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Geld gegen Schmerz

6. Mai 2015

Was würde manch einer von uns (euer lieber Don vielleicht auch nicht unbedingt ausgeschlossen 😉 ) für Geld tun?!?!? Natürlich reden wir uns alle irgendwie ein, dass wir den schnöden Mammon ignorieren können und ihn nicht brauchen. Aber in einer Welt, in der alles Geld kostet, ist ein bisschen schnöder Mammon ja auch eigentlich ganz praktisch. Wenn man ihn den hat… also ist die Frage, was würde man dafür tun? Und wo ist die Grenze? Wann wäre Schluss???

Regisseurin Ramaa Mosley geht dieser Frage in ihrem Debüt „Schmerzensgeld“ auf teils recht unterhaltsame und teils recht schmerzliche Weise nach. Und „schmerzlich“ ist auch das richtige Stichwort: Die frisch verheirateten Alice (Juno Temple) und John (Michael Angarano) haben keine Kohle… um genau zu sein, stehen sie so richtig tief in den Miesen und Aussicht auf einen Job, ein bisschen Kohle und dem Ende aller Sorgen ist nicht in Sicht. Bis Alice in einem Antiquariat einen alten kupfernen Teepott klaut. Warum? Keine Ahnung, sie fühlt sich magisch von dem Ding angezogen und muss es einfach haben. Und es steckt auch ordentlich Magie in dem Pott, wie Alice und John schnell feststellen: Immerhin wenn einer von ihnen Schmerzen verspürt, spuckt der Teepott Geld aus. An und für sich eine schöne Sache, doch hat das Ganze natürlich einen Haken: Ordentlich Geld gibt es nur für ordentliche Schmerzen. Und so steigern sich die Beiden so langsam in einen gefährlichen Rausch.

Bisschen kalt zum Kuscheln, aber egal…

Der Film erinnert von der Grundprämisse sehr an Filme wie „The Box“: Die Frage, was würdest du für Geld tun und wie weit würdest du dabei gehen, schwingt hier ebenso schwer mit wie bei „The Box“. Doch anders als der etwas wirre Sci-Fi-Klopper versucht „Schmerzensgeld“ das Ganze auf eine komische Art und Weise zu bewältigen. Da darf dann auch mal in bester „Shades of Grey“-Manier mit dem Gürtel auf den blanken Arsch gehauen werden oder man spielt hier das berühmte Spiel mit dem heißen Herd. Das macht den Film anfangs auch echt zu einem höchst amüsanten Erlebnis… zumal Juno Temple und Michael Angarano ein wunderbares Pärchen abliefern.

Angarano spielt den liebenswerten Nerd, während Juno Temple nach ihrer schnarchigen Performance in „Maleficence“ mal wieder ihren ganzen Charme spielen kann. Man leidet am Anfang mit ihnen mit und gönnt ihnen auch den plötzlich gefundenen Luxus – immerhin müssen sie ja trotzdem noch ganz schön leiden.

Doch irgendwann schlägt der Film dann um – zwangsläufig muss er das tun. Doch leider gelingt Mosley der Übergangen von Spaß zu Ernst nicht so recht. Was anfängt wie ein absurdes Märchen wird zu einem noch absurderen mit ziemlich dunklen Tönen. Gut, dass die Art, wie sich die beiden Schmerzen zuführen, irgendwann verändert, fand ich persönlich noch sehr erfrischend. Schließlich schöpft Mosley hier alle Grausamkeiten aus, die sich zwei Personen antun können. Das ist auch noch irgendwie okay, unterstreicht es doch den Punkt, den der Film uns nahebringen will: Gier macht böse!

Das eigentliche Problem, das „Schmerzensgeld“ ab der Hälfte des Films bekommt, ist die Tatsache, dass das Ganze halt einfach zu absurd wird. Wir bekommen dann ähnlich wie in Aronofskys „Pi“ irgendwann mehrere Parteien, die den Pott haben wollen. Jeder für seine eigenen Zwecke. Dazu kommt ein asiatischer Erklärbär (warum er jetzt Asiate sein muss, wird nicht geklärt), der uns und den beiden Protagonisten eine kleine Geschichtsstunde gibt und wir erfahren, dass der Pott zuletzt in einem Konzentrationslager aufbewahrt wurde… diese Pseudo-Historie des Potts soll natürlich verdeutlichen, dass Geld und die Gier nach Geld die Wurzel allen Übels ist. Aber in diesem witzig-charmanten Märchen hat das nichts zu suchen. Der Film hätte auch ohne diesen Kram funktioniert und zwar sehr viel besser… denn dass die beiden durch das Geld verdorben werden, wird auch so deutlich.

Hier verspielt sich Mosley das Potenzial des gesamten Films. Ich habe bei all den Nazi-Geschichten irgendwann nur noch darauf gewartet, dass Indiana Jones vorbei kommt, um den seltenen Pott an sich zu reißen. Aber gut, der ist ja gerade damit beschäftigt, durchs All nach Hause zu fliegen 😉

„Schmerzensgeld“ hätte ein wirklich witziger und auch kritischer Film sein können. Die beiden Hauptdarsteller sind ein absoluter Traum und ihre „Leiden“ sympathisch-witzig. Aber leider geht das Ganze dann mit den Geschichtsstunden in die falsche Richtung, irritiert, verwirrt und verärgert sogar ein bisschen. Mosley hätte diesen Märchen-Charakter nach dem Motto: „Es war einmal ein Pärchen, das fand einen Pott…“ beibehalten sollen. Dann wäre die Moral-Keule am Ende erträglicher gewesen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein Glück hat dieser Film Juno Temple – sonst wäre das was für die Tonne)

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2 Kommentare leave one →
  1. 6. Mai 2015 19:13

    Oh, klingt nach einer genialen Prämisse, die dann ganz schön baden geht … schade, aber neugierig bin ich jetzt trotzdem. 😉

    • donpozuelo permalink*
      7. Mai 2015 08:43

      Ja, er ist auch nicht sooo schlecht, die Idee und die Darsteller sind schon toll. Aber es wird halt irgendwann etwas übertrieben mit der ganzen Hintergrundgeschichte zum Teepott…

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