenzt. Zum Teil denke ich das immer noch. So nach und nach hatte ich aber den Eindruck, dass sie auch die Leute abholen wollen, die dem Tod nochmal knapp von der Schippe gesprungen sind und die beschützen wollen, deren Zeit noch nicht abgelaufen hast.

        Ich hab das Remake vor ein paar Tagen zu Ende geschaut und auch am selben Tag gelesen, dass es keine zweite Staffel geben wird. Schon seit der ersten Folge hab ich Lust einen Vergleichsartikel zwischen den Serien zu schreiben. In den letzten paar Episoden gibts schon eine Menge Änderungen, ob man die sympathisch findet … hm. Ich weniger.
        Dass sie aber eine so gute Serie neu auflegen mussten, finde ich unglaublich dreist und bescheuert. Die banale Wortwahl muss hier mal sein. Das lenkt nur von der genialen Originalserie ab (und da ignoriere ich mal, dass das bereits selbst ein Remake ist) und läßt es so aussehen, als ob die Amis der absolute Oberknaller sind und ach so tolle Drehbücher schreiben… naja. Ich finds echt richtig unfair.

        • donpozuelo permalink*
          18. Juni 2015 07:17

          Deine Theorie klingt gut, so in die Richtung habe ich das auch immer vermutet. Gerade bei dem kleinen Victor kommt das ja irgendwie ganz gut zum Tragen.

          Mit dem Remake werde ich mir wahrscheinlich wirklich Zeit lassen… aber das Original selbst ist auch nur ein Remake??? Wusste ich gar nicht. Ich dachte nur, dass es auf einem Buch basiert. Interessant, interessant 😀

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