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Sessions mit Ava

8. Mai 2015

Alan Turing dürfte ja mittlerweile jedem ein Begriff sein. Immerhin gibt es schon an die fünf Filme, die sich mit ihm und seinem Leben auseinandersetzen – jüngst gab’s ja die Benedict-Cumberbatch-Variante (um die es hier aber nicht gehen soll). Und deswegen dürften ja auch die meisten mittlerweile ein ganz gutes Bild davon haben, was es mit dem Turing-Test auf sich hat (für alle anderen hier noch einmal grob zusammengefasst: Damit soll festgestellt werden, ob eine Maschine ein gleichwertiges Denkvermögen wie ein Mensch hat und fähig ist, eigene Schlüsse zu ziehen – quasi der intelligenz-Test für Künstliche Intelligenzen oder der echte Voight-Kampff-Test).

Und jetzt wird der gute Mr. Turing einmal mehr geehrt – in dem grandiosen Regiedebüt von Drehbuchautor Alex Garland. In „Ex Machina“ soll der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) für seinen Chef, den exzentrischen Nathan (Oscar Isaac), den Turing-Test an einem ganz besonderen Objekt anwenden: Ava (Alicia Vikander), ein Roboter, den Nathan in der Einsamkeit seines Labors mitten im Nirgendwo geschaffen hat und den Caleb nun innerhalb von einer Woche auf ihre tatsächliche künstliche Intelligenz testen soll.

Wer begutachtet hier wen?

Lieber Wally Pfister, falls du mal wissen willst, wie ein Regie-Debüt richtig gut funktioniert und wie dazu auch noch ein wirklich spannende und bewegende und tiefgehende Geschichte rund um künstliche Intelligenzen erzählt wird, dann schau dir doch einfach mal „Ex Machina“ von Alex Garland an. Denn dann weißt du gleich noch viel mehr, dass du dein merkwürdiges „Transcendence“ in der Pfeife rauchen kannst.

Was Alex Garland hier abliefert, ist wirklich bemerkenswert – bemerkenswert simpel und doch packend bis zur letzten Minute. Und das liegt daran, weil Garland es hinbekommt, drei Dinge perfekt in Balance zu bringen: Stil, Charaktere und Story!

Fangen wir beim Stil an, denn das allein ist schon umwerfend. Gedreht wurde der Film in einem Hotel in der Wildnis von Norwegen. Und allein das spielt schon sehr gekonnt in diesen „Kampf“ Mensch gegen Maschine, Natürlichkeit gegen maschinelle Perfektion. Nathans Haus (dieses wunderbare Juvet Hotel in Norwegen) verbindet diesen kühlen neumodernen Stil aus Beton und Glas mit der Natürlichkeit der Umgebung. Das passende Domizil für einen merkwürdigen Exzentriker, der mitten im Nirgendwo ein bisschen Frankenstein spielt.

Damit wäre zum Stil auch schon alles gesagt, denn Garland verlässt diese Hotel- / Labor-Anlage nie. Muss er auch nicht, denn es geht nicht darum, großes Sci-Fi-Kino aufzufahren. Das alles dient nur den Darstellern. Und die sind durch die Bank großartig. Wir haben es in „Ex Machina“ mit drei großartigen Schauspielern zu tun (eigentlich vier, aber die gute Sonoya Mizuno hat eine stumme Rolle und fällt deswegen aus dieser Runde aus). Domhnall Gleeson, den ich erst so seit „About Time“ so richtig bemerkt habe, ist toll. Als nerdiger, schüchterner Programmierer ist er eingeschüchtert und fasziniert zugleich. Und Gleeson macht das sehr überzeugend – kann sich sein Caleb doch nie entscheiden, von wem er mehr beeindruckt sein soll: der faszinierenden Ava oder dem Hybris getriebenen Übermenschen Nathan (der selbst einen Tony Stark in den Schatten stellen würde). Oscar Isaac ist spitze – zwischen freundlich-sympathisierend über hochmütig-arrogant bis hin zu einfach nur verrückter Professor: Das ist genau die Art von Gegenpol, den der zurückhaltende Domhnall Gleeson braucht.

Und auf diese beiden sehr menschlichen und unterschiedlichen Charaktere stößt Ava, umwerfend gespielt von Alicia Vikander. Sie schafft es (natürlich auch durch den coolen CGI-Robo-Körper) auf einer Seite wirklich wie ein Roboter zu wirken, auf der anderen Seite fühlt man sich (genau wie Caleb) mehr und mehr zu ihr hingezogen. Im Laufe des Films gewinnt sie mehr und mehr an Natürlichkeit und Menschlichkeit, sodass man immer mehr vergisst, dass sie ja eigentlich noch einen Roboter spielt.

Komischer Spiegel…

Womit wir dann zur Story kommen. Mal abgesehen davon, dass Garland im Gegensatz zu Pfister Bescheid weiß, was er tut – schließlich war der eine „nur“ Kamera-Mann, während der andere Romane („The Beach“) und Drehbücher („28 Days Later“, „Dredd“) schreibt und somit ein bisschen besser Bescheid weiß, wie man gute Geschichten erzählt.

„Ex Machina“ wird trotz seines kleinen Casts und dem begrenzten Setting nie langweilig. Garland spinnt eine faszinierende und emotionale Geschichte, bei der man nie so genau weiß, wer hier eigentlich wen testet. Was mich aber besonders umgehauen hat, war das Ende. Denn hier erweist sich Garland als konsequenter Erzähler, der mal gekonnt auf unsere Erwartungen pfeift und sich lieber seiner Story unterwirft. Anfangs war das verwirrend, fünf Minuten drüber nachgedacht und es war schon verdammt, verdammt cool.

„Ex Machina“ ist ein stylisher und unterhaltsamer Film, bei dem man nie so richtig weiß, wem man nun vertrauen soll. Garlands Kammer-Stück um menschliche und künstliche Intelligenz ist vor allem ein toll geschauspielerter Film, der dank der großartigen Darsteller und der tollen Story von Anfang bis Ende begeistert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (endlich mal wieder ein cooler Film zum Thema Künstliche Intelligenz)

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19 Kommentare leave one →
  1. 8. Mai 2015 08:01

    Habe den FIlm auch gestern abend gesehen und war sehr begeistert. Tolle Schauspieler (Isaac ist famos) und eine richtig fesselnde Story. So funktioniert Sci-Fi ohne großen Krawall und Weltraumschlachten.

    • donpozuelo permalink*
      8. Mai 2015 09:04

      Ja, ja und ja 😀 Isaac war super, alle waren super. Aber stimmt, gerade Isaac als Arschloch war spitze 😀

      • 9. Mai 2015 11:16

        Und diese Tanzszene! Der Tanz!

        • donpozuelo permalink*
          9. Mai 2015 16:47

          Uh… ja, total creepy. Absurd, lustig und verdammt creepy…

  2. 8. Mai 2015 14:14

    Kann dir eigentlich nur zustimmen. Wenn du mal vorbei schauen möchtest: https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/04/23/filmkritik-ex-machina/

    • donpozuelo permalink*
      8. Mai 2015 15:13

      😀 Freut mich. Danke, da werde ich mal bei dir vorbeischauen…

  3. 8. Mai 2015 20:33

    Ich spamme irgendwie immer an den Filmen vorbei, aaaber dieses Hotel wirkt einerseits awesome und andererseits richtig gruselig. o_o Je nachdem wo man steht und ob man in die sonnige Ferne blickt oder auf eine 20*3m Glaswand voller Schwaaaarz schaut. 😀 Von daher sicher bestens geeignet für so einen ambivalenten Film. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. Mai 2015 16:47

      😀 Schon okay, aber findest du das Hotel wirklich gruselig??? Ich finde, es sieht echt cool aus. Ich mag diesen Pseudo-modernen Hippie-Kram aber auch: „Oh, wir bauen mitten in die schöne Landschaft ein paar merkwürdige Glas-und-Stahl-Kästen… yeah!“ Es passt auf jeden Fall sehr gut zum Film 😉

      • 9. Mai 2015 19:04

        Alles was auf „yeah!“ endet is immer ein guter Plan für ein Gebäude! 😀 Naja, ich stell mir bei so riesigen Glasfronten zwar vor, dass es absolut toll ist, den Sonnenauf-/-untergang zu beobachten oder die Aussicht zu genießen, aber sobald kein Mond mehr da ist und bewölkt und so, dann visioniere ich immer gleich mich einsam und allein vor die Fensterscheibe und ein Monster oder einen fiesen Killer in die undurchdringliche Finsternis auf der anderen Seite. Mein Gehirn will sowas wohl nich genießen. 😄 Obwohl ich noch nie in so nem Haus war, vielleicht fänd ich es am Ende doch toll? Man weiß et nich! 😀

  4. 10. Mai 2015 18:01

    Du kennst ja meine Meinung 😉 Ich weiß nicht, ob ich das zu dir oder zu jemand anders gesagt habe, aber ich finde der Film ist so ein bisschen das iPhone unter den Filmen. Eine bekannte Story in ein neues, aktualisiertes, schönes, überteuertes Gewand und alle fahren drauf ab. Aber was den Vergleich mit Vertretern wie Transcendence betrifft, ist es eindeutig der v.A. handwerklich viel viel besser gemachte Film.

    • donpozuelo permalink*
      10. Mai 2015 19:05

      Als absoluter iPhone-Verweigerer verbiete ich mir diesen Vergleich 😀 Aber ja, irgendwie hast du auch Recht. Aber überteuert ist der Film ja gerade nicht. Die hatten ja wohl ein recht geringes Budget. Die Story ist wohl tatsächlich bekannt, aber ich fand das neue, aktualisierte Gewand recht ansprechend… 😉

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