Skip to content

Willkommen im Morgen

20. Mai 2015

Brad Bird hat bis jetzt noch nie enttäuscht. Noch nie… ob im Animationsbereich (nach wie vor ist hier „The Iron Giant“ mein absoluter Favorit) oder im Live-Action-Bereich (ich meine, sein „Mission: Impossible“ war einfach nur grandios) – Bird weiß, wie er seine Charaktere in Szene setzt und wie er uns zum Staunen bringt. Da dürfte er ja eigentlich keine Schwierigkeiten haben, uns in seinem zweiten „Realfilm“ ebenfalls zu begeistern… schließlich hat Bird ja bis jetzt noch nie enttäuscht. Aber wie wir schon seit Mr. Bond wissen: „Sag niemals nie!

Okay… ich gebe zu, das klingt hart, vielleicht, möglicherweise auch etwas zu hart. Denn enttäuschend ist sein „Tomorrowland“ nicht… verzeihung, es heißt ja bei uns „A World Beyond“ (DANKE, BELGIEN!!!). Darin entdeckt die junge Casey Newton (Britt Robertson) einen merkwürdigen Anstecker, der ihr eine andere Welt zeigt – eine Welt voller technischer Wunder. Das ist Tomorrowland. Blöd nur, dass Caseys Anstecker ihr den Trip nur einmal gewährt… um also zurück nach Tomorrowland zu kommen, braucht sie die Hilfe des Einsiedlers Frank (George Clooney), der als kleiner Junge Zugang zu diesem wunderbaren Ort hatte, jetzt aber verstoßen wurde.

Verrückt, hier gibt es auch kein Nespresso…

Man kann „A World Beyond“ ganz leicht von zwei Seiten betrachten: Man kann drüber meckern und man kann sich an dem Film erfreuen. Und weil es mir ein bisschen schwer fällt, mich jetzt schon für eine der beiden Seiten zu entscheiden, lasse ich sie erst einmal beide sprechen:

Der Meckerer:

Damon Lindelof hat durch „LOST“ auf ewig einen Platz bei mir sicher, aber mittlerweile bröckelt dieses Ansehen. Und das liegt nicht nur an „Prometheus“, sondern jetzt auch an „A World Beyond“. Kann der Mann eigentlich endlich mal was schreiben, was wirklich Hand und Fuß hat??? „A World Beyond“ steckt voller Logiklöcher, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das könnte unter anderem auch daran liegen, dass das Drehbuch zu viele Ideen zu haben scheint, uns mehrere davon präsentiert, aber gefühlt keine von ihnen sinnig zu Ende bringt (und spätestens alle „LOST“-Finale-Hasser werden sich hier bestätigt sehen, dass Lindelof einfach nichts vernünftig abschließen kann).

Wenn man wollte (und wir meckern ja gerade, also wollen wir), könnte man die ganze Geschichte von diesem Morgenland äußerst kritisch betrachten: Da gründet sich also eine Geheimgesellschaft, die sich „Plus Ultra“ nennt und die Besten und Schlauesten an einem Ort sammelt und sich um den Rest der Welt keine wirklichen Gedanken macht. Zwar wird irgendwann mal erwähnt, dass hier ohne die Widerstände von Politikern geforscht werden kann, aber der wirkliche Nutzen für den Rest der Menschheit wird dann doch nicht erwähnt. So ein Plus Ultra bleibt halt doch lieber unter seinesgleichen.

Dazu kommt noch, dass der ganze Film eigentlich eine riesige Einleitung ist zu einem Meissias-Plot, der auf äußerst fragwürdige Weise in der letzten halben Stunde aufgelöst wird. Und auch hier kann man wohl eher Lindelof als Bird Schuld geben, denn die Geschichte ist einfach mal sehr unausgegoren.

Und ganz ehrlich: Einen George Clooney hätte es für diesen Film nun wirklich nicht gebraucht, der läuft wie ein alter Mann dem Geschehen hinterher… scheinbar ohne zu wissen, wo er gerade ist oder was er da tut.

Das „Wo“ spielt in „A World Beyond“ natürlich auch eine ganz entscheidende Rolle… und auch das kommt eigentlich viel zu kurz. Denn an Tomorrowland dürfen wir uns nicht allzu lange erfreuen… sondern werden genauso schnell wieder rausgeschmissen wie Casey.

Also ist „A World Beyond“ eigentlich ein Film zum Staunen ohne das man wirklich Staunen darf, mit einer Story, die viel Zeit frisst, ohne etwas richtiges zu erzählen und mit Darstellern, die nicht wirklich überzeugen.

So, jetzt aber genug gemeckert, jetzt kommt die andere Seite:

Dreh dich um, dreh dich um…

Bei all dem Meckern muss man „A World Beyond“ zugute halten, dass der Film trotz all seiner kleinen und großen Fehler zu unterhalten weiß. Und der Film schafft den Spagat zwischen Kinder-Unterhaltung und Erwachsenem-Film fast spielen, so dass „A World Beyond“ wahrscheinlich als ein wahrhaftig perfekter Familien-Film zu bezeichnen ist. Von Abenteuer über Komik bis hin zu Dramatik ist alles in guten Dosen vertreten – höchstens vielleicht das etwas zu stark philosophische Ende könnte dem Ganzen im Wege stehen.

Ansonsten ist „A World Beyond“ gute Popcorn-Unterhaltung, es ist ein Film, der dank gut getimter Action eigentlich nur so an einem vorbeifliegt. Dazu versteckt Brad Bird noch ordentlich Filmzitate und Disney-Verweise in einer äußerst witzigen Szene und liefert uns mit Raffey Cassidy eine kleine Überraschung, denn die kleine Dame spielt mal eben alle an die Wand. Selbst einen George Clooney…

Zwar verschwindet der Film auch schnell wieder aus dem Gedächtnis und wird sicherlich nicht sonderlich viel dazu beitragen, dass sich irgendjemand mehr Gedanken über seine Zukunft machen wird. Aber hey, Kino darf doch auch mal nur unterhaltsam sein, oder etwa nicht? Und das kriegt Brad Bird ganz gut hin.

Tja, da haben wir nun gemeckert und gelobt, aber für was entscheiden wir uns jetzt? Ich tendiere zum positiveren Blick auf den Film, auch wenn man sich den nur aufrecht halten kann, wenn man wenig erwartet und über die vielen Kleinigkeiten, die nicht so ganz stimmen, hinwegsehen kann.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ganz ehrlich, Disney, dann lieber mehr von John Carter)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 22. Mai 2015 06:25

    Oh schade. Auf den Film hatte ich mich voll gefreut. Dazu mausert sich die gute Britt zu einer meiner Lieblingsschauspielerinnen.

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2015 09:03

      Echt? Die gute Britt ist mir bis jetzt noch nie so richtig aufgefallen… außer in dieser unsäglichen Serie „Under the Dome“.

      • 25. Mai 2015 12:23

        Achso, dann hast du vermutlich Kein Ort ohne Dich noch nicht gesehen. An und für sich ne ziemliche Schnulze, dafür aber eine ungemein sehenswerte mit einer wirklich tollen Britt.

        • donpozuelo permalink*
          26. Mai 2015 11:38

          Da steht Nicholas Sparks drüber, da kriege ich schon von vornherein Angst 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: