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Klopf, klopf, klopf

11. Mai 2015

Wenn ich jetzt einen guten Klopf-Klopf-Witz parat hätte, würde ich ihn bringen. Aber a) habe ich keinen und b) ist der Film, den ich Euch jetzt vorstellen willen, auch nichts, worüber ich Witze machen könnte. Immerhin ist „Der Babadook“ der erste Film seit Ewigkeiten, bei dem ich dachte, mein Herz schlägt so laut, dass es meine Sitznachbarn im Kino hören können. Und es ist auch der erste, und wenn ich drüber nachdenke, auch der einzige, Film, bei dem ich ab einem bestimmten Zeitpunkt fast durchgängig Gänsehaut hatte. Denn „Der Babadook“ ist die Art von Horror-Film, die sich wirklich gut ins Hirn frisst – und es selbigem auch die meiste Zeit überlässt, den Horror aufrechtzuerhalten.

Amelia (Essie Davis) verliert ihren Mann Oskar (Benjamin Winspear) bei einem Autounfall, während er versucht, seine schwangere Frau zum Arzt zu fahren. Seitdem diesem tödlichen Unfall sind sechs Jahre vergangen und Amelia lebt als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn Sam (Noah Wiseman) in einem großen einsamen Haus. Der Junge zeigt sich leicht verhaltensgestört, geht seiner armen, gestressten Mutter immer wieder mit Monster-Geschichten auf die Nerven und sorgt auch beim Zuschauer im Laufe des Films für nur wenig Zuneigung. Und dann liest ihm seine Mutter eines Abends die Geschichte vom Babadook vor – ein unheimliches Monster, dass dreimal an die Tür klopft, und wenn man es hereinlässt, wird man es nie wieder los. Irgendwann macht es dann „Klopf, klopf, klopf“… und der Rest wird dann zu einem grandiosen Horror-Film, der nicht immer Horror, sondern auch sehr viel Drama ist.

Where is the one who knocks?

Ich will mal am Ende anfangen, denn – ähnlich wie bei „Ex Machina“ letztens – gefiel mir das Ende von „Der Babadook“ nicht so recht. Es wirkt ein wenig überdreht, nachdem der ganze restliche Filme so herrlich minimalistisch mit all seinen Effekten umgeht. Doch wie auch bei „Ex Machina“ hat ein bisschen drüber diskutieren dazu geführt, dass mir auch hier das Ende richtig gut gefallen hat. Denn man muss sich bei „Der Babadook“ halt immer ein bisschen vorstellen, dass hier das meiste symbolisch zu sehen ist. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich so schwammig darüber rede, aber das bezieht sich halt viel auf die Tatsache, dass „Der Babadook“ neben dem ganzen Horror auch sehr viel Drama zu bieten hat.

Und da steht die gute Amelia im Mittelpunkt. Hier haben wir die überforderte und gestresste Frau, die mit jedem Geburtstag ihres Sohnes auch an den Todestag ihres geliebten Mannes erinnert wird. Sie ist eine Frau, die mit ihrer Vergangenheit nie abschließen kann, weil die Gegenwart – ihr Sohn – sie immer wieder daran erinnert. Darauf baut Regisseurin Jennifer Kent großartig auf, kann man den ganzen Film über nie so genau sagen, ob Amelia nun wirklich einen unheimlichen Besucher in ihrem Haus hat oder ob sie einfach nur das letzte bisschen Vernunft im Kampf gegen ihre inneren Dämonen verloren hat.

Amelia-Darstellerin Essie Davis zeigt uns diesen Zerfall auf unglaublich eindrucksvolle und erschreckende Art und Weise… Aber der Grund, warum Davis so grandios gut aufspielen kann, liegt zum Großteil bei Noah Wiseman. Der kleine Bengel spielt den Plagegeist so überzeugend, dass man als Zuschauer selber irgendwann richtig Wut auf ihn bekommt, wenn er schreit, tritt und einfach nur anstrengend ist. Ganz ehrlich, ich habe Davis die ganze Zeit bewundert, dass ihr nie die Hand ausgerutscht ist… furchtbare Nervensäge – wie perfekt für diesen Film.

Somit ist „Der Babadook“ in seiner ersten Hälfte also wirklich mehr Drama als Horror, aber Regisseurin Kent lässt den Horror-Anteil trotzdem auch da nicht weg. Er schwingt nur ganz leicht an… es sind erste Geräusche, erste merkwürdige Anzeichen, dass da was sein könnte. Aber noch nicht viel… aber wie gesagt, irgendwann klopft es und „Der Babadook“ lehrt uns gekonnt das Gruseln. Mit einfachsten Mitteln, aber auch mit einem großartig unheimlichen Babadook macht uns Kent den Garaus. Und das ist wirklich so… ich hatte ja erst Angst, dass „Der Babadook“ eine ähnliche Enttäuschung wie seinerzeit „Mama“ werden könnte – cooler Trailer, mieser Film. Aber „Der Babadook“ hält wirklich, was der Trailer verspricht. Das ist wirklich mal wieder ein Gruselfilm, der wirklich und wahrhaftig gruselig ist.

Die Mischung macht’s halt einfach – wir haben hier eine gutes Charakter-Drama vermischt mit einfachem, aber höchst effektiven Grusel-Faktor. Man fiebert und leidet so mit Essie Davis mit, das man irgendwann einfach nicht mehr ruhig in seinem Stuhl sitzen kann. So muss guter Grusel sein, sehr spannend, packend und auch ein bisschen tiefgründig, wenn man nach dem Ende ein wenig drüber nachdenkt 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (nach diesem Film lässt man erst einmal das Licht ein bisschen länger an vorm Einschlafen)

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4 Kommentare leave one →
  1. 11. Mai 2015 08:05

    Ich wundere mich ja immer ein wenig über die Veröffentlichungspolitik von solchen kleinen Film. Immerhin lief der schon im September auf dem Fantasy Filmfest.

    Aber ja, guter Film, schön gruselig! Und kein Vergleich zum verhunzten Mama.

    • donpozuelo permalink*
      11. Mai 2015 10:30

      Ich bin ja schon froh, dass sie ihn überhaupt noch ins Kino gebracht haben. Da er auf dem FFF lief, hatte ich schon Angst, der würde direkt auf DVD rauskommen. So konnte ich ihn wenigstens auch noch mal ordentlich im dunklen Kino erleben 😉

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