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Indianer sind voll böse!!!

22. Mai 2015

Es ist schon irgendwie interessant, wie unterschiedlich man doch Filme wahrnimmt, je nachdem wie alt man ist. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte bestimmte auf die gleiche, etwas naive Art wahrnehmen wie als Kind. Da hat man noch nicht ewig was in Sachen rein interpretiert, sondern einfach genossen, was man da filmisch vorgesetzt bekam. Da waren zum Beispiel die Indianer halt einfach böse und die Cowboys die Guten und die Welt war in Ordnung. Ich habe es geliebt, früher mit meinem Opa Western zu gucken, da konnte man sich gut unterhalten lassen – fertig.

So konnte ich dann wohl damals auch gut übersehen, was für ein krasses Arschloch John Wayne in „The Searchers“ (unsinniger deutscher Titel „Der schwarze Falke“). Nachdem sein Bruder und dessen Frau Martha von Indianern ermordet und die beiden Töchter Lucy und Debbie entführt worden sind, macht sich Ethan (John Wayne) auf die Suche nach den Mädchen. An seiner Seite das „Halbblut“ Marty (Jeffrey Hunter), den Ethans Bruder adoptiert hat. Doch die Suche nach den Mädchen soll für beide eine ziemlich lange werden…

I’m the Duke, not the Dude!!!

Wie gesagt, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, war es halt einfach nur ein cooler Western. John Wayne ist der perfekte Cowboy, ein bisschen knurrig und immer schnell an der Waffe; Monument Valley ist einfach eine tolle Kulisse und am Ende kämpfen viele Cowboys gegen die Indianer. Dass das Ganze ziemlich krass einseitig und rassistisch ist, habe ich da nicht wahrgenommen. Dass John Waynes Ethan ein engstirniger alter Bock ist, der sich nicht für andere Möglichkeiten als seine eigenen „Gelüste“ öffnen will, ist auch an mir vorbeigegangen.

Jetzt habe ich mir ja „The Searchers“ noch einmal angeschaut. Ich weiß zwar nicht, ob ich jetzt weiser bin, aber ein bisschen mit anderen Augen habe ich den Film schon betrachtet. Aber an der allgemeinen Begeisterung für diesen Western hat sich trotzdem nichts geändert… eher das Gegenteil ist der Fall, sie hat sich noch gesteigert.

Natürlich ist „The Searchers“ in seiner Darstellung von Indianern sehr schwarz-weiß. Aber man muss das Ganze vielleicht auch einfach mal als etwas sehen, was der Sichtweise von John Waynes Ethan gerecht wird. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit haben so einige Texaner im Jahre 1868 Indianer als das große Übel gesehen… und haben sich nicht daran gestört, dass Kavallerie und Co. mal einfach so ganze Stämme niederschlachten.

John Waynes Ethan ist halt Held und Schurke in einer Person… und das ist irgendwie auch das Faszinierende an der Rolle: Auf der einen Seite verachten man ihn, wenn er auch über Marty herzieht oder selbst einen toten Indianer noch entweiht. Er ist die Art von Typ, den man hassen möchte, weil er einfach so ein absoluter Sturkopf ist. Aber irgendwie schaffen es Regisseur John Ford und Wayne auch, dass man diesen Typen irgendwie versteht. Vielleicht weil man ihn auch ein bisschen bemitleidet – denn außer dieser Suche hat er ja nichts mehr in seinem Leben, was noch irgendwie Sinn machen könnte. Das ist sein einziges Lebensziel…

Dagegen steht der junge Marty, der hier zwar nobel an der Seite von Ethan steht, aber auch noch andere Optionen hätte, was immer wieder sehr schön durch eine kleine Nebenhandlung gezeigt wird: Denn während Ethan und Marty unterwegs sind, wartet die junge Laurie (Vera Miles) vergeblich zuhause auf Marty. Und obwohl er weiß, dass er sie nur fragen müsste, bleibt er nie bei ihr, sondern schließt sich seinem griesgrämigen Onkel an.

„The Searchers“ funktioniert als Western wie als Abenteuer-Film perfekt und hat sowohl epische Landschaftsaufnahmen (die schon fast an „Lawrence von Arabien“ erinnern) als auch kleine, feine Momente – so lässt Ford die heimliche Liebe zwischen Ethan und der Frau seines Bruders unausgesprochen und doch offensichtlich für alle. „The Searchers“ hat viele wunderbare Elemente, die sich zu einem wirklich sehenswerten Film zusammenfügen, der einen von Anfang an in seinen Bann zieht.

Wertung: 9 von 10 Punkten (John Wayne als grimmiger Zielloser – ein toller Western)

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5 Kommentare leave one →
  1. 22. Mai 2015 08:47

    Vielleicht ist gerade diese Schwarz-Weiß-Malerei der Grund, warum ich mit western (vor allem älteren) absolut nix anfangen kann. Wäre zumindest ne Erklärung.

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2015 09:05

      Das mag wohl sehr gut möglich sein 😉

  2. 22. Mai 2015 16:42

    Gut, man muss bei solchen Filmen auch immer den historischen Kontext im Hinterkopf behalten, bzw. überhaupt den vorherrschenden Zeitgeist. Aber stimmt schon, es ist erschreckend wie grobschlächtig viele Western mit Themen wie Rassen oder Selbstjustiz umsprangen. Da sieht man als Kind noch drüber hinweg, bzw. nimmt es gar nicht wahr und im Alter dann das Entsetzen darüber. Solange man allerdings etwas reflektierter rangeht, finde ich die Filme – harmlos ist das falsche Wort – ähm… nicht schlecht. Und etwas kindlicher Esprit schadet ja nicht.
    (Wenigstens weiß man, dass es noch verachtenswerter hätte gehen können… wenn man an den Duke und den Vietnamkrieg denkt)

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2015 17:04

      Klar, den Kontext darf man nicht außer Acht lassen. Dann kann man den Filmen ihren inneliegenden Rassismus ein wenig nachsehen. Als Kind denkt man da nicht so wirklich viel drüber nach. Da ist es dann einfach cool, wenn sich Cowboys und Indianer massakrieren.

Trackbacks

  1. Cowboys vs. Menschenfresser | Going To The Movies

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