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Wüsten-Rallye des Wahnsinns

15. Mai 2015

30 Jahre haben wir gewartet, ohne das wir gewusst haben, dass wir überhaupt darauf warten. Schließlich war für uns die „Mad Max“-Reihe abgeschlossen, mit diesem merkwürdigen „Jenseits der Donnerkuppel“, bei dem man nie so genau wusste, was das jetzt mit den beiden Vorgängern zu tun hatte. Da war es vorbei mit „Mad Max“, für uns, für Mel Gibson und auch für Regisseur George Miller. Der machte dann erst mal kinderfreundliche Sachen jenseits vom Geruch von Benzin und Waffen, erzählte uns lustige Geschichten von Schweinen (das Drehbuch zu „Babe“ stammt von ihm) und ließ Pinguine tanzen (für „Happy Feet 1 und 2“ war Miller tatsächlich verantwortlich). Doch scheinbar konnte Miller nicht ohne Max und ließ irgendwann verkünden, er würde uns einen weiteren „Mad Max“-Film schenken… und ab da warteten wir gespannt (also warten wir vielleicht nicht unbedingt 30 Jahre, aber naja… ). Und jetzt, jetzt endlich, nach grandiosen Trailer, die uns einen noch grandioseres Comeback des schweigsamen Road-Warriors versprachen, ist es endlich soweit. „Mad Max: Fury Road“ ist endlich da!!!

Die Begeisterung über diesen Film kennt kaum negative Worte, überall, wo man nur hinschaut, wird der Film gelobt und gefeiert als ein grandioser Action-Film. Und das ist er auch… allerdings mag man es vielleicht schon herauslesen, denn es kommt bei mir – ausgerechnet bei mir – ein riesengroßes ABER… „Mad Max: Fury Road“ ist der große Action-Kracher, als der er gefeiert wird, ABER es ist kein wirklicher „Mad Max“-Film mehr. Das liegt jetzt nicht daran, dass Mel Gibson nicht als Max Rockatansky zurückkehrt. Klar, wäre es cool gewesen, ihn zu sehen (selbst ein Cameo hätte ich super gefunden), aber „Mad Max: Fury Road“ kommt auch bestens ohne Mel Gibson aus. Dafür ist ja immerhin ein anderer Mad-Max-Veteran vertreten: Hugh Keays-Byrne als Oberschurke Immortan Joe. Der spielte im ersten „Mad Max“ den Toe-Cutter und war da bereits schon schwer damit beschäftigt, Max das Leben zur Hölle zu machen. Damals war’s halt nur Mel Gibson, jetzt ist es Tom Hardy.

Fast and furious… nach der Apokalypse.

Und Hardy macht seine Sache echt gut, Hardy grummelt in bester Bane-Manier ein paar Sätze, damit wir zumindest erahnen können, dass er nicht wirklich komplett „mad“ ist. In Lederkluft und am Steuer eines Wagens, Trucks oder sonst irgendwas fühlt sich diese Wüstenbestie wohl… und ist so ein würdiger Mad Max… und hier schließe ich dann mal wieder an mein ABER von weiter oben wieder an: ABER… dieser Mad Max wird in seinem eigenen Film zum Nebencharakter.

„Mad Max: Fury Road“ ist grandiose Action, aber es ist kein Mad-Max-Film! Tom Hardy wird gnadenlos von Charlize Theron in die Enge gedrängt. Sie spielt Furiosa, die dem Tyrann Immortan Joe fünf Frauen stiehlt, um die weit weg von ihm zu bringen. Irgendwann zwischendurch stößt sie halt auf Max und der schließt sich diesem Frauenpower-Team einfach an. Er wird so was wie ihr Beschützer, nur leider sind die Damen – und gerade Charlize Theron – selbst so gut auf Zack, dass sie diesen einsamen, schweigsamen Road-Warrior gar nicht bräuchten. Und der Film selbst bräuchte ihn halt auch nicht.

Charlize Theron kennt sich aus im Action-Bereich und gibt eine bessere gequälte Seele auf der Suche nach Erlösung ab als Tom Hardy. Denn Therons Furiosa ist in diesem Film einfach mal die viel interessantere Figur. Zwar versucht Miller immer wieder, Max schreckliche Verluste (wir erinnern uns, dass er im ersten Teil seine Familie verliert und dadurch ja quasi erst zum Road-Warrior wird) durch Visionen zu verdeutlichen, aber viel mehr gelitten habe ich mit Furiosa. Und ihren fünf Schützlingen, die alle weitaus schlimmer dran sind als Max.

Nur wahrscheinlich wäre niemand mit Begeisterung in einen Film gelaufen über fünf Frauen, die durch die Wüste rasen (wahrscheinlich hätte auch kein Studio Geld dafür gegeben) und deswegen schummelt Miller da einfach einen Mad Max mit rein und alles läkuft.

Und es läuft ja auch alles wunderbar: Miller spart nicht mit wirklich atemberaubenden Bildern und Leinwand zerfetzender Action. Die Verfolgungsjagd (die eine verlängerte Variante der Tanklaster-Jagd des zweiten Teils ist) ist einfach nur spitze. Man möchte meinen, dass ein Zwei-Stunden-Film, der mit minimaler Handlung und maximaler Action aufwartet, irgendwann vielleicht langweilig werden könnte… aber Pustekuchen. Millers Action-Sequenzen wirken handgemacht und echt. Und: er lässt einem keine Atempause. Ein Schlag folgt dem nächsten, sodass es einfach nur ein wahres Fest ist, wenn sich hier postapokalyptische Wüsten-Raser hier vor imposanter Kulisse ihre Schlachten liefern. Dazu gibt’s die absurdesten und geilsten Kisten, die das Kino seit langer, langer Zeit gesehen…

„Mad Max: Fury Road“ macht einfach nur Spaß. Ein bisschen einleitendes Story-Gedöhns, das reicht… denn Story würde nur Platz wegnehmen, die man mit unheimlich geilen Stunts belegen könnte. „Mad Max: Fury Road“ ist Action pur, bei dem man nicht zur Ruhe kommt und einfach nur mitfiebert, wann der nächste große Knall kommt. ABER (und da ist es noch einmal) „Mad Max: Fury Road“ ist leider kein Mad-Max-Film. Es ist ein Charlize-Theron-Film… er müsste heißen „Furiosa: Fury Road“ (nur könnte das keiner aussprechen).

Tom Hardy ist gut in dieser „Nebenrolle“ und man kann sich nur wünschen (und das wünsche ich mir wirklich sehr), dass er in einer Fortsetzung mehr zur Geltung kommt. Schließlich will ich in einem „Mad Max“-Film auch einen Mad Max bekommen!

Wertung: 8 von 10 Punkten („Mad Max“ ohne wirklichen Max, aber mit grandioser Action, die in diesem Jahr wohl niemand mehr übertrumpfen wird)

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23 Kommentare leave one →
  1. 15. Mai 2015 07:31

    Der Film wird echt gelobt? Nachdem ich den Trailer das erste Mal sah, hätte ich am Liebsten die Produktionsfirma verklagt, dass sie den Titel „Mad Max“ entfernt. Das ist ein Actiontralala in irgeneiner Endzeit und hat mit Mad Max so viel zu tun wie ein Spanferkel mit einem Veganer.
    Jenseits der Donnerkuppel war schon idiotisch und hätte gar kein MM3 mehr sein dürfen… Ich werde dieses Neuverfilmungsremake auf alle Fälle boykottieren!!

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2015 09:21

      Der Film wird in den Kritiken gefeiert ohne Ende. Und als Action-Film ist er auch zu feiern, aber leider nicht so richtig als Mad-Max-Film!

      • 15. Mai 2015 09:45

        Action ist ja auch ok aber als Mad Max eine Schande.

        • donpozuelo permalink*
          15. Mai 2015 10:16

          Naja, als Schande würde ich es jetzt auch nicht bezeichnen wollen. Es wird diesem ganzen Endzeit-Feeling der alten Filme schon gerecht. Vielleicht ist es ordentlich dick aufgetragen, aber anders hätte Miller den Film wahrscheinlich nie in die Kinos bekommen…

        • 15. Mai 2015 10:36

          Wahrscheinlich nicht… aber ein anderer Titel wäre netter gewesen 😉

        • donpozuelo permalink*
          15. Mai 2015 10:50

          Absolut… ein anderer Titel hätte durchaus Sinn gemacht. Nur hätte sich das Ding wahrscheinlich nicht so gut vermarkten lassen. So ist es halt DER MAD-MAX-FILM nach 30 Jahren 😀

      • 16. Mai 2015 07:46

        Wahrscheinlich zieht dieses 30-Jahre-ding tatsächlich bei den Leuten…

  2. 15. Mai 2015 20:14

    Klingt großartig! Freue mich sehr darauf. Gerade dass Miller nach all den Jahren noch so ein Brett auf die Beine stellt, ist famos.

    • donpozuelo permalink*
      16. Mai 2015 22:34

      Ja, das auf jeden Fall. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, wie kinderfreundlich er in letzter Zeit gedreht hat 😀

  3. 19. Mai 2015 16:27

    Furiosa: Fury Road hätte aber alliterationsmäßig mehr zu bieten. 😉

    • donpozuelo permalink*
      19. Mai 2015 22:19

      Schon, aber es ist echt schwer, dass auszusprechen ohne sich dabei die Zunge zu verbiegen… 😀

  4. 22. Mai 2015 06:33

    Jetzt habe ich ihn gestern auch gesehen und fand ihn großartig. Und das mit dem Hauptanteil Charlize mag wohl stimmen, aber Max geht nicht unter. Ohne Hardy hätte dem Film etwas gefehlt. Wie auch immer, für mich DER Actionfilm der letzten Jahre.

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2015 09:05

      Ich weiß nicht… ich glaube, der Film hätte auch ohne Hardy bestens funktioniert. Dieser Max ist halt einfach nicht so richtig zur Geltung gekommen. Aber trotzdem ist es wirklich einer DER Actionfilme der letzten Jahre. Einfach nur großartiges Unterhaltungskino.

  5. 25. Mai 2015 19:56

    Wie du habe auch ich den Film mit 8/10 bewertet. Im Gegensatz zu einigen deiner Leser finde ich aber schon, dass der Film ein richtiger „Mad Max“ ist. Ich habe mir die drei ersten Teile extra noch schnell vor dem Kinobesuch angeschaut und finde, dass Fury Road total gut in die Reihe passt. Die Donnerkuppel fand ich allerdings so richtig mies…
    Meine Kritik: https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/05/25/filmkritik-mad-max-fury-road/

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2015 11:40

      Ich mag die „Donnerkuppel“. Da hätte man zwar mehr draus machen können, aber irgendwie war er auch recht unterhaltsam. Und auch ich selbst gehöre ja zu denen, die „Fury Road“ nicht so ganz als richtigen Mad-Max-Film ansehen: Das Feeling ist da, die Welt stimmt, aber Max selbst kommt halt nicht so zum Vorschein. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Film auch ohne Tom Hardy funktioniert hätte… und das finde ich ein kleines bisschen schade für Max. Aber ansonsten natürlich ein großartiger Film, der Lust auf mehr macht.

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